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Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus

Titel: Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus

Hausarbeit , 2003 , 15 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Henry Berndt (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Oft findet man in kritischen Leserbriefen Ausdrücke wie „einseitige Berichterstattung“ oder „Voreingenommenheit“. Unter allen Vorwürfen gegenüber Journalisten ist „fehlende Objektivität“ der wohl am meisten gehörte. Der Grund dafür ist, dass diesem Vorwurf, beispielsweise im Gegensatz zur Bezichtigung einer Lüge, keine strikten Kriterien zu Grunde liegen. So kann jeder, dessen Standpunkt sich in einem journalistischen Beitrag nicht wieder findet, unabhängig von dessen Wahrheit oder Wichtigkeit, den Journalisten an den Pranger stellen. Ob eine ungerechte Gewichtung der Argumente, ungenügende Genauigkeit bei der Recherche oder der subjektive Standpunkt des Berichtenden – dem Journalisten scheint wohl grundsätzlich der neutrale Überblick über seine Geschichte zu fehlen.

Doch was bedeutet eigentlich „Objektivität“? Ein solch verschwommener Begriff sollte zunächst erst einmal definiert werden. Erst darauf aufbauend kann man einzelne Kriterien aufstellen und Forderungen an den Journalisten formulieren. Zudem stellt sich die Frage, ob Objektivität überhaupt eine grundsätzliche Eigenschaft von gutem Journalismus sein sollte. Sind es nicht gerade Interpretationen der Realität, die Journalismus ausmachen? Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Meine Problemstellung lautet dabei: Ist Objektivität im Journalismus möglich und generell erstrebenswert? Dazu werde ich, wie bereits erwähnt, zunächst den Begriff „Objektivität“ ausleuchten und definieren. Im Anschluss möchte ich die Besonderheiten journalistischer Objektivität herausstellen und mir darauf aufbauend aus der Literatur die verschiedenen Konzeptionen von Objektivität im Journalismus herausarbeiten und interpretieren. Im Schlussteil werde ich meine Erkenntnisse im Bezug auf die hier formulierte Problemstellung darstellen, einschätzen und ein Fazit meiner Arbeit ziehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist „Objektivität“?

3. Besonderheiten der journalistischen Objektivität

3.1 Möglichkeit von Objektivität im Journalismus

3.2 Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus

4. Konzepte journalistischer Objektivität

4.1 Ideologische Konzeption

4.2 Funktionalistische Konzeption

4.3 Konsensuelle Konzeption

4.4 Realitätsbezogene Konzeption

4.5 Relativistische Konzeption

4.6 Fazit zu den Konzeptionen journalistischer Objektivität

5. Schlussfolgerungen zur Möglichkeit und Wünschbarkeit journalistischer Objektivität

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und die praktische Umsetzbarkeit des Objektivitätsideals im Journalismus, um die Forschungsfrage zu klären, ob Objektivität im Journalismus möglich und generell erstrebenswert ist.

  • Definition und Kriterien von Objektivität
  • Journalistische Objektivität als Berufsnorm
  • Vergleich verschiedener journalistischer Konzeptionen von Objektivität
  • Das Spannungsfeld zwischen Subjektivität und neutraler Berichterstattung
  • Die Rolle des Rezipienten bei der Medienrealität

Auszug aus dem Buch

3.2 Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus

Im Abschnitt 3.1 bin ich davon ausgegangen, dass höchstmögliche Objektivität eine grundsätzliche Tugend im Journalismus sei. Dies möchte ich nun hinterfragen. Anstatt dies als konstante Variable zu betrachten, sollte man viel mehr den Grad der Objektivität der jeweiligen Art der Publikation anpassen. Eine Pressemitteilung oder ein Polizeibericht bestehen grundsätzlich nur aus einer Aneinanderreihung von Fakten. Tatsächlich ist dies die einzige Möglichkeit, die Wirklichkeit realistisch beschreiben zu können. Da diese Beschreibung der Wirklichkeit mit dem Begriff der „Objektivität“ einhergeht, erfüllen demnach Pressemitteilungen in besonderem Maße die Forderung nach objektiver Berichterstattung. Ein aus solch einer Pressemitteilung entstehender Artikel belässt es nicht bei einer bloßen Aufzählung der Fakten. Er analysiert und interpretiert die Geschehnisse und nimmt dem Rezipienten damit zum Teil die Meinungsbildung ab. Dies ist aber kein negativer Effekt, da Analyse und Interpretation der Faktenlage mit zur Funktion des Journalismus zählen. Die Information besteht nicht ausschließlich aus Fakten. Würde dies der Fall sein, führe dies zu einer bloßen Nennung unzusammenhängender Nachrichten. Der Wunsch nach Objektivität muss also unter diesem Hintergrund eingeschränkt werden. Allerdings ist der Schritt zur Meinungsmache ein gefährlich kleiner. Eine klare Trennung von Meinung und Nachricht ist von besonderer Bedeutung. Der Rezipient muss erkennen können, was objektiv richtig ist, und was er kritisch hinterfragen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Journalisten häufig mit dem Vorwurf fehlender Objektivität konfrontiert sind, und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Möglichkeit und Erstrebenswertheit dieses Ideals.

2. Was ist „Objektivität“?: Dieses Kapitel nähert sich dem vagen Begriff durch eine Definition als „Darstellung der Wirklichkeit, wie sie ist“ und arbeitet vier zentrale Kriterien heraus: Vollständigkeit, Genauigkeit, Wahrheit und Werturteilsfreiheit.

3. Besonderheiten der journalistischen Objektivität: Hier wird diskutiert, warum absolute Objektivität ein unerreichbares, aber anzustrebendes Ideal ist und welche Rolle sowohl bewusste als auch unbewusste Subjektivität bei der Berichterstattung spielen.

4. Konzepte journalistischer Objektivität: Das Kapitel vergleicht fünf verschiedene Ansätze – ideologisch, funktionalistisch, konsensuell, realitätsbezogen und relativistisch – hinsichtlich ihrer theoretischen Basis und ihrer praktischen Tauglichkeit.

5. Schlussfolgerungen zur Möglichkeit und Wünschbarkeit journalistischer Objektivität: Das Fazit fasst zusammen, dass die relativistische Konzeption am plausibelsten erscheint, da sie die Unausweichlichkeit der journalistischen Interpretation anerkennt und die Trennung von Meinung und Nachricht als entscheidendes Qualitätskriterium betont.

Schlüsselwörter

Objektivität, Journalismus, Medienrealität, Subjektivität, Berichterstattung, Nachricht, Meinung, Konstruktivismus, Berufsnorm, Fakten, Interpretation, Wahrheit, Rezipient, Nachrichtenmedien, Parteilichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das journalistische Ideal der Objektivität, hinterfragt dessen Umsetzbarkeit in der Praxis und untersucht, ob und inwieweit objektive Berichterstattung möglich und erstrebenswert ist.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die Definition von Objektivität, die Analyse der journalistischen Berufsnorm, die Abgrenzung zwischen Fakten und Interpretation sowie verschiedene theoretische Konzeptionen wie der funktionalistische oder relativistische Ansatz.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet: Ist Objektivität im Journalismus möglich und generell erstrebenswert?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene wissenschaftliche Definitionen und Konzeptionen aus der Kommunikationswissenschaft herangezogen, interpretiert und miteinander verglichen werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung der Kriterien von Objektivität, eine Untersuchung der journalistischen Besonderheiten im Umgang mit Neutralität sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit fünf spezifischen Modellen journalistischer Objektivität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Objektivität, Subjektivität, Medienrealität, journalistische Berufsnorm, Faktenorientierung und Interpretation geprägt.

Warum ist laut der Arbeit eine rein faktische Berichterstattung nicht ausreichend?

Weil eine reine Aufzählung von Fakten ohne Analyse und Interpretation zu einer Aneinanderreihung unzusammenhängender Nachrichten führen würde, die dem Leser bei der Einordnung der Geschehnisse nicht hilft.

Warum erscheint die relativistische Konzeption als die logischste?

Da sie anerkennt, dass Journalisten die Realität stets aus ihrer eigenen Perspektive interpretieren müssen und es keine „objektive“ Beschreibung gibt, die ohne einen beobachtenden Beobachter auskommt.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Wahrnehmen, Selektieren, Präsentieren
Note
2,0
Autor
Henry Berndt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V49838
ISBN (eBook)
9783638461931
ISBN (Buch)
9783656071501
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeit Wünschbarkeit Objektivität Journalismus Wahrnehmen Selektieren Präsentieren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Henry Berndt (Autor:in), 2003, Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/49838
Blick ins Buch
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