In dieser Ausarbeitung widmen wir uns dem Thema, ob wir lediglich anhand von Verhalten ein Geschlecht erkennen können. In dem Buch "Autolyse Wien" von Karin Peschka gibt es eine Erzählung über ein "Ich", welches auf den ersten Blick geschlechtsneutral erscheint. Nach dem Vergleich von Männern und Frauen hinsichtlich ihres Verhaltens und ihren Fähigkeiten, wenden wir uns Peschkas Buch zu. Wir stellen dann eine Verbindung zu unserem geschaffenen Wissen und analysieren das Verhalten des Individuums.
Man kann davon ausgehen, dass Stereotype lediglich Vorurteile sind, da sie die Geschlechterrollen stark vereinfachen und nicht nach dem Einzelnen fragen, sondern ihre Annahmen direkt auf alle übertragen. Sobald ein Merkmal einem bestimmten Geschlecht zugeschrieben wird, dann wird es dem anderen Geschlecht aberkannt. Insgesamt beobachten Psychologen und Genderforscher, dass Eltern in der Kindererziehung immer noch sehr stark zwischen Jungen und Mädchen differenzieren. Dies zeigt sich besonders, wenn es um Spielzeug, Kleidung oder Ähnliches geht (heutzutage sogar viel stärker als noch vor 30 Jahren). "Dadurch werden aber die Vorurteile über die Geschlechter schon in jungen Jahren immer wieder verstärkt, und zwar stets in dieselbe Richtung: Männer sind mutig, erforschen Dinge und erleben Abenteuer. Frauen sind eher häuslich, pflegen Beziehungen und legen viel Wert auf Äußerlichkeiten", sagt Pinnow. "Das hinterlässt bei den Kindern auf jeden Fall einen tiefen Eindruck".
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziale Interaktion
3. Geschlechtsspezifische Fähigkeiten
3.1 Intellektuelle Fähigkeiten
3.2 Sprachliche Fähigkeiten
3.3 Mathematische Fähigkeiten
3.4 Räumliche Fähigkeiten
4. Vergleich der Aggressivität
5. Erklärung der Geschlechtsunterschiede mit Sozialisationseinflüssen
6. Die lerntheoretische Sichtweise
7. Theorie von Geschlechtsschema
8. Trainingsstudien
9. Geschlechtsspezifisches Verhalten
10. Bezug zum Buch
10.1 Zusammenfassung „Autolyse Wien“
10.2 Zusammenfassung des Kapitels „Ich“
10.3 Ist das „Ich“ im Buch weiblich oder männlich?
11. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Verhalten und in kognitiven Fähigkeiten, um auf dieser Grundlage das Geschlecht der namenlosen Hauptfigur aus Karin Peschkas Werk „Autolyse Wien“ zu analysieren und zu bestimmen.
- Psychologische und soziale Konstruktion von Geschlecht
- Vergleich geschlechtsspezifischer kognitiver Leistungen (Sprache, Mathematik, räumliches Vorstellungsvermögen)
- Analyse von Aggressionsverhalten und Sozialisationseinflüssen
- Untersuchung literarischer Verhaltensmerkmale zur Identitätsbestimmung einer fiktiven Person
Auszug aus dem Buch
10.3 Ist das „Ich“ im Buch weiblich oder männlich?
In dieser ganzen Erzählung bleibt unklar, ob das „Ich“ nun weiblich oder männlich ist. Denn dies wird nie explizit genannt. Wir erfahren keinen Namen und da die Hauptfigur nie mit anderen Personen in Berührung kommt, können wir auch nicht anhand von Gesprächen herausbekommen, welches Geschlecht das „Ich“ hat. Dies wollen wir versuchen anhand von dem Verhalten des Individuums zu klären.
„Als hätte ich den Lainzer Tiergarten vor dem Unglück gefunden einfach so. Mit einer Straßenkarte vielleicht, mit dem blau eingebundenen Wien-Plan. Mein linkes Knie darauf. Zum Schutz, weil der Boden sehr feucht war nach dem letzten Regen. Als Plan jedoch nutzlos, die Straßen waren aus dem ursprünglichen Verlauf gesprungen, sie brachen ab wie unvollständige Sätze“ (PESCHKA, S. 118). An dieser Stelle zeigt sich in zwei Punkten, dass das „Ich“ vermutlich weiblich ist. Zum einen möchte es seine Sachen nicht schmutzig machen und legt deshalb das Knie auf die Karte. „Mein Körper ist mein Tempel“ (PESCHKA, S.129). So beschreibt das Individuum sich selbst in zweierlei Hinsicht. Zum einen möchte das „Ich“ damit zum Ausdruck bringen, dass es selbst bestimmen kann, wann und wie es sterben möchte. Zum anderen wird damit auch immer ausgedrückt, dass man auf sich achtet und sich pflegt. Hier spielen gesellschaftliche Normen eine wichtige Rolle, da Mädchen schon von klein auf gezeigt wird, dass sie sich nicht schmutzig machen dürfen (vgl. BISCHOF-KÖHLER, 2002, S. 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie gesellschaftliche Stereotype und Sozialisation unser Verständnis von geschlechtstypischem Verhalten prägen.
2. Soziale Interaktion: Hier wird der Prozess des „Doing Gender“ erläutert, wobei Geschlecht als ein durch soziale Interaktionen ständig hergestelltes und reproduziertes Konzept betrachtet wird.
3. Geschlechtsspezifische Fähigkeiten: Dieses Kapitel vergleicht intellektuelle, sprachliche, mathematische und räumliche Kompetenzen zwischen Männern und Frauen anhand wissenschaftlicher Metaanalysen.
4. Vergleich der Aggressivität: Die Untersuchung zeigt, dass Männer zwar physisch aggressiver auftreten, diese Unterschiede bei Anonymität oder Provokation jedoch stark abnehmen.
5. Erklärung der Geschlechtsunterschiede mit Sozialisationseinflüssen: Hier wird die Rolle des Umfelds und der Erziehung bei der Entwicklung geschlechtsspezifischer Neigungen thematisiert.
6. Die lerntheoretische Sichtweise: Dieses Kapitel befasst sich mit der Verstärkung und Bestrafung als Mechanismen, durch die Kinder bereits früh in Rollenbilder gedrängt werden.
7. Theorie von Geschlechtsschema: Die Theorie beschreibt, wie mentale Strukturen die Verarbeitung geschlechtsrelevanter Informationen und das eigene Identitätsverständnis beeinflussen.
8. Trainingsstudien: Die Analysen belegen, dass räumliche Fähigkeiten durch gezieltes Training verbessert werden können, was die Annahme biologischer Determinierung entkräftet.
9. Geschlechtsspezifisches Verhalten: Dieses Kapitel beleuchtet psychologische Aspekte wie Mitgefühl, Kommunikationsstile und die Einflüsse traditioneller Rollenverteilungen auf die Persönlichkeitsentwicklung.
10. Bezug zum Buch: Der theoretische Rahmen wird angewandt, um die Kurzgeschichte „Autolyse Wien“ zu analysieren und das Geschlecht der Hauptfigur zu bestimmen.
11. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die meisten Unterschiede zwischen den Geschlechtern gesellschaftlich oder durch Erziehung geprägt sind und eine klare Geschlechtsbestimmung der Romanfigur schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Geschlechterrollen, Doing Gender, Sozialisation, Stereotype, Kognitive Fähigkeiten, Aggressivität, Räumliche Vorstellung, Identität, Psychologie, Literaturanalyse, Autolyse Wien, Karin Peschka, Geschlechtsschema, Verhalten, Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie sich das Geschlecht einer Person anhand ihres Verhaltens und ihrer kognitiven Fähigkeiten bestimmen lässt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf Sozialisation, den Auswirkungen von Rollenstereotypen auf Verhalten und Fähigkeiten sowie psychologischen Theorien zur Geschlechtsidentität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das theoretische Wissen über geschlechtsspezifische Unterschiede zu nutzen, um die Geschlechtsidentität der namenlosen Hauptfigur in Karin Peschkas Buch „Autolyse Wien“ zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene psychologische Studien und Metaanalysen zusammenführt, um diese anschließend auf einen literarischen Text anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Fähigkeiten, Aggressivität und Sozialisation sowie einen praktischen Anwendungsteil, der sich mit der Analyse der Romanfigur befasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geschlechterrollen, Doing Gender, Sozialisation, räumliche Vorstellungskraft, Identitätsfindung und das Werk „Autolyse Wien“.
Warum bleibt das Geschlecht der Hauptfigur „Ich“ so lange unklar?
Die Autorin Karin Peschka verzichtet explizit auf eine Nennung, da sich die Figur in einer Extremsituation befindet, in der das Überleben und das Handeln in den Vordergrund rücken, was traditionelle Geschlechtergrenzen verschwimmen lässt.
Welche Stelle im Buch ist ausschlaggebend für die Bestimmung?
Ein entscheidender Punkt ist die Erinnerung des „Ich“ an die eigene Kindheit, in der explizit erwähnt wird, dass keine typischen Mädchenspielsachen wie Puppen benötigt wurden – was nach gesellschaftlicher Norm als Hinweis auf ein weibliches Geschlecht gedeutet werden kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Ist das "Ich" in "Autolyse Wien" von Karin Peschka männlich oder weiblich?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/497964