Welche politische Richtung strebte Rousseau wirklich an? Welche Elemente des Gesellschaftsvertrages tragen die Gefahr des Totalitarismus in sich? War Hitler, wie Russell behauptet, eine Folgeerscheinung Rousseaus? Diese Fragen sollen im Folgenden geklärt werden. Hierzu ist vorerst eine genaue Definition des Begriffs „Totalitarismus“ nötig. Im Anschluss können dann einzelne Elemente des Gesellschaftsvertrages vor dem Hintergrund des Totalitarismus kritisch betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition „Totalitarismus“
2.1 Totalitarismus nach Hannah Arendt - Der geschichtsphilosophische Ansatz
2.2 Totalitarismus nach Friedrich/Brzezinski - Der herrschaftskulturelle Ansatz
3. Totalitäre Elemente in der Staatslehre Rousseaus
3.1 Der Gemeinwille
3.2 Die Rolle des Gesetzgebers
3.3 Die bürgerliche Religion
4. Schlussbetrachtung: Rousseau - Ein Vordenker des Totalitarismus?
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ambivalenz in Jean-Jacques Rousseaus Werk „Vom Gesellschaftsvertrag“, indem sie analysiert, inwiefern seine politischen Konzepte totalitäre Tendenzen enthalten oder zur Legitimation totalitärer Herrschaftsformen instrumentalisiert werden können.
- Definition und theoretische Einordnung des Begriffs „Totalitarismus“
- Kritische Analyse des Konzepts des „allgemeinen Willens“ (volonté générale)
- Die utopische Funktion und das Gefahrenpotenzial des „Gesetzgebers“
- Die Rolle der „bürgerlichen Religion“ als Instrument der politischen Kontrolle
- Diskussion über Rousseau als liberaler Vordenker versus Wegbereiter totalitärer Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Gemeinwille
Die Totalitarismusvorwürfe gegen Rousseau speisen sich unter anderem aus seiner abstrakten Idee des volonté générale: Der Bürger darf nicht länger seinem individuellen Willen folgen, sondern muss diesen zurückstellen, um im Sinne des Gemeinwohles zu handeln. Dieser Schritt erfordert ein gewisses Maß an Tugend (vertu), die das Volk aufbringen muss. Verfügt es über diese Tugend, ergibt sich eine Körperschaft (ein „Souverän“), die, mittels ihrer Vernunft, den Erhalt und das Wohlergehen der Gesellschaft sichert. Der volonté générale besteht somit nicht nur aus einer Ansammlung partikulärer Interessen, was Rousseau lediglich als volonté de tous beschreiben würde, sondern es verbirgt sich hinter dem Begriff des volonté générale eine Einigung von Individuen, in der diese vollständig aufgehen und deren Beschlüsse für jeden verbindlich sind. Dies bedeutet für den einzelnen jedoch keinen Zwang, da der Gemeinwille die Interessen vereint, die alle Menschen im Staat teilen oder mit anderen Worten: Auf diese Weise folgt der Mensch mit der Zustimmung letztlich nur sich selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die staatsphilosophische Problematik von Rousseaus „Vom Gesellschaftsvertrag“ ein und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der totalitären Deutungsmöglichkeiten seines Werkes.
2. Begriffsdefinition „Totalitarismus“: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Totalitarismus durch die Ansätze von Hannah Arendt sowie Friedrich und Brzezinski, um ein theoretisches Fundament für die weitere Analyse zu schaffen.
3. Totalitäre Elemente in der Staatslehre Rousseaus: Hier werden die spezifischen Konzepte Rousseaus – der Gemeinwille, der Gesetzgeber und die bürgerliche Religion – auf ihr totalitäres Missbrauchspotenzial hin untersucht.
4. Schlussbetrachtung: Rousseau - Ein Vordenker des Totalitarismus?: Das Fazit fasst die Kontroverse zusammen und plädiert für eine differenzierte Betrachtung Rousseaus als Kind seiner Zeit, statt ihn einseitig als Advokaten des Totalitarismus oder reinen Liberalen zu labeln.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche im Text verwendeten Primär- und Sekundärquellen chronologisch und systematisch aufgelistet.
Schlüsselwörter
Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Totalitarismus, Gemeinwille, volonté générale, Hannah Arendt, Freiheit, Volkssouveränität, Gesetzgeber, bürgerliche Religion, Totalitäre Herrschaft, Ideologie, politische Philosophie, Aufklärung, Tugend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und inwiefern Jean-Jacques Rousseaus staatsphilosophisches Hauptwerk „Vom Gesellschaftsvertrag“ totalitäre Elemente enthält, die missbraucht werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Totalitarismus, die Rolle des Gemeinwillens, die Funktion des Gesetzgebers und die Bedeutung der bürgerlichen Religion innerhalb eines Staates.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Rousseau als ein Vordenker des Totalitarismus betrachtet werden kann oder ob sein Werk fälschlicherweise für solche Zwecke instrumentalisiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und philosophische Textanalyse, die bestehende Totalitarismus-Definitionen auf die Konzepte von Rousseau anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Totalitarismus geklärt und anschließend die Konzepte „Gemeinwille“, „Gesetzgeber“ und „bürgerliche Religion“ kritisch dekonstruiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rousseau, volonté générale, Totalitarismus, Volkssouveränität und die Gefahr der Instrumentalisierung politischer Theorien.
Warum wird der Gemeinwille oft als gefährlich eingestuft?
Da der Gemeinwille den Ausschluss individueller Interessen fordert und keine Opposition zulässt, kann er ideologisch als Rechtfertigung für autoritäre oder totalitäre Strukturen genutzt werden.
Inwieweit spielt die „bürgerliche Religion“ eine Rolle für das System?
Die bürgerliche Religion dient bei Rousseau dazu, den Zusammenhalt des Staates zu sichern, wobei sie durch die Androhung harter Strafen für Andersdenkende als Instrument für staatliche Unterdrückung fungieren kann.
Wie schließt die Arbeit die Debatte ab?
Sie kommt zu dem Schluss, dass Rousseau weder rein als liberaler Vater noch als Wegbereiter des Totalitarismus zu sehen ist, sondern dass seine Ideen stark vom historischen Kontext der Aufklärung geprägt sind.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Zwang zur Freiheit. Jean-Jacques Rousseau – Wegbereiter des Totalitarismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/497640