Arthur Schopenhauer hat mit seiner Philosophie den Weg zurück zum Menschen eingeschlagen und damit vielleicht auch den Weg der jungen lebensphilosophischen Strömungen, die von der Romantik ausgingen, beschleunigt.
Wie dies Schopenhauer gelingen könnte, stellt der Autor in den Mittelpunkt der Arbeit und nähert sich besonders den weitreichenden Begriffen "Wille" und "Leib" an, die in seinem Denken eine große Rolle spielen. Die Philosophie vor Schopenhauer hatte den Leib als Teil des Menschen seit der Antike völlig außer Acht gelassen. Die Arbeit legt die leibphilosophischen Momente in Schopenhauers Denken offen und fragt gleichzeitig nach einem lebensphilosophischen Konzept des schopenhauerschen Wille zum Leben und Leib-Denkens.
Inhaltsverzeichnis
Abstract
Einleitung
Wille, Vorstellung, Leben
Leiblichkeit und der Wille
Wille zum Leben und die Realität
Abgrenzungen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Philosophie Arthur Schopenhauers als Wegbereiterin für lebensphilosophische Strömungen verstanden werden kann, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Begriffen „Wille“ und „Leib“ liegt. Dabei wird analysiert, wie Schopenhauer den Übergang von einem rein rationalistischen Weltverständnis hin zu einem durch den Leib erfahrenen, triebhaften „Willen zum Leben“ vollzieht, während gleichzeitig seine Grenzen gegenüber der Lebensphilosophie aufgezeigt werden.
- Die Philosophie Schopenhauers als lebensphilosophische Wegbereitung
- Die Bedeutung der Leiblichkeit für das Verständnis des Willens
- Das Verhältnis von Wille, Vorstellung und Leben
- Der „Wille zum Leben“ als ungestalteter Kern der Welt
- Abgrenzung der Schopenhauerschen Willensmetaphysik von der Lebensphilosophie
Auszug aus dem Buch
Leiblichkeit und der Wille
1938 bemerkt Arnold Gehlen über Schopenhauer im Sinne der philosophischen Anthropologie: „Kein Denker vor ihm hat das Vollzugsbewußtsein der Handlung an den Anfang der Philosophie gestellt, und darin liegt sein erstes Resultat, wenn er es auch sofort nach den Interessen seiner Metaphysik ausdeutet: kommt er doch, von hier aus zu der These, daß der ganze Leib ebenfalls Objektivationen des Willens und daher, nach Analogieschluß, alle Organismen und endlich auch die anorganische Natur Objektivationen des Willens sind.“ Schopenhauer vollzieht damit die für die Lebensphilosophie so entscheidende Wende von der Vernunft zum Leib und zur Betonung der Gefühle. Wir sind nicht nur „Kopfmenschen“, also Rationalisten, sondern auch Individuen mit einem beseelten, fühlenden und wollenden Leib; der Zugang zur Welt ist dann ein leiblich-fühlender. Der Leib ist damit nicht nur ein Objekt für die Wissenschaft, so wie z. B. die Medizin oder Physiologie, sondern etwas durch das Erkennen Vermitteltes. So ist auch in Rechnung zu stellen, dass alles, was immer es auch sei, durch das Erkennen – die Vorstellung – hindurchgegangen ist.
Der Körper bzw. der Leib ist der Sitz des Willens. Er ist nichts anderes, „als der objektivierte, d. h. zur Vorstellung gewordener Wille…“. Er hat die Aufgabe, das rein erkennende Subjekt zu individualisieren und damit zu einem Teil der Welt zu machen. Der Leib ist zweifach gegeben; er ist ‚von außen‘ gegeben als ein Objekt unter Objekten, andererseits ‚von innen‘ als direkte Erscheinung des Willens. Wie der Wille das „Jedem unmittelbar Bekannte“ ist, so ist nach Schopenhauer der Leib „Jedem das Realste“. Die Tatsache einen Körper zu haben ist keine objektive Erkenntnis sondern eine Empfindung, so wie der Schmerz auch. Dies geschieht „auf eine unmittelbare Weise, in der man Subjekt und Objekt nicht ganz deutlich unterscheidet.“ Hier zeigt sich die lebensphilosophische Dimension des Lebens, das man führt und des Lebens, das man objektiv erkennt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die schwierige Einordnung Schopenhauers zwischen den Strömungen und stellt die Forschungsfrage nach seiner Rolle als Wegbereiter der Lebensphilosophie durch die Analyse der Begriffe „Wille“ und „Leib“.
Wille, Vorstellung, Leben: Dieses Kapitel erläutert die Abkehr von der Vernunft hin zum Willen als das „Ding an sich“ und setzt dies in Beziehung zu Schopenhauers erkenntnistheoretischem Idealismus.
Leiblichkeit und der Wille: Der Abschnitt untersucht den Leib als „Sitz des Willens“ und zeigt auf, wie der Mensch als leiblich-fühlendes Individuum einen direkten, nicht rein rationalen Zugang zur Welt gewinnt.
Wille zum Leben und die Realität: Hier wird der „Wille zum Leben“ als ein unhintergehbarer, leidensvoller Grund der Realität analysiert, der jede theoretische Vorstellung übersteigt.
Abgrenzungen: Das Kapitel reflektiert abschließend die Grenzen zwischen Schopenhauers Transzendentalphilosophie und der späteren Lebensphilosophie, wobei insbesondere die ästhetische Kontemplation als Rückfall in idealistische Konzepte betrachtet wird.
Schlüsselwörter
Arthur Schopenhauer, Philosophie, Lebensphilosophie, Wille, Leib, Vorstellung, Wille zum Leben, Leiblichkeit, Erkenntnistheorie, Metaphysik, Irrationalismus, Subjekt-Objekt-Dualismus, Körpererfahrung, Ästhetik, Verneinung des Willens
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Position Arthur Schopenhauers und untersucht insbesondere, inwieweit sein Denken als Vorläufer für die lebensphilosophischen Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts fungieren konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Wille, Vorstellung und Leben, die besondere Rolle der Leiblichkeit für das Weltverständnis sowie die metaphysische Bedeutung des „Willens zum Leben“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Schopenhauers Wegbereitung für die Lebensphilosophie aufzuzeigen, dabei jedoch gleichzeitig die Punkte herauszuarbeiten, an denen er sich aufgrund seines transzendentalphilosophischen Hintergrunds von diesen Strömungen abgrenzt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen philosophiegeschichtlichen und analytischen Ansatz, bei dem Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ mit einer lebensphilosophischen Brille betrachtet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verhältnisses von Wille und Vorstellung, die Analyse der Leiblichkeit als Zugang zum Willen, die Erörterung des „Willens zum Leben“ sowie eine kritische Betrachtung der Abgrenzungen zur Lebensphilosophie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Wille“, „Leib“, „Lebensphilosophie“, „Vorstellung“, „Transzendentalphilosophie“ und „Leiden“ charakterisiert.
Wie definiert Schopenhauer den Zusammenhang zwischen Leib und Wille?
Der Leib ist für Schopenhauer der Sitz des Willens und seine unmittelbare „Objektivation“. Er ist das „realste“ Objekt, das uns als direkte Erscheinung des Willens von innen gegeben ist.
Warum grenzt sich Schopenhauer trotz seiner Rolle als Wegbereiter von der Lebensphilosophie ab?
Obwohl Schopenhauer den Zugang zum Menschen über den Willen ebnete, verblieb er in wesentlichen Teilen seines Systems ein Transzendentalphilosoph. Zudem ist sein Wille nicht „schöpferisch“ im Sinne der späteren Lebensphilosophie, und er vertritt die asketische Verneinung des Willens als Erlösungsweg.
- Arbeit zitieren
- Dr. Manfred Klein (Autor:in), 2019, Wille und Leib. Ein lebensphilosophisches Konzept bei Arthur Schopenhauer?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/496856