Ob in den Medien, in den Vorlesungen der Hochschulen und Universitäten oder dem Arbeitsalltag, findet der Begriff des Empowerments immer häufiger Verwendung. Vor allem im Bereich der Sozialen Arbeit bekommt dieses Konzept immer stärkeren Zuspruch, um mit den immer umfassenderen Forderungen in diesem Arbeitsfeld zurande zu kommen. Der Fokus der professionellen Kräfte richtet sich in eine veränderte Denkstruktur, in welcher die Klienten und Klientinnen zur Selbsthilfe aktiviert werden sollen. Die betroffenen Personen als Experten ihres eigenen Alltags anzusehen und sie bei der Mobilisierung ihrer Stärken und Ressourcen hin zu Unabhängigkeit und autonomen Entfaltung zu unterstützen, liegt im Sinne dieses Gesamtkonzeptes. Obgleich ist zu beachten, dass das Konzept des Empowerments nicht nur der Disziplin der Sozialen Arbeit zuzuordnen ist. Vielmehr findet dies auch immer mehr Bedeutung in anderen Bereichen, wie beispielsweise in Prozessen des Managements. Da dieses Konzept in unterschiedlichen Bereichen Anwendung findet, liegt die Vermutung nahe, dass sich aus diesem heraus viele Chancen und Möglichkeiten des Handelns ergeben. Andererseits kommt die Frage auf, was Selbstbestimmung und Aktivierung der Autonomie genau bedeutet. Auch ist die Rolle der Fachkräfte nicht klar definiert, denn wie muss dieser oder diese ausgebildet sein, um angemessen auf den Bedarf der hilfesuchenden Personen einzugehen? In diesem Zusammenhang treten auch Herausforderungen, wie auch Grenzen hervor, welche in der Sozialen Arbeit in Bezug auf das Konzept des Empowerments eine Rolle spielen.
Da sich diese Seminararbeit im Kontext der Gemeinwesenarbeit verfasst wird, ist auch der Bezug dahingehend herzustellen wichtig.
In vielen Städten bzw. in vielen Stadtteilen existieren soziale Spannungen und Probleme, aufgrund von verwahrlosten Grünflächen oder mangelnden kulturellen Angeboten für die Bewohner und Bewohnerinnen. Vor allem Wohngebiete, in welchen viele Arbeitslose, Migranten und Migrantinnen, alten Menschen und Sozialhilfeempfänger leben, werden meist als benachteiligt betitelt. Aus der Wissenschaft der Psychologie ist bekannt, dass das soziale Umfeld, wie auch das die Familie betreffend, ein wichtiger Aspekt für die persönliche Motivation und den Zustand der Persönlichkeit darstellt. Somit ist es gerade in den benachteiligten Stadtteilen ein zentrales Anliegen, das Stadtleben wiederaufzubauen und die Gesellschaft in diesem zu stärken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Arbeit
2 Grundlegendes zur Gemeinwesenarbeit
3 Historische Betrachtung des Empowerments
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Theoretischer Hintergrund
4 Die Grundhaltung des Empowerments
5 Empowerment auf verschiedenen Ebenen
5.1 Die Individualebene
5.2 Die Ebene der Gruppe
5.3 Die Ebene der Organisation
5.4 Die Ebene von sozialräumlichen Kontexten
6 Empowerment und Gemeinwesenarbeit
6.1 Das Projekt der österreichischen Kleinstadt Knittelfeld
7 Schlussolgerung der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Empowerments im Kontext der Gemeinwesenarbeit. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen und historischen Ursprünge des Empowerments darzulegen, dessen Bedeutung für die Soziale Arbeit zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch eine stärkere Aktivierung der Betroffenen in ihrem sozialräumlichen Umfeld eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden kann.
- Grundlagen und Definitionen des Empowerment-Konzepts
- Die verschiedenen Ebenen der praktischen Empowerment-Umsetzung
- Wechselwirkungen zwischen Empowerment und Gemeinwesenarbeit
- Rolle der Sozialen Arbeit als Unterstützer und Katalysator
- Praxisbeispiel: Aktivierende Befragung in Knittelfeld
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
Schriftlich festgehalten wurde das Konzept des Empowerments das erste Mal im Jahre 1976 in den USA, durch Barbara B. Solomon, in ihrem Buch „Black Empowerment: Social work in opressed communities“. Das darin vorgestellte Empowerment Konzept stande stellvertretend für ein Kennzeichen einer neuen Kultur des Helfens. Gleichzeitig agierte dieses in einem Spannungsfeld der traditionellen Linien der Bürgerrechtsbewegungen und der extremen-politischen Arbeit im Gemeinwesen. Die Bewegung der schwarzen Bevölkerung für ihre Recht als Bürger in den USA, ab den 1950er Jahren, bildet den fundamentalen Ursprung des Empowerments. Ebenfalls einige Jahre später, fand der Begriff des Empowerments durch die Frauenbewegung verstärkt öffentliches Gehör. Der gemeinsame handlungsleitende Gedanke, bezog sich auf einen Prostest gegen eine Unterdrückung von staatlicher Seite. Parallel bestand das Verlangen nach Autonomie bezogen auf die eigenen Rechte. (vgl. Herriger 2014, S.21ff.) Ein weiterer Motor des Empowerments – Diskurses war die in den 1970er Jahren beginnende Selbsthilfe – Bewegung in den USA. In diesem Zeitraum entwickelten sich an der Seite der Staatsfürsorglichkeit ein kritisches Gegenprogramm. (vgl. Herriger 2014, S.28f.) Diese eigens organisierte Gemeinschaften und Zusammenschlüsse eröffnete den Menschen eine Auswahl an verschiedenen Optionen an einer aktiven Teilnahme an der Gesellschaft (vgl. Hill u.a. 2013 in Herriger 2014, S.29).
Ab Beginn der 90er Jahre fand das Konzept des Empowerments Einzug nach Deutschland. Vertreter, welche das Konzept nach und nach öffentlich thematisiert haben waren unter anderem Stark, Keupp und Herringer. (vgl. Empowerment konkret! 2016, S.10)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Arbeit: Darstellung der Relevanz von Empowerment in der heutigen Sozialen Arbeit und Formulierung der Forschungsfrage zur Bedeutung des Konzepts für die Gemeinwesenarbeit.
2 Grundlegendes zur Gemeinwesenarbeit: Einführung in die sozialräumliche Vorgehensweise, die auf eine ganzheitliche Stärkung von Ressourcen innerhalb eines Stadtteils abzielt.
3 Historische Betrachtung des Empowerments: Beleuchtung der Wurzeln des Empowerments in US-amerikanischen Bürgerrechts- und Frauenbewegungen sowie der theoretischen Einordnung.
4 Die Grundhaltung des Empowerments: Analyse des Menschenbildes, welches statt Defizitorientierung die Stärken und Fähigkeiten der Klienten in den Vordergrund stellt.
5 Empowerment auf verschiedenen Ebenen: Detaillierte Betrachtung methodischer Ansätze auf individueller, Gruppen-, Organisations- und sozialräumlicher Ebene.
6 Empowerment und Gemeinwesenarbeit: Synthese der beiden Konzepte und Analyse der praktischen Anwendung, illustriert am Beispiel der Stadt Knittelfeld.
7 Schlussfolgerung der Arbeit: Zusammenfassung der Notwendigkeit einer vernetzten, bedarfsorientierten Arbeitsweise, die kontinuierliche Evaluation und Partizipation erfordert.
Schlüsselwörter
Empowerment, Gemeinwesenarbeit, Soziale Arbeit, Selbsthilfe, Partizipation, Ressourcenorientierung, Sozialraum, Autonomie, Aktivierende Befragung, Bürgerbeteiligung, Lebenswelt, soziale Gerechtigkeit, Eigeninitiative, Netzwerkarbeit, Klientenzentrierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept des Empowerments und dessen Anwendung und Nutzen innerhalb der Gemeinwesenarbeit zur Stärkung benachteiligter Stadtteile.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Empowerments, das Modell der Menschenstärke, die verschiedenen Ebenen der Empowerment-Praxis sowie die Verknüpfung dieser Ansätze mit professioneller Sozialarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, welchen Beitrag Empowerment zur Gemeinwesenarbeit leisten kann und wie die Soziale Arbeit dabei eine aktivierende und unterstützende Rolle einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender Konzepte und die Darstellung eines Praxisbeispiels in Form der aktivierenden Befragung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die vier Ebenen des Empowerments (Individuum, Gruppe, Organisation, Sozialraum) sowie die praktische Umsetzung und Integration in die Gemeinwesenarbeit erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Empowerment, Gemeinwesenarbeit, Ressourcenorientierung, Partizipation und soziale Gerechtigkeit.
Welche Rolle spielt die "aktivierende Befragung" in der Arbeit?
Sie dient als konkretes methodisches Beispiel für die Umsetzung der Gemeinwesenarbeit, um die Bedürfnisse der Bewohner zu ermitteln und Eigeninitiative vor Ort zu fördern.
Was ist das zentrale "Modell der Menschenstärke" nach Herringer?
Es beschreibt sechs Aspekte der professionellen Arbeit, die auf Vertrauen, Akzeptanz individueller Lebensentwürfe und dem Verzicht auf entmündigende Expertenurteile basieren.
- Arbeit zitieren
- Laura Gruhn (Autor:in), 2018, Das Empowermentkonzept. Eine Betrachtung in Verbindung mit der Arbeit im Gemeinwesen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/496624