Heute hat der Tod keine Bedeutung mehr für die Lebenden, er wird in unserer Kultur verdrängt und man kommt kaum mehr mit ihm bzw. Toten in Berührung. Der Tod wird nicht als Kehrseite der Medaille Leben gesehen, sondern nur mehr als Ende der menschlichen Körperfunktionen betrachtet, denn mit dem Tod scheint alles aus zu sein.
In einer Zeit, da diese Sichtweise so noch nicht der Fall war, wo man auch von Seiten der Wissenschaften noch nicht viel Ahnung von den Abläufen des Lebens, des Sterbens und des Verwesens hatte, tauchte immer wieder das Phänomen von (schädigenden) Wiederkehrern auf. Was natürlich in der Aufklärung, wo alles sich auf die Vernunft hin ausrichtete, die Religion zurückgedrängt wurde und man sich verstärkt den Naturwissenschaften zuwandte, also ab dem 18. Jahrhundert, zu regen Diskussionen führte.
In den Überlappungszonen der europäischen Vielvölkerreiche traten im 18. Jahrhundert massiv in den neueroberten Gebieten der Habsburgermonarchie Vorfälle mit „Vampiren“ auf, die zu einer ganz Europa erfassenden Vampirismusdebatte führten. Als Grund für das Auftreten der „Vampire“ wird z. B. die geänderten Bestattungsformen - weg von der Feuerbestattung hin zur Beerdigung in einem Grab - als Grund angeführt, da man sich nun nicht mehr sicher sein konnte, dass ein Toter auch wirklich tot war. Aber auch die Rückständigkeit und der Aberglaube der Menschen in den südosteuropäischen Ländern bzw. der orthodoxe Glaube diente als Erklärungsmuster. Durchaus kann es aber auch gewesen sein, dass ältere mythische Vorstellungen hierbei eine Rolle gespielt haben und diese durch eine epidemische Krankheit, die in den entlegenen Dörfern Südosteuropas aufgetreten ist, wieder ans Tageslicht gefunden haben.
In der Arbeit soll kurz die Situation der Habsburgermonarchie in Verbindung mit dem osmanischen Reich Anfang des 18. Jahrhunderts dargelegt werden. Danach wird ein kleiner Einblick in die Etymologie des Vampirbegriffes gegeben. Nach der Darstellung der wichtigsten Vampirismusvorfälle werden die militärischen Berichte und die daraus folgenden Diskurse aufgezeigt, deren fast jähes Ende (zumindest für das Habsburgerreich) mit der Gesetzgebung Maria Theresias zu sehen ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Was ist ein Vampir?
2. Österreich-Ungarn vs. Osmanisches Reich am Anfang des 18. Jahrhunderts
3. Der Vampir in den militärischen Dokumenten der Habsburger
3. 1. Vorfälle in Kisolova (1725)
3. 1. 1. Vorgeschichte
3. 1. 2. Bericht von Frombald
3. 2. Vorfälle in Medvegya (1731/1732)
3. 2. 1. Vorgeschichte und Bericht von Glaser
3. 2. 2. Bericht von Johann Flückinger
4. Aufgeklärte Vampirismusdebatte
4. 1. Gutachten der kgl. Preußischen Societät der Wissenschaften (1732)
4. 2. Vampirtraktate
4. 3. Michael Ranft (1734)
4. 4. Dissertation von Augustin Calmet (1745)
4. 5. Benedikt XIV. (1749/1752)
5. Das Abklingen der Vampirismusdebatte
5. 1. Vorfall in Kapnick (1753)
5. 1. 1. Vorgeschichte
5. 1. 2. Bericht von Georg Tallar (1756, 1784)
5. 2. Vorfall in Hermersdorf bei Benisch (1754)
5. 2. 1. Vorgeschichte
5. 2. 2. Bericht von Gerard van Swieten (1755)
5. 3. Maria Theresia (1755)
Resumee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Vampirismusdiskurses in der Habsburgermonarchie während des 18. Jahrhunderts, analysiert die militärischen Berichte zu den zentralen Vampirvorfällen und beleuchtet die darauffolgende wissenschaftliche und gesetzliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen.
- Historische Analyse der Vampirvorfälle in Kisolova, Medvegya und anderen Regionen.
- Untersuchung der Rolle militärischer und medizinischer Berichte für die Debatte.
- Diskussion der aufklärerischen Sichtweise auf Aberglaube und "Magia posthuma".
- Bewertung der administrativen und gesetzlichen Maßnahmen unter Maria Theresia.
- Reflexion über die mediale Verbreitung und Wahrnehmung des Vampirmythos.
Auszug aus dem Buch
3. 1. 2. Bericht von Frombald
Frombald hielt in seinem Bericht fest, was er bei der Exhumierung wahrgenommen hatte und bezog sich dabei auch auf die Erwartungshaltung der Dorfbewohner, wenn er ausführt: „Sintemal aber bey dergleichen Personen, (so sie Vampiri nennen,) verschiedene Zeichen.“ Unter anderem führt er auch aus, dass er an Peter Plogojovic Zeichen die „dergleichen Leute“ tragen, festgestellt habe: kein Leichengeruch, Nase abgefallen, Haar, Bart, Nägel nachgewachsen, im Mund einiges frisches Blut und noch „andere wilde Zeichen.“ Daher wurde dem somit Überführten, wie es bei den Dörflern Sitte war, der Prozess gemacht, er wurde gepfählt, sein Herz wurde durchbohrt, wobei dabei aus Mund und Ohren Blut herausgetreten war. Anschließend wurde dieser noch am Scheiterhaufen verbrannt.
Kreuter betont, dass es eigenartig ist, dass im nachträglich hinzugefügten Titel von einem „Vampir“ oder einem „Blutsauger“ die Rede ist, denn im ganzen Bericht vom Frombald gibt es keinen Hinweis auf einem Blutsauger, da immer wieder nur vom Liegen des Verstorbenen auf dem Kranken und Würgen des Kranken die Rede war und der Begriff Vampiri lediglich die Bezeichnung der Dorfbewohner für solche Personen darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Thema der Vampirismusdebatte des 18. Jahrhunderts und die historische Situation der Habsburgermonarchie.
1. Was ist ein Vampir?: Definition und etymologische sowie volkskundliche Einordnung des Vampirbegriffs vor dem Hintergrund des 18. Jahrhunderts.
2. Österreich-Ungarn vs. Osmanisches Reich am Anfang des 18. Jahrhunderts: Darstellung der geopolitischen Lage und der Verwaltung der neu eroberten Gebiete unter österreichischer Herrschaft.
3. Der Vampir in den militärischen Dokumenten der Habsburger: Analyse der Berichte zu den Vorfällen in Kisolova und Medvegya durch militärisches Personal und Mediziner.
4. Aufgeklärte Vampirismusdebatte: Diskussion der zeitgenössischen wissenschaftlichen, theologischen und medizinischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Vampirismus.
5. Das Abklingen der Vampirismusdebatte: Beschreibung der späteren Vorfälle und der gesetzlichen Maßnahmen durch Maria Theresia, die das Ende der Debatte einläuteten.
Resumee: Zusammenfassende Betrachtung der historischen Bedeutung des Vampirismusdiskurses und seiner wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Schlüsselwörter
Vampirismus, Habsburgermonarchie, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Magia posthuma, Peter Plogojovic, Medvegya, Militärberichte, Aberglaube, Maria Theresia, Gerard van Swieten, Wiedergänger, Leichenschändung, Medizin, historische Diskursanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den historischen Vampirismusdiskurs in der Habsburgermonarchie des 18. Jahrhunderts, ausgehend von spezifischen Vorfällen in den neueroberten Gebieten bis hin zu deren gesetzlicher Regelung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die militärische Dokumentation von Vampirfällen, die wissenschaftliche und aufklärerische Debatte über den Aberglauben sowie die Rolle der Religion und der kaiserlichen Gesetzgebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der Vampirwahrnehmung von volkskundlichen Berichten hin zur wissenschaftlichen und gesetzlichen Regulierung innerhalb der Habsburgermonarchie darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine historische Analyse von Primärquellen, insbesondere militärischer Berichte und zeitgenössischer Traktate, sowie eine Kontextualisierung durch aktuelle wissenschaftliche Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Vorfälle in Kisolova und Medvegya, die Reaktionen der Gelehrten (wie Ranft und Calmet) und das offizielle Vorgehen der Behörden sowie Kaiserin Maria Theresias.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Magia posthuma, Aufklärung, Vampirismusdebatte und Habsburgermonarchie.
Welche Rolle spielt die medizinische Entwicklung in der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet, wie Mediziner wie Glaser, Flückinger und van Swieten versuchten, die als Vampirismus bezeichneten Phänomene durch natürliche Ursachen wie Seuchen, Ernährungsgewohnheiten oder Verwesungsprozesse zu erklären.
Warum ordnete Maria Theresia ein Verbot an?
Das Verbot sollte der Störung der Totenruhe und der Ausbreitung abergläubischer Praktiken entgegenwirken, die das Ansehen der Monarchie gefährdeten und als "Peinlichkeiten" eingestuft wurden.
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- Mag. theol., MA Ottilie Kumpitsch (Author), 2018, Der südosteuropäische Vampir und der Vampirismusdiskurs im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/495190