Ich möchte mich in meiner Hausarbeit mit dem Thema "Scheidung und deren Auswirkungen auf die betroffenen Kinder - Eine systemische Betrachtungsweise" befassen. Dieses Thema ist von aktueller Brisanz, da sich die Scheidungsrate in den vergangenen dreißig Jahren sich nahezu verdoppelt hat. Wurden 1980 26,6% der Ehen geschieden, so hat sich die Zahl bis 2008 auf 50,9% erhöht. Auch wenn sie die Höchstwerte von 55,9% im Jahr 2003 noch nicht wieder erreicht sind, ist dennoch ein leichter Anstieg um 2,6% im Vergleich zu 2007 zu verzeichnen. Bei etwa der Hälfte aller Scheidungen sind minderjährige Kinder involviert. Während 2007 noch 144 981 betroffene minderjährige Kinder gezählt wurden, waren es 2008 bereits 150 187 Kinder. Das entspricht einer Zunahme um 3,6 %.
In meiner Studienarbeit werde ich die Auswirkungen einer Scheidung der Eltern auf die Kinder näher beleuchten. Hierbei gehe ich zunächst auf die Systemtheorie nach Maturana und Valera ein, die den Ausgangspunkt für meine Studienarbeit darstellt. Anschließend werden die Veränderungen im System herausgestellt, wobei besonders auf das Verhalten der geschiedenen Eltern unmittelbar nach der Scheidung eingegangen wird. Die neuen Anforderungen des Alleinerziehenden, ebenso wie die Gefahr der Parentifizierung, das Verhältnis des Kindes zum getrenntlebenden Elternteil und das Verhalten der Eltern untereinander eingegangen wird. Anschließend werden die Veränderungen der Lebensumstände des Kindes sind weitere wesentliche Aspekte. Zum Schluss gehe ich der Frage nach, ob die Scheidung der Eltern für die Kinder einen Verlust oder eine Erlösung aus einer disharmonischen Familie darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Systemtheorie
3. Veränderungen im System
3.1. Verhalten der Eltern nach der Scheidung
3.1.1 Frisch Geschiedene
3.1.2 Selbstfindung
3.1.3 Väter mit alleinigem Sorgerecht
3.2. Neue Anforderungen als Alleinerziehender (mit Berufstätigkeit)
3.2.1 Bedeutung für den Alleinerziehenden
3.2.2 Bedeutung für die Kinder
3.3. Gefahr der Parentifizierung
3.4. Verhältnis zum getrenntlebenden Elternteil
3.4.1 Gründe für Rückzug des getrenntlebenden Elternteils
3.4.2 Reaktionen des Kindes auf den Rückzug des Elternteils
3.4.3 Rolle des Vaters als getrenntlebender Elternteil
3.4.4 Besuchswochenende
3.5. Verhalten der Eltern untereinander und Loyalitätskonflikte
3.5.1 Streit zwischen Geschiedenen
3.5.2 Loyalitätskonflikt und Allianzen
3.5.3 Kooperatives Elternverhalten
4. Veränderungen der Lebensumstände
4.1. Neues Umfeld
4.2. Ökonomische Situation
4.3. Chaos
4.4 Zwei Haushalte
5 Erlösung oder Verlust
6 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis der systemtheoretischen Perspektive, wie sich die elterliche Trennung und Scheidung auf die Entwicklung und das Wohlbefinden betroffener Kinder auswirkt, wobei ein besonderer Fokus auf den nachfolgenden Veränderungen im Familiensystem liegt.
- Systemische Betrachtung der Familie und Auswirkungen von Scheidung
- Verhalten der Eltern in der Nachscheidungsphase und Folgen für die Kinder
- Herausforderungen der Alleinerziehung und Gefahr der Parentifizierung
- Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung und Umgang mit dem getrenntlebenden Elternteil
- Veränderungen der Lebensumstände (ökonomische Situation, Wohnort, Alltag)
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Frisch Geschiedene
Kurz nach der Scheidung besteht in den meisten Familien ein hoher Grad an Desorganisation, der die Eltern psychisch und physisch stark belasten kann. Neben den juristischen Folgen müssen die Eltern den emotionalen Verlust mit Gefühlen der Schuld, des Versagens und der Trauer auf der individuellen Ebene und eine gefühlsmäßige, soziale und finanzielle Ablösung vom Partner bewältigen.
Die Scheidung wirkt sich dabei ganz unterschiedlich auf das Befinden der Erwachsenen aus. Einige sehen diesen Lebensabschnitt positiv, sind zufriedener und fühlen sich durch die Scheidung befreit. Andere schwanken zwischen Freude über ihre neugewonnen Freiheiten und Möglichkeiten und Trauer und Zukunftsängsten bezüglich des Aufbaus eines neuen Lebens. Deshalb kann es vorkommen, dass sie dem Kind ambivalent gegenübertreten. Manche reagieren auch mit psychosomatischen Erkrankungen, Depression oder einem negativen Selbstbild auf die Veränderungen. Besonders bei Elternteilen, die mehr oder weniger gegen ihren Willen getrennt wurden, dominieren die Belastungen und Gefühle der Einsamkeit, Trauer und Schmerz. Werden diese Empfindungen nicht zugelassen und verdrängt, so können diese sich in Wut und Enttäuschung wandeln. Zusätzlich belasten sie Schuldgefühle, der Selbstvorwurf versagt zu haben und Streitereien mit dem Ex-Partner über Sorgerecht, Alimente oder Kleinigkeiten. Dieser verletzte Stolz, das beschädigte Selbstwertgefühl und die gefühlsmäßige Vereinsamung können zu einer irrationalen Verzweiflung eskalieren.
Durch die große psychische Belastung sind die Eltern anfälliger für Krankheiten, welche sie in dem Moment außer Gefecht setzen, wenn die Kinder sie am meisten brauchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Scheidungsthematik ein und definiert die systemtheoretische Forschungsfrage der Arbeit.
2. Systemtheorie: Das Kapitel erläutert die Familie als operational geschlossenes System nach Maturana und Valera, um die Grundlage für das Verständnis von Familienveränderungen zu legen.
3. Veränderungen im System: Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen der Scheidung auf das Familiensystem, das Elternverhalten sowie das Verhältnis der Kinder zu den Eltern.
4. Veränderungen der Lebensumstände: Es werden sozioökonomische Folgen wie Wohnortwechsel, finanzielle Einbußen und der Verlust stabiler Alltagsstrukturen analysiert.
5 Erlösung oder Verlust: Hier wird kritisch hinterfragt, unter welchen Bedingungen eine Scheidung für Kinder als Erlösung oder als schmerzhafter Verlust wahrgenommen wird.
6 Schluss: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die entscheidende Rolle der elterlichen Kooperation für die kindliche Entwicklung.
Schlüsselwörter
Scheidung, Kinder, Systemtheorie, Eltern-Kind-Beziehung, Alleinerziehende, Parentifizierung, Loyalitätskonflikt, Nachscheidungsphase, Familienorganisation, psychische Belastung, kindliche Entwicklung, Trennungsfolgen, soziales Umfeld, Bewältigungsstrategien, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen von Scheidung und Trennung auf betroffene Kinder, betrachtet durch die Linse der systemischen Familientherapie.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Elternverhalten nach der Trennung, der neuen Rollenverteilung in Einelternfamilien, den kindlichen Loyalitätskonflikten sowie den sozioökonomischen Lebensveränderungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie systemische Veränderungen infolge einer Scheidung die kindliche Entwicklung beeinflussen und welche Faktoren dabei eine schützende oder belastende Wirkung haben.
Welche theoretische Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Systemtheorie, insbesondere das Konzept der Autopoiesis nach Maturana und Valera, um die Familie als sich veränderndes und anpassungsfähiges System zu analysieren.
Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft?
Der Hauptteil behandelt die psychische Verfassung frisch geschiedener Eltern, die Herausforderungen der Doppelbelastung bei Alleinerziehenden, die Gefahr der Parentifizierung sowie die Bedeutung einer kooperativen Elternschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Scheidung, Systemtheorie, Parentifizierung, Loyalitätskonflikt, Einelternfamilien und kindliche Entwicklung.
Was versteht die Autorin unter der Gefahr der Parentifizierung?
Parentifizierung beschreibt einen pathologischen Rollentausch, bei dem das Kind emotionale oder organisatorische Aufgaben übernimmt, die eigentlich von den Eltern getragen werden sollten, was eine kindgerechte Entwicklung stark beeinträchtigen kann.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des getrenntlebenden Vaters?
Der getrenntlebende Vater wird als bedeutsames Identifikationsobjekt angesehen, wobei die Qualität des Kontakts und die Aufrechterhaltung der Vater-Kind-Beziehung nach der Scheidung für die kindliche Entwicklung als signifikant bewertet werden.
Kann eine Scheidung für Kinder auch positiv sein?
Ja, in extrem dysfunktionalen oder gewaltgeprägten Familien kann die Trennung eine Erlösung darstellen, sofern die daraus resultierenden neuen Lebensumstände für das Kind eine stabilere und gesündere Umgebung bieten.
Welche Rolle spielt die Kommunikation zwischen geschiedenen Eltern?
Ein kooperatives Elternverhalten wird als essentiell betrachtet, da es die Desorganisation des Systems minimiert und dem Kind ermöglicht, trotz der elterlichen Trennung eine verlässliche Beziehung zu beiden Elternteilen aufrechtzuerhalten.
- Arbeit zitieren
- Katharina Wolf (Autor:in), 2011, Scheidungskinder. Wie sich eine Scheidung auf die betroffenen Kinder auswirkt, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/494283