Kleists Trauerspiel Penthesilea wurde 1808 publiziert und zeigt in 3043 Versen die zerstörerische Kraft von Affekten auf; von Penthesileas (zu) starkem inneren Gefühl, das sich mit der restriktiven Doktrin einer feministischen Gesellschaftsordnung als nicht vereinbar erweist und sie als Kleist´sche Figur unausweichlich zerbrechen lässt.
Doch was geschieht mit einer Figur, die als Gefangene ihres eigenen Gefühls präsentiert wird? Welche Folgen hat das für die weiteren dramatis personae in Kleists einzigartigem Drama?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beziehungsgeflecht Penthesilea Prothoe
Zwischen Hoffnung und Verzweiflung: Ein Gefühlskonflikt
3. Beziehungsgeflecht Penthesilea Achill
Zwischen Liebe und Vernichtung: Ein Machtkonflikt
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ambivalente Agieren der Titelprotagonistin Penthesilea in Heinrich von Kleists gleichnamigem Trauerspiel und analysiert, wie sie in ihren Beziehungsgeflechten zu Prothoe und Achill zwischen gegensätzlichen Polen schwankt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich Penthesileas innere Zerrissenheit zwischen kriegerischer Pflicht als Amazonenkönigin und persönlicher Sehnsucht nach Liebe in fatalen Entscheidungen manifestiert.
- Analyse des Beziehungsgeflechts zwischen Penthesilea und Prothoe
- Untersuchung des Machtkonflikts in der Beziehung Penthesilea und Achill
- Betrachtung von Ambivalenz als zentralem Charaktermerkmal
- Analyse der Dynamik von Hoffnung, Verzweiflung und Vernichtungswillen
- Die Rolle der gesellschaftlichen Zwänge des Amazonenstaates
Auszug aus dem Buch
3. Beziehungsgeflecht Penthesilea Achill
Mit Penthesilea und Achill lässt Kleist zwei Siegerfiguren unterschiedlicher Kulturen aufeinandertreffen: Der Königin der Amazonen ist ein König der Griechen gegenübergestellt – ein Kampf zwischen »barbarisch[en]« (V. 2016) Frauenstaat und einem sich der Kriegslogik verschriebenen Männerstaat mit Odysseus als seinen strengsten Repräsentanten: »So viel ich weiß, gibt es in der Natur / Kraft bloß und ihren Widerstand, nichts Drittes.« (V. 126f.) Ein Kampf zwischen Matriarchat und Patriarchat, den Kleist auf der Figurenebene zwischen Penthesilea und Achill ausgestaltet.
Beide Protagonisten sind dabei von Kleist mit einem Streben nach einem »Unbedingtheitsanspruch« ausgestattet, das ein konfligierendes Ineinander von Interessen nach sich zieht: Beide Krieger beanspruchen dieselbe Position, den jeweils anderen zu ihrer »Füße Staub« (V. 638) zu werfen und aus dem (Geschlechter-) Kampf als Überwinder/in hervorzugehen. Das jeweilige Streben nach Besitzanspruch und Macht kristallisiert sich am stärksten in den jeweils formulierten, divergierenden Zielen der beiden Siegerfiguren heraus: Achill als »Überwinder Hektors« (V. 2186) möchte die Amazonenkönigin, ähnlich wie bereits den Sohn des Priamus, »die Stirn bekränzt mit Todeswunden, / […] durch die Straßen häuptlings […] schleifen« (V. 614f.). Und auch Penthesilea beharrt auf ihren Unbedingtheitsanspruch: »ihn / Mir überwinden, oder leben nicht!« (V. 655).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Kleists von Ambivalenzen geprägtes Werk ein und skizziert Penthesilea als zerrissene Figur, die zwischen ihren Pflichten als Amazonenkönigin und persönlichen Neigungen scheitern muss.
2. Beziehungsgeflecht Penthesilea Prothoe: Dieses Kapitel analysiert die Rolle von Prothoe als Konfident-Figur, die Penthesilea in ihrem Gefühlskonflikt zwischen Hoffnung und Verzweiflung begleitet und durch ihre inszenierte Idylle paradoxerweise zur Tragik beiträgt.
3. Beziehungsgeflecht Penthesilea Achill: Hier wird der Machtkonflikt zwischen den beiden gegensätzlichen Kulturen untersucht, wobei die Unvereinbarkeit von Liebe und Vernichtung sowie das Scheitern der Protagonistin an ihren eigenen Idealen im Mittelpunkt steht.
4. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und resümiert, dass Penthesilea als Mischwesen zwischen Furie und Grazie im Diesseits keine authentische Identität als Liebende finden kann.
Schlüsselwörter
Heinrich von Kleist, Penthesilea, Ambivalenz, Amazonen, Achill, Prothoe, Gefühlskonflikt, Machtkonflikt, Zerrissenheit, Liebe, Vernichtung, Idylle, Traum, Tragik, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten und hochgradig zerrissenen Figur Penthesilea in Kleists gleichnamigem Trauerspiel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Beziehungsgeflecht der Protagonistin zu Prothoe und Achill, das Spannungsfeld zwischen Liebe und Gewalt sowie die Identitätskrisen innerhalb des Amazonenstaates.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Penthesileas Agieren anhand repräsentativer Textstellen textgebunden zu analysieren und ihre fatalen Entscheidungen aus der psychischen Ausgangssituation heraus zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine textgebundene Analyse der dramatischen Handlung und der spezifischen Beziehungsgeflechte der Protagonistin, gestützt auf literaturwissenschaftliche Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Penthesileas Abhängigkeit von Prothoe sowie in den Machtkonflikt und die verhängnisvolle Dynamik zwischen Penthesilea und Achill.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ambivalenz, Identitätskrise, Unbedingtheitsanspruch, double-bind, Machtkonflikt und die Dichotomie von Furie und Grazie.
Welche Rolle spielt Prothoe für Penthesilea?
Prothoe fungiert als enge Vertraute und Konfidentin, die durch den Versuch, Penthesilea in einer »inszenierten Idylle« zu schützen, ungewollt die tragische Fallhöhe und die Selbsttäuschung der Königin vertieft.
Warum endet die Beziehung zu Achill in der Vernichtung?
Laut der Analyse führt das starre Festhalten Penthesileas an ihrer Identität als Amazone und ihr Unbedingtheitsanspruch dazu, dass sie Liebe nur durch Gewalt und Krieg verwirklichen kann, was letztlich zur Vernichtung des geliebten Objekts führt.
- Arbeit zitieren
- Michael vor der Horst (Autor:in), 2019, Furie versus Grazie. Penthesileas ambivalentes Agieren im gleichnamigen Trauerspiel Heinrich von Kleists, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/493638