Diese Arbeit beschäftigt sich mit alltäglichem Rassismus am Beispiel der Institution Schule in der Migrationsgesellschaft: Welche Rolle spielt der Rassismus an Schulen und Inwiefern kann man bei der faktischen Benachteiligung von Schüler_innen (SuS) mit Migrationshintergrund bzw. mit Deutsch als Zweitsprache von institutionellem Rassismus sprechen? Migrationshintergrund und SuS mit Deutsch als Zweitsprache (DAZ) werden im Folgenden als Synonyme verwendet.
Dass SuS mit Migrationshintergrund benachteiligt werden, sprechen die Zahlen für sich. Ich behaupte hinzu, dass SuS mit Migrationsgeschichte institutionell und systematisch diskriminiert werden. Ferner stelle ich die These auf, dass unter den SuS mit DAZ, nochmals zwischen europäisch und nahöstlich, zwischen Orient und Okzident, schwarz und weiß kategorisch unterschieden und dies als Ausschlusskriterium für den Schulerfolg gesehen wird.
Im ersten Teil dieser Arbeit wird der Rassismus - Begriff und seine Ursprungsgeschichte erläutert. Hierbei ist zu betonen, dass diese Arbeit kontinuierlich in schwarz-weiß und in fremd-anders kategorisiert, um die Existenz des Rassismus zu veranschaulichen. Die Ablehnung der „Rassenteilung“ in schwarz-weiß oder die in Deutschland geschaffene Ethnisierung würde die Existenz des vorherrschenden Rassismus eliminieren, was de facto nicht richtig wäre. Dass das Schwarz und Weiß-sein rassistisch konstruiert und damit eine soziale Realität des Rassismus erzeugen, ist eine für diese Arbeit relevante Erkenntnis, die zuvor verinnerlicht werden soll.
Im Anschluss daran wird die Institution Schule und ihre Umgebung, wie die Lehrer_innen, in den Blick genommen, wobei der Fokus auf SuS mit Migrationshintergrund bzw. mit DAZ liegt. Schließlich wird der Faktor des monolingualem Habitus im Hinblick auf Rassismus untersucht.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Zum Begriff Rassismus
II.1. Ursprung: ein geschichtlicher Abriss
II.2. Formen & Ebenen von Rassismus
III. Institutioneller Rassismus
III. 1. Schule als Ort von Rassismus und Rassismus Erfahrung
III.2. Institutionelle und strukturelle Rahmenbedingungen
III.3. Lehrer_innen als „Gatekeeper“
III.4. Monolingualer Habitus als Deckmantel für Rassismus?
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von alltäglichem Rassismus an Schulen in der Migrationsgesellschaft und analysiert, inwieweit die faktische Benachteiligung von Schüler_innen mit Migrationshintergrund bzw. Deutsch als Zweitsprache als institutioneller Rassismus zu bewerten ist.
- Grundlagen des Rassismus-Begriffs und dessen historische Ursprünge
- Die verschiedenen Ebenen und Formen rassistischer Diskriminierung
- Institutioneller Rassismus am Beispiel des deutschen Schulsystems
- Die Rolle der Lehrkräfte als „Gatekeeper“ in Bildungsprozessen
- Der Einfluss des monolingualen Habitus auf die Schullaufbahn von Schüler_innen
Auszug aus dem Buch
III. 1. SCHULE ALS ORT VON RASSISMUS UND RASSISMUS ERFAHRUNG
Auch für das Arbeitsfeld Schule haben einige Autoren und Autorinnen die Ebenen von Rassismus konkretisiert. Stella Dadzie z.B. unterscheidet hierbei zwischen persönlicher-, Personal-, Curriculum- und Organisationsentwicklung (Leiprecht 2015, S.132).
Viele SuS machen auf verschiedene Ebenen, oft ebenso unbemerkt und unintendiert, Rassismus Erfahrungen in der Schule. Kein einziger aber zentraler Bestandteil sind Zuschreibungen und Unterscheidungspraktiken, die im Kapitel „Lehrer_innen als ‚Gatekeeper‘“ näher erläutert werden (Wiebke 2015, S. 165).
Nach Thomas Quehl nimmt der heimliche Lehrplan im alltäglichen Rassismus in Schulen eine nicht zu unterschätzende Rolle ein: Geht man davon aus, dass „das Wissen, das ein Diskurs produziert, […] eine Art von Macht [konstruiert], die über jene ausgeübt wird, über die etwas gewußt (!) wird“ (Hall 1994, 154), so bringt die Schule durch den heimlichen Lehrplan Wissen über den ‚Anderen‘ hervor – der ‚Andere‘ wird als ‚Anderer‘ „gewusst“ und damit rassistisches Wissen hergestellt (vgl. Quehl 2009, S. 234).
Schule als Institution hat unter anderem die Aufgabe, mithilfe von Bildung und Erziehung, Heranwachsende wie Erwachsene für die zahlreichen Erscheinungsformen von Rassismus zu sensibilisieren und dazu zu ermutigen, aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen. Die Realität sieht jedoch anders aus, denn die bisherigen pädagogischen Konzepte für Zugwanderte, wie die Ausländerpädagogik oder die interkulturelle und antirassistische Bildung haben verfehlt (Gomolla 2009, S.41).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des alltäglichen Rassismus in Schulen ein und formuliert die zentrale Fragestellung zur institutionellen Benachteiligung von Schüler_innen mit Migrationshintergrund.
II. Zum Begriff Rassismus: Dieses Kapitel erläutert den komplexen Rassismus-Begriff, seine geschichtliche Entstehung und die verschiedenen Ebenen, auf denen sich Rassismus manifestiert.
III. Institutioneller Rassismus: Hier wird untersucht, wie strukturelle Rahmenbedingungen in der Schule rassistische Diskriminierung fördern, welche Rolle Lehrkräfte dabei spielen und wie der monolinguale Habitus als Ausschlussmechanismus wirkt.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Rassismus an Schulen nicht nur bildungspolitisch, sondern vor allem durch die Akteure vor Ort – die Lehrkräfte – adressiert werden muss.
Schlüsselwörter
Rassismus, Institutioneller Rassismus, Diskriminierung, Schule, Migrationshintergrund, Deutsch als Zweitsprache, Monolingualer Habitus, Gatekeeper, Bildungsbenachteiligung, Schulkultur, Sozialisation, Machtverhältnisse, Ethnische Differenz, Interkulturelle Erziehung, Alltagsrassismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des alltäglichen Rassismus am Beispiel der Institution Schule und beleuchtet dessen systematische Auswirkungen auf Schüler_innen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Verortung von Rassismus, die institutionelle Diskriminierung im Schulsystem sowie die Rolle von Lehrkräften bei der Produktion von Differenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, inwiefern die faktische Benachteiligung von Schüler_innen mit Migrationshintergrund als institutioneller Rassismus bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender rassismuskritischer Forschung und pädagogischer Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die institutionellen Strukturen, den Einfluss des „heimlichen Lehrplans“ und die Rolle der Lehrkräfte als Gatekeeper sowie den Effekt des monolingualen Habitus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie institutioneller Rassismus, Diskriminierung, Migrationshintergrund und monolingualer Habitus geprägt.
Wie definiert der Autor das Verhältnis zwischen Schule und Rassismus?
Die Schule wird nicht nur als Ort der Bildung, sondern als eine Institution betrachtet, die durch ihre Strukturen und Praktiken aktiv rassistische Differenzen produziert.
Warum spielt der „monolinguale Habitus“ eine solch zentrale Rolle in der Untersuchung?
Der monolinguale Habitus wird als ein Instrument identifiziert, das Einsprachigkeit zur Norm erhebt und somit Schüler_innen, die diese Norm nicht erfüllen, systematisch diskriminiert.
- Arbeit zitieren
- Yousra Hamzaoui (Autor:in), 2017, Alltäglicher Rassismus in der Schule. Ein Blick auf die Migrationsgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/492155