Betrachtet man das Thema staatliche Regulierung, gehen die Gemüter auseinander. Die einen halten es für einen unerträglichen Eingriff in die freie Marktwirtschaft, die anderen sehen es als ein essentielles Werkzeug die Imperfektion des Marktes auszugleichen. Dabei betrifft das Thema nicht nur die Frage, ob man regulieren sollte, sondern es gilt zunächst zu klären, was hinter dem Begriff der Regulierung steckt. Erst dann kann geklärt werden, welche Beweggründe mit Regulierungen einhergehen, um das Thema verstehen zu können. In der Wissenschaft ist kein einheitlicher Regulierungsbegriff anerkannt, vielmehr sehen verschiedene Strömungen in der Wissenschaft den Begriff unterschiedlich. Außerdem wird dieser je nach Wirtschaftsraum unterschiedlich definiert. Ähnlich zahlreich wie die Definitionsansätze bei dem Regulierungsbegriff auftauchen sieht es bei den Regulierungstheorien aus, die zu erklären versuchen wieso reguliert wird und wann Regulierungen notwendig werden. Dabei soll der Fokus dieser Arbeit gerade auf den Regulierungstheorien liegen und versucht werden die theoretischen Ansätze auf aktuelle regulierungspolitische Maßnahmen, die im Rahmen der Digitalisierung des Finanzsektors stattfinden, zu übertragen und dessen Hintergründe zu analysieren.
Zunächst sei jedoch auf Geschichte von Regulierung zu verweisen, um die Idee der Notwendigkeit von staatlichen Eingriffen in den Markt überhaupt nachvollziehen zu können. Die Ansicht, dass Regulierungen notwendig sind, ist spätestens seit der Wirtschaftskrise ab 2007 allgegenwärtig, da unter anderem schwache Regulierungen des Bankensektors zum Auslöser der Krise wurden. Jedoch reichen die Anfänge staatlicher Eingriffe, um Marktverhältnisse zu regeln weiter zurück. Das Konzept der Regulierung lässt sich im Ursprung in den USA finden. Dort wurden früh unabhängige Regulierungsbehörden gebildet, um verschiedene Wirtschaftssektoren zu lenken. Diese galten als „arms of congress“ und wurden unabhängig von der präsidentiellen Exekutive aufgestellt, woraufhin sich dieses Konzept zum institutionellen Regelfall entwickelt hat. Die Idee war es ökonomische Missstände auszugleichen. Die „Trustbewegung“ in den USA führte im Rahmen des Eisenbahnverkehrs zu einer Machtkonzentration bestimmter Unternehmen, die die wichtigsten Schienennetze bedient haben.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Regulierungsbegriff
I. Enger und weiter Regulierungsbegriff
II. Entwicklung des amerikanischen Regulierungsbegriffs
III. Entwicklung des Regulierungsbegriffs in Deutschland
IV. Differenzierter Regulierungsbegriff
C. Beispiele wirtschaftlicher Regulierungstheorien
I. Die Normative Theorie
1. Regulierung in Monopolmärkten
2. Preis- und Marktzutrittsregulierung in Wettbewerbsbranchen
3. Verhaltens- und Qualitätsregulierung
4. Kritik an der normativen Regulierungstheorie
5. Public-Interest-Theorie
II. Die positive Regulierungstheorie
1. Verhaltensweisentheorie
2. Capture-Theorie
a. Grundaussage
b. Kritik an der Capture-Theorie
3. Chicago-Theorie
a. Stigler
b. Posner
c. Peltzman
d. Becker
e. Kritik an der Chicago-Theorie
III. Credible-Commitment-Theorie
1. Grundaussage
2. Unterschiedliche Ansatzpunkte
3. Kritische Bewertung
D. Konsequenzen staatlicher Regulierung
E. Regulierungstheorien im Zuge der Digitalisierung des Finanzmarkts
I. „MiFID II“
1. Gründe im Sinne der normativen Theorie
2. Gründe im Sinne der positiven Theorie
II. „PSD II“
1. Gründe im Sinne der normativen Theorie
2. Gründe im Sinne der positiven Theorie
III. Maßnahmen der Regulierungsbehörden BaFin und EBA
IV. Digitale Lösung interessengeleiteter Regulierungspolitik
F. Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hat zum Ziel, die theoretischen Ansätze der staatlichen Regulierung zu analysieren und auf aktuelle Maßnahmen im Zuge der Digitalisierung des Finanzsektors zu übertragen, um die Hintergründe staatlicher Eingriffe kritisch zu hinterfragen.
- Staatliche Regulierung als Werkzeug zum Ausgleich von Marktversagen
- Differenzierung zwischen normativer und positiver Regulierungstheorie
- Anwendung der Regulierungstheorien auf EU-Finanzmarktrichtlinien wie MiFID II und PSD II
- Rolle von Regulierungsbehörden und Einfluss von Interessensgruppen
- Potenziale digitaler Lösungen wie der Blockchain-Technologie für die Regulierungspolitik
Auszug aus dem Buch
C. Beispiele wirtschaftlicher Regulierungstheorien
Anhand der genannten Ansätze zum Regulierungsbegriff lassen sich mehrere Zielrichtungen von Regulierungsmaßnahmen bestimmen. Theorien wirtschaftlicher Regulierung haben sich mit den Zielrichtungen dieser Definitionsansätze auseinandergesetzt und versucht empirisch nachzuweisen, welche Hintergründe hinter Regulierungsmaßnahmen stehen. Dabei kann man die theoretischen Ansätze in zwei Kategorien einteilen. Auf der einen Seite die normative Theorie, welche Anhaltspunkte entwickelt hat, wann und unter welchen Bedingungen eine staatliche Regulierungsmaßnahme notwendig wird. Auf der anderen Seite versucht die positive Theorie das tatsächliche Regulierungsverhalten und die damit einhergehenden Interessen des Regulierers zu erläutern. Gleichzeitig werden tatsächliche Veränderungen und Abschaffungen regulativer Maßnahmen von der positiven Theorie beleuchtet. Beide Theorien müssen im Zusammenhang betrachtet werden, da Regulierungsmaßnahmen nicht ohne bestimmte Bedingungen notwendig werden und auch nicht ohne politische Durchsetzbarkeit möglich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit staatlicher Regulierung, führt in die Problematik unterschiedlicher Regulierungsbegriffe ein und setzt den Fokus auf die theoretische Analyse aktueller Regulierungsmaßnahmen im Zuge der Digitalisierung des Finanzsektors.
B. Regulierungsbegriff: Dieses Kapitel klärt die theoretische Definition von Regulierung, unterscheidet zwischen engen und weiten Ansätzen und erläutert die Besonderheiten der Regulierungssysteme in den USA und Deutschland.
C. Beispiele wirtschaftlicher Regulierungstheorien: Hier werden die normative und die positive Regulierungstheorie detailliert gegenübergestellt sowie spezifische Untertheorien, wie die Public-Interest-, Capture-, Chicago- und Credible-Commitment-Theorie, erläutert.
D. Konsequenzen staatlicher Regulierung: Der Abschnitt stellt die positiven Auswirkungen zur Förderung des Gemeinwohls den negativen Folgen von Markteingriffen in die wirtschaftliche Handlungsfreiheit gegenüber.
E. Regulierungstheorien im Zuge der Digitalisierung des Finanzmarkts: Dieses Hauptkapitel analysiert die Richtlinien MiFID II und PSD II unter Anwendung der zuvor erarbeiteten Theorien und untersucht die Rolle von Behörden wie BaFin und EBA.
F. Stellungnahme: Das abschließende Kapitel reflektiert die Anwendbarkeit der klassischen Theorien auf moderne Herausforderungen und diskutiert das Potenzial technologischer Innovationen wie der Blockchain zur Optimierung von Regulierungsprozessen.
Schlüsselwörter
Staatliche Regulierung, Regulierungstheorien, Finanzmarkt, Digitalisierung, MiFID II, PSD II, Public-Interest-Theorie, Capture-Theorie, Chicago-Theorie, Credible-Commitment-Theorie, Regulierungsbehörden, Marktversagen, Blockchain, Interessensgruppen, Regulierungsökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht staatliche Regulierung als Instrument zur Marktsteuerung und vergleicht theoretische Ansätze mit aktuellen Entwicklungen im digitalisierten Finanzsektor.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Theorie der Regulierung, der Vergleich zwischen normativen und positiven Ansätzen sowie deren Anwendung auf EU-Richtlinien und Behördenhandeln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse der Hintergründe staatlicher Regulierungsmaßnahmen, insbesondere im Kontext von Finanzmarktrichtlinien wie MiFID II und PSD II.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, um ökonomische Regulierungstheorien auf moderne Beispiele der europäischen Finanzmarktregulierung anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition des Regulierungsbegriffs, der Darstellung verschiedener Regulierungstheorien und deren praktischer Anwendung auf aktuelle digitale Finanzmarktregulierungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Regulierungstheorien, Marktversagen, Interessensgruppen, Digitalisierung des Finanzmarktes und Regulierungsbehörden.
Wie unterscheidet sich die "Positive Theorie" von der "Normativen Theorie"?
Während die normative Theorie untersucht, wann staatliches Eingreifen theoretisch sinnvoll wäre, analysiert die positive Theorie, welche tatsächlichen Interessen und politischen Beweggründe hinter der Entstehung von Regulierungen stecken.
Welche Rolle spielt die Blockchain-Technologie laut dem Autor?
Der Autor diskutiert die Blockchain-Technologie als potenzielle digitale Lösung, um interessengeleitete Regulierung durch Algorithmen objektiv und effizienter zu gestalten.
Warum wird die Judikative als wichtiger Akteur angeführt?
Die Judikative wird als notwendiger Korrekturfaktor hervorgehoben, der im supranationalen System eingreifen kann, wenn Behörden von ihrem ursprünglichen Mandat abweichen.
- Arbeit zitieren
- Gianluca Frey (Autor:in), 2019, Theorien wirtschaftlicher Regulierung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/489993