Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein. Doch haben Frauen und Männer, gleichsam alle Menschen, stets dieselben Chancen? Mitnichten, wie eine seit Jahren geführte gesamtgesellschaftliche Debatte über die Emanzipation der Frau zeigt. Privilegien, die Männern, de facto dem gern zitierten „starken Geschlecht“, teilweise von Anbeginn der Zeit zustanden, mussten sich Frauen über Jahrhunderte hinweg erkämpfen. Sei es das Wahlrecht, die Möglichkeit zu studieren oder Auto fahren zu dürfen. Doch auch heutzutage, im Jahr 2018, ist eine Diskrepanz unter anderem im Berufsalltag zu sehen. In großen Unternehmen werden die verantwortungsvollsten Positionen, ob im Vorstand oder Aufsichtsrat, größtenteils von Männern bekleidet. Etwa 51 % der Gesellschaft ist weiblichen Geschlechts, doch in den Vorständen großer Unternehmen werden beispielsweise europaweit momentan lediglich 35 % der Stellen von Frauen bekleidet. Infolgedessen müsste man annehmen, dass auch die wirtschaftskriminelle Belastung in den Unternehmen derart ungleich verteilt ist. Hinsichtlich aller Vermögens- und Kapitaldelikte sind Frauen quantitativ deutlich seltener strafrechtlich in Erscheinung getreten als Männer. So waren 2015 nur etwa 25 % der Tatverdächtigen aller Straftaten in Deutschland weiblich. Dem folgend, wäre also auch die Kriminalitätsbelastung in den Unternehmen männlich geprägt. Oder handelt es sich um einen Trugschluss: Wird mit steigendem femininen Einfluss in den Führungsgremien internationaler Unternehmen auch die Wirtschaftskriminalität in Unternehmen zurückgehen, oder nutzen Frauen die sich ihnen zunehmend bietenden Gelegenheiten genauso aus wie Männer?
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Frauen in Führungsetagen von Unternehmen
1. Definitionen der Wirtschaftskriminalität, des White Collar Crime und des Gender
2. Aktuelle Entwicklung und Erklärungsansätze
3. Versuch eines Ländervergleichs
a) USA
b) Norwegen
c) Singapur
d) vergleichendes Zwischenresümee
III. Tätermerkmale des Wirtschaftskriminellen in Führungspositionen und Auffälligkeiten nach Gender
1. Tätermerkmale
2. Genderspezifische Motivation
3. Sozialisation als Hauptursache für geringere Anfälligkeit von Frauen für White Collar Crime?
IV. Prognostische Entwicklung des White Collar Crimes
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der zunehmenden Präsenz von Frauen in Führungspositionen internationaler Unternehmen und ihrer Anfälligkeit für Wirtschaftskriminalität (White Collar Crime), wobei sie der Frage nachgeht, ob ein steigender weiblicher Einfluss in Führungsgremien die Wirtschaftskriminalität reduziert oder ob Frauen ähnliche Tatanreize wie Männer wahrnehmen.
- Analyse der geschlechterspezifischen Unterschiede bei Wirtschaftsstraftaten
- Vergleich der Situation in den USA, Norwegen und Singapur
- Untersuchung der Bedeutung von Sozialisation und Motivation
- Diskussion der "gläsernen Decke" und deren Auswirkungen auf kriminelles Handeln
- Prognose zur zukünftigen Entwicklung von White Collar Crime unter dem Aspekt zunehmender Gleichberechtigung
Auszug aus dem Buch
III. Tätermerkmale des Wirtschaftskriminellen in Führungspositionen und Auffälligkeiten nach Gender
Der Fokus der Untersuchung richtet sich nun auf die Tätermerkmale des Wirtschaftskriminellen und die Motivation zur Begehung der Taten.
1. Tätermerkmale
Die Menschen, die hohe Führungspositionen bekleiden und Unternehmen leiten, werden gemeinhin als erfolgreich angesehen. Wie oben beschrieben sind sie nach der Definition von Sutherland sozial angesehene und respektierte Menschen. Einer Perspektive nach wird für White Collar Offenders angenommen, dass diese -wie alle Straftäter- aus niedriger Selbstkontrolle heraus handeln. Diese Low-self-control Theory bzw. General Theory of Crime beschreibt das kurzfristige Vorteilsdenken der Täter, ohne die langfristigen Konsequenzen zu beleuchten. Weiterhin handeln die Täter aus dem Drang heraus, das schwer berechenbare Wirtschaftsleben unter Kontrolle zu halten, bzw. die wirtschaftlichen Risiken für ihr Unternehmen zu minimieren und den Erfolg infolgedessen zu maximieren.
Im Vergleich zu legal handelnden Menschen, haben Wirtschaftskriminelle kaum Hemmungen, anderen für die Erlangung eines eigenen Vorteils zu schaden, zeichnen sich de facto durch ein exorbitant ausgeprägtes, gewissenloses Gewinnstreben auf Kosten anderer aus. Des Weiteren besteht ein Zusammenhang zwischen dem sozialen Auftreten und dem Erfolg im Berufsleben: Je offener, redegewandter und extrovertierter ein Mensch auftritt, desto mehr Erfolge erreicht er im Beruf. Der White Collar Criminal erfüllt oftmals diese Voraussetzungen und handelt im Gegensatz zum Gesetzestreuen öfter unehrlich, verletzt soziale und ethische Werte und handelt verantwortungslos. Ihm werden psychopatische Verhaltensweisen zugewiesen. Er handelt empathie- und emotionslos sowie manipulativ, dafür habe er jedoch eine höhere kognitive und neurobiologische Leistungsfähigkeit – er ist sozusagen ein „erfolgreicher Psychopath“. Im Zusammenspiel mit denen sich ihm bietenden Gelegenheiten im Entscheidungsspielraum in Führungsetagen von Unternehmen („Opportunity Theory“) kann der Mensch mit diesen Charakterzügen mithin mangels moralischer Grenzen unter Ausnutzung seiner Fähigkeiten bevorzugt White Collar Crimes begehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen der Emanzipation der Frau und ihrer Unterrepräsentation in Führungsetagen und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und der Wirtschaftskriminalität.
II. Frauen in Führungsetagen von Unternehmen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe, analysiert aktuelle Trends und führt einen Ländervergleich (USA, Norwegen, Singapur) durch, um die geschlechterspezifische Involvierung in White Collar Crime zu beleuchten.
III. Tätermerkmale des Wirtschaftskriminellen in Führungspositionen und Auffälligkeiten nach Gender: Es werden die psychologischen und sozialisationsbedingten Tätermerkmale untersucht, wobei insbesondere auf die Motivation und die Rolle der Sozialisation für die unterschiedliche Anfälligkeit der Geschlechter eingegangen wird.
IV. Prognostische Entwicklung des White Collar Crimes: Dieses Kapitel wagt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung von White Collar Crime unter Berücksichtigung weiter steigender Frauenquoten und der gesellschaftlichen Emanzipation.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, kritisiert die Datenbasis der Studien und hält fest, dass Frauen trotz zunehmender Präsenz in Führungsetagen weniger anfällig für Wirtschaftskriminalität bleiben, was zu einer ethischeren Unternehmenskultur beitragen könnte.
Schlüsselwörter
Wirtschaftskriminalität, White Collar Crime, Gender, Führungspositionen, gläserne Decke, Opportunity Theory, Sozialisation, Tätermerkmale, Pink Collar Crime, Korruption, Betrug, Untreue, Geschlechtergleichberechtigung, Unternehmenskultur, Ethikstandards
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der steigenden Anzahl von Frauen in Führungspositionen von Unternehmen und ihrer Beteiligung an Wirtschaftskriminalität (White Collar Crime).
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Wirtschaftskriminalität, den Einfluss von Sozialisation auf kriminelles Verhalten, den Vergleich der Situation in unterschiedlichen Ländern sowie psychologische Tätermerkmale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob ein höherer Anteil an Frauen in der Unternehmensführung zu einer Zunahme der Wirtschaftskriminalität führt oder ob Frauen aufgrund anderer Faktoren (wie Sozialisation oder moralische Standards) weniger anfällig für solche Taten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es erfolgt eine kriminologische Analyse, die auf einer Literaturrecherche und der Auswertung von Statistiken sowie Berichten aus verschiedenen Ländern (USA, Norwegen, Singapur) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Begriffen, den Ländervergleich, die Analyse von Tätermerkmalen, die genderspezifische Motivation sowie die Betrachtung der Sozialisation als Ursache für die unterschiedliche Anfälligkeit der Geschlechter.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Wirtschaftskriminalität, White Collar Crime, Gender, Führungspositionen, gläserne Decke und Sozialisation charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Motivation für Straftaten bei Frauen im Vergleich zu Männern laut den untersuchten Studien?
Studien zeigen, dass Frauen häufiger altruistisch handeln (z.B. um Familie oder Firma zu unterstützen) oder sich in verzweifelten Situationen sehen, während Männer häufiger aus eigennützigen Motiven oder für ihr Geschäftsmodell handeln.
Welche Rolle spielt die sogenannte "gläserne Decke" in der Untersuchung?
Die "gläserne Decke" beschreibt die Unterrepräsentation von Frauen in Topmanagementpositionen, was die Tatgelegenheiten für White Collar Crime für Frauen begrenzt, aber laut der Untersuchung langsam zu bröckeln beginnt.
- Arbeit zitieren
- Till Reinholz (Autor:in), 2018, Frauen in Führungsetagen internationaler Unternehmen und Wirtschaftskriminalität, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/489438