Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Bedeutung der semantischen Rollen für die Unterscheidung zwischen Ergänzung und Angabe im deutschen Satz. In der Sprachwissenschaft existieren unterschiedliche Ansätze, wie man bei Mitspielern von Verben erkennen kann, ob es sich um Ergänzungen oder Angaben handelt. Im Folgenden werden drei dieser Ansätze herausgegriffen: der Ansatz von Meibauer et al. (2007), der Ansatz des Schülerdudens (2010) und der Ansatz von Primus (2015).
Es wird untersucht, auf welche Weise zwischen Ergänzungen und Angaben unterschieden wird, wie effizient diese Unterscheidungsweisen sind und ob sich die Unterscheidungsweisen eignen, didaktisch eingesetzt zu werden. Der wichtigste Unterschied der drei Ansätze besteht darin, ob die semantischen Rollen das wichtigste Klassifizierungsmittel für die Unterscheidung sind – wie bei Primus –, oder nicht – wie bei Meibauer et al. Auch nach dem Ansatz des Schülerdudens sind die semantischen Rollen für die Unterscheidung nicht relevant. Der Schülerduden unterscheidet sich außerdem insofern von den beiden anderen Ansätzen, als er gar nicht von Ergänzungen und Angaben spricht, sondern stattdessen obligatorische und fakultative Satzglieder unterscheidet – also in Satzglieder, die realisiert werden müssen und Satzglieder, die realisiert werden können.
Die Bedeutung von Ergänzungen und Angaben entspricht nicht exakt der Bedeutung von obligatorischen und fakultativen Satzgliedern. Damit stellt der Schülerduden zwar einen Sonderfall dar – da aber in dieser Arbeit die verschiedenen Ansätze auch auf ihre didaktische Wirksamkeit hin untersucht und verglichen werden sollen, macht es Sinn, den Schülerduden als eines der im schulischen Grammatikunterricht am häufigsten eingesetzten Werke miteinzubeziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die drei Ansätze
2.1. Der Ansatz von Meibauer et al. (2007)
2.1.1 Die Valenz bestimmen
2.1.2 Die Weglassprobe auf Grundlage der Argumentstruktur anwenden
2.1.3 Die Semantischen Rollen miteinbeziehen
2.2 Der Ansatz des Schülerdudens Grammatik (2010)
2.2.1 Satzglieder durch die Verschiebeprobe ermitteln
2.2.2 Fakultative und obligatorische Satzglieder mithilfe von Leerstellen unterscheiden
2.3 Der Ansatz von Primus (2015)
2.3.1 Mithilfe des Kopfes Satzglieder und semantische Rollen ermitteln
2.3.2 Bei Satzgliedern zwischen Ergänzungen und Angaben unterscheiden
3 Vergleich der drei Ansätze
3.1 Leerstellen und Valenz
3.2 Satzgliedbestimmung
3.3 Die Bedeutung der semantischen Rollen für die Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht, wie verschiedene linguistische Ansätze – namentlich von Meibauer et al. (2007), dem Schülerduden (2010) und Primus (2015) – die Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben im deutschen Satz definieren und operationalisieren. Ziel ist es, die Effizienz und didaktische Eignung dieser Methoden zu vergleichen, wobei insbesondere die Rolle semantischer Konzepte für eine präzise Satzgliedanalyse kritisch hinterfragt wird.
- Semantische Rollen als Klassifizierungsmittel
- Valenz und Argumentstruktur in der Satzanalyse
- Methoden der Satzgliedbestimmung (Verschiebeprobe vs. Dependenz)
- Didaktische Anwendbarkeit der Unterscheidungskriterien
- Vergleich zwischen obligatorischen und fakultativen Satzgliedern
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Die Semantischen Rollen miteinbeziehen
Erst in einem dritten Schritt ziehen Meibauer et al. (2007: 150) die semantischen Rollen hinzu, um die Argumente danach zu klassifizieren, „welche Rolle die Teilnehmer, den Argumenten entsprechen, in der vom Satz beschriebenen Situation spielen“ (Meibauer et al. 2007: 151). Durch die vorherigen Schritte können die verschiedenen Argumente eines Wortes nämlich auf semantischer Ebene nicht unterschieden werden – dies leisten erst die semantischen Rollen. Wie wichtig es ist, die Argumente auf semantischer Ebene zu unterscheiden, zeigt sich, wenn man die Sätze „Kiep hat das Geld genommen“ (Meibauer et al. 2007: 151) und „Kiep hat das Geld bekommen“ (Meibauer et al. 2007: 151) vergleicht. Zwar beschreiben die Verben nehmen und bekommen beide Vorgänge, bei denen etwas den Ort wechselt – während Kiep jedoch bei bekommen mit dem Ortswechsel nichts zu tun hat, ist er bei nehmen für den Ortswechsel des Geldes verantwortlich. Kiep spielt also in der von den Sätzen beschriebenen Situation eine sehr unterschiedliche Rolle, je nachdem ob er als Argument von bekommen oder von nehmen selegiert wird. Strafrechtlich würden die beiden beschriebenen Situationen – abhängig von der Rolle, die Kiep innehat – sehr unterschiedliche Konsequenzen nach sich ziehen. Auch für die syntaktische Struktur sind die semantischen Unterschiede der Argumente bedeutsam.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben ein und stellt die drei zu vergleichenden linguistischen Ansätze vor.
2 Die drei Ansätze: Dieses Kapitel erläutert detailliert die theoretischen Konzepte von Meibauer et al., dem Schülerduden und Primus, inklusive deren spezifischer Testverfahren wie Valenzbestimmung und Verschiebeprobe.
3 Vergleich der drei Ansätze: Hier werden die vorgestellten Methoden gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Diskrepanzen in der Handhabung von Leerstellen und Satzgliedern herauszuarbeiten.
4 Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und bewertet den Ansatz von Primus als am besten geeignet, um die Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben sowie syntaktische Abhängigkeitsverhältnisse präzise zu vermitteln.
Schlüsselwörter
Semantische Rollen, Ergänzungen, Angaben, Valenz, Satzglieder, Argumentstruktur, Dependenzgrammatik, Verschiebeprobe, Satzgliedbestimmung, Sprachwissenschaft, Didaktik, Primus, Meibauer, Schülerduden, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die linguistische Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben im Deutschen anhand dreier ausgewählter Fachpublikationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Valenztheorie, semantische Rollen (Thematische Rollen) sowie verschiedene syntaktische Testverfahren zur Satzgliedanalyse.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist ein Vergleich der Effizienz und didaktischen Praktikabilität der Ansätze von Meibauer et al. (2007), dem Schülerduden (2010) und Primus (2015).
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und prüft die vorgestellten Methoden an Beispielsätzen auf ihre logische Konsistenz und Anwendbarkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei Ansätze (Valenz, Verschiebeprobe, semantische Rollen) sowie einen direkten Vergleich dieser Konzepte.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Neben den Kernbegriffen Ergänzung und Angabe sind Valenz, semantische Rollen und syntaktische Struktur die definierenden Merkmale.
Warum spielt der Schülerduden in der Arbeit eine besondere Rolle?
Der Schülerduden wird als Referenzwerk für den schulischen Grammatikunterricht herangezogen, um die didaktische Relevanz der theoretischen Unterscheidungen zu bewerten.
Wie unterscheidet Primus (2015) Ergänzungen von Angaben?
Primus nutzt semantische Rollen als zentrales Kriterium: Ein Satzglied gilt als Ergänzung, wenn seine semantische Rolle für das Verb bedeutungskonstitutiv ist.
- Arbeit zitieren
- Milena Bonifert (Autor:in), 2019, Die Bedeutung der semantischen Rollen für die Unterscheidung von Ergänzung und Angabe in der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/488862