Diese Arbeit untersucht das Identitätsproblem im Roman "Stiller" von Max Frisch. Jeder Mensch hatte bestimmt schon einmal in einem gewissen Abschnitt seines Lebens den Gedanken, aus der Rolle und Funktion seiner Existenz hinauszutreten und jemand anders zu sein. Jemand, der vielleicht ein unbekümmertes Leben führte und das ideale Dasein auf dieser Welt verkörperte. Manchmal kann die Position der eigenen Person zu viel werden und man möchte einfach von neu anfangen wollen, mit neuer Identität und neuer Aufgabe. Die eigene, nicht auszuhaltende Maske endgültig vom Gesicht zu reißen und die neue aufzutragen, wäre bei manchen Persönlichkeiten eine Gelegenheit, der Zuflucht vom alltäglichen Lebensweg zu entkommen.
Es gibt einige Wissenschaften, die sich mit diesem Zustand beschäftigen, darunter die Soziologie und die Psychologie. Das Identitätsproblem kann auch Gegenstand der Literatur sein. Einer der bekanntesten Autoren hierbei ist der Schweizer Schriftsteller Max Frisch. Er reflektiert dieses Problem in seinem Roman "Stiller".
Die Liebe und Beziehungen, die er im realen Leben verspürte, übertrug er in seine Werke. Vor allem aber beschäftigte und prägte Max Frisch das Thema der Selbsterkennung. Wer bin ich? Es ist die Frage nach der Identität, die immer noch eine wichtige Themenstellung in der globalen und technischen Welt belegt.
Inhaltsverzeichnis
0.EINLEITUNG
1.MAX FRISCH
2.STILLER
3.DIE IDENTITÄT
4.SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Identitätsproblem im Roman „Stiller“ von Max Frisch und analysiert die psychologischen sowie existentiellen Beweggründe des Protagonisten, seine Identität zu leugnen und durch neue Rollen zu ersetzen.
- Die literarische Darstellung von Identitätskrisen bei Max Frisch
- Die Analyse der Protagonistenfigur im Roman „Stiller“
- Der Zusammenhang zwischen Vergangenheit und gegenwärtiger Selbsterkenntnis
- Die Bedeutung von Sprache und Kommunikation für die Identitätsbildung
- Die psychologische Dimension des „inneren Mordes“ am eigenen Ich
Auszug aus dem Buch
2.STILLER
Der Roman, mit dem Max Frisch als Schriftsteller einen Durchbruch erzielen konnte war „Stiller“, der im Jahre 1954 im Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main veröffentlicht und millionenfach verkauft wurde. Der Protagonist, der sich als einen Amerikaner namens James Larkin White ausgibt, wird an der Grenze der Schweiz festgenommen, weil er angeblich mit dem vor 7 Jahren verschollenen Schweizer Bildhauer Anatol Ludwig Stiller identisch ist. Im Laufe der Handlung besteht die Hauptfigur beharrlich darauf, ihre wahre Identität nicht anzunehmen. Durch Aussagen der Augenzeugen, seiner Frau Julika und seinen eigenen Berichten wird am Ende des Romans das Bildnis, von dem er fliehen wollte eingeholt und als Stiller aufgedeckt.
Mit dem Wissen, dass White und Stiller identisch sind, wird offensichtlich, dass der Protagonist nicht eine physische Verleugnung, sondern die Leugnung der eigenen Vergangenheit als Teil seiner Persönlichkeit zu erzielen versucht. (Frohleiks 2005, S.6)
Stiller versuchte mit der Reise nach Amerika seine Vergangenheit, seine alte Identität zu vergessen und strebte nach einem neuen Ich. Doch seine alte Lebensgeschichte ergriff ihn trotz seiner vergeblichen Leugnungen. Seine Biographie, die in den sieben Jahren wie eine zerschmetterte Vase aufgestreut auf dem Boden lag, fügte sich bis zum Ende des Romans wieder zusammen und konnte nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
0.EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik des Identitätsverlusts und des Wunsches nach einem Rollentausch ein, wobei Max Frischs Romane als zentrales Untersuchungsfeld dienen.
1.MAX FRISCH: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Abriss über den Schweizer Schriftsteller Max Frisch und beleuchtet seine Hinwendung von der Architektur zur Literatur.
2.STILLER: Das Kapitel analysiert den Roman „Stiller“ im Hinblick auf die Leugnung der Identität des Protagonisten und dessen gescheiterten Versuch, der eigenen Vergangenheit zu entfliehen.
3.DIE IDENTITÄT: Hier werden theoretische Ansätze zur Identitätsbildung und der lebenslange Prozess der Selbsterkenntnis soziologisch und psychologisch betrachtet.
4.SCHLUSSFOLGERUNG: Die Schlussfolgerung resümiert, dass eine Identitätsflucht zwecklos ist und die Konfrontation mit der eigenen Geschichte für die Selbsterkenntnis unumgänglich bleibt.
Schlüsselwörter
Max Frisch, Stiller, Identität, Identitätskrise, Selbsterkenntnis, Rollentausch, Existenz, Literatur, Psychologie, Biographie, Vergangenheit, Ich-Suche, Soziologie, Personale Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Auslegung des Identitätsproblems in Max Frischs Roman „Stiller“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Selbsterkenntnis, die Flucht vor der eigenen Biografie, das Motiv des Ichs und die Schwierigkeiten der Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Beweggründe des Protagonisten zu verstehen, warum er seine wahre Identität leugnet und versucht, in eine neue Rolle zu schlüpfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich von Werkauszügen mit soziologischen Theorien zur Identitätsentwicklung.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Figur „Stiller/White“, die Rolle des autobiografischen Schreibens bei Frisch und die psychologische Problematik des inneren Zwiespalts.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Identitätskrise, Selbsterkenntnis, Rollentausch und Existenzphilosophie definieren.
Wie bewertet der Autor den Versuch des Protagonisten, seine Vergangenheit zu löschen?
Der Autor argumentiert, dass eine solche Flucht zum Scheitern verurteilt ist, da die eigene Identität nicht vollständig negiert werden kann und die Konfrontation mit der Realität unvermeidlich bleibt.
Welche Bedeutung hat der Begriff „innerlicher Mord“ im Kontext des Romans?
Der Begriff beschreibt den psychologischen Prozess der Zerstörung des eigenen Ichs und die Unfähigkeit des Protagonisten, sein wahres Selbst authentisch in die Sprache zu übersetzen.
- Arbeit zitieren
- Bekir Özgün (Autor:in), 2017, Das Identitätsproblem und seine Auslegung im Roman "Stiller" von Max Frisch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/487488