Das Internet hat sich in unserer Gesellschaft mittlerweile etabliert. Dabei ist es ein wichtiges Kommunikationsmittel – ob in privaten Belangen oder auch als Diskussions- und Mitteilungskanal gesellschaftlich relevanter Themen, wie z.B. die Politik. Auch wenn die klassischen und etablierten Formate wie das Fernsehen und die Printmedien auch weiterhin eine wichtige Informationsquelle darstellen. Aber das Internet ist auf dem Vormarsch – so waren 2002 nur 41,6 Prozent der Deutschen im Internet aktiv. Davon konsumierten nur 28 Prozent Webinhalte mit politischem Inhalt. Die Zahl der Internetnutzer stieg bis zum Jahr 2009 auf 63,7 Prozent - darunter lasen 50 Prozent politische Informationen. Im Jahr 2012 ist die Zahl auf 76 – beziehungsweise 59 Prozent angestiegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die fragmentierte Öffentlichkeit
Normative Funktionen der demokratischen Öffentlichkeit
Die Fragmentierung von Öffentlichkeit
Fragmentierung – Entstanden durch Selektionsmechanismen?
Die persönliche Öffentlichkeit nach Jan Schmidt
Größe und Zusammensetzung eines Publikums
Die Statik und Dynamik öffentlicher Inhalte
Die Kommunikationsorte
Die Filter-Bubble-Theorie nach Eli Pariser
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Logiken und Mechanismen der Informationsselektion im Internet zu einer Fragmentierung virtueller Öffentlichkeiten führen könnten. Dabei wird analysiert, inwiefern sich die Struktur der Informationsvermittlung im Web von klassischen Medien unterscheidet und welche Rolle dabei individuelle Präferenzen sowie algorithmische Filter spielen.
- Normative Anforderungen an eine demokratische Öffentlichkeit
- Entwicklung und Dynamik der Fragmentierungsthese
- Einfluss von persönlichen Öffentlichkeiten nach Jan Schmidt
- Mechanismen der Filter-Bubble-Theorie nach Eli Pariser
- Gegenüberstellung von klassischer Medienlandschaft und digitalem Informationszeitalter
Auszug aus dem Buch
Die persönliche Öffentlichkeit nach Jan Schmidt
Zentrales Strukturmerkmal des sogenannten Web 2.0 sind laut der amerikanischen Medienwissenschaftlerin Danah Boyd soziale Netzwerkseiten. Zu verstehen sind darunter „[...] web-based services that allow individuals to (1) construct a public or semi-public profile within a bounded system, (2) articulate a list of other users with whom they share a connection, and (3) view and traverse their list of connections and those made by others within the system.“ Innerhalb dieser sozialen Netzwerkseiten konstituiert sich Öffentlichkeit laut Jan Schmidt in erster Linie als persönliche Öffentlichkeit.
Gemeint ist damit „[...] das Geflecht von online zugänglichen kommunikativen Äußerungen zu Themen von vorwiegend persönlicher Relevanz [...], mit deren Hilfe Nutzer Aspekte ihrer Selbst ausdrücken und sich ihrer Position in sozialen Netzwerken vergewissern. [...] Persönliche Öffentlichkeiten entstehen an denjenigen Stellen im Netz, an denen Nutzer sich mit ihren eigenen Interessen, Erlebnissen, kulturellen Werken oder Meinungen für ein Publikum präsentieren [...].“ Auch wenn Schmidt in dieser Definition von 2009 betonte, dass es innerhalb persönlicher Öffentlichkeiten vornehmlich um Themen persönlicher Relevanz ginge, ist keinesfalls ausgeschlossen, dass diese Themen auch gesellschaftliche Relevanz besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Etablierung des Internets als politisches Kommunikationsmedium beschrieben und die Forschungsfrage nach den Mechanismen der Fragmentierung virtueller Öffentlichkeit abgeleitet.
Die fragmentierte Öffentlichkeit: Das Kapitel führt in das von Friedhelm Neidhardt skizzierte Öffentlichkeitsmodell ein und erläutert die normativen Funktionen einer demokratischen Öffentlichkeit.
Fragmentierung – Entstanden durch Selektionsmechanismen?: Hier wird der Wandel von traditionellen Medienprinzipien wie dem Außen- und Binnenpluralismus hin zur hochgradig pluralen, aber selektiven Informationsauswahl im Internet analysiert.
Die persönliche Öffentlichkeit nach Jan Schmidt: Es wird untersucht, wie soziale Netzwerke durch individuelles Identitäts- und Informationsmanagement zur Entstehung verstreuter Kleinpublika beitragen.
Größe und Zusammensetzung eines Publikums: Dieses Unterkapitel beleuchtet die kleinteilige Struktur persönlicher Öffentlichkeiten, die primär auf bestehenden Offline-Bekanntschaften basiert.
Die Statik und Dynamik öffentlicher Inhalte: Es wird unterschieden zwischen selten veränderten statischen Inhalten und dynamischen Statusnachrichten, die den persönlichen Informationsstrom prägen.
Die Kommunikationsorte: Dieses Kapitel zeigt auf, dass sich die persönliche Öffentlichkeit oft auf wenige, vom Nutzer gewählte Plattformen konzentriert, um unterschiedlichen Rollenanforderungen gerecht zu werden.
Die Filter-Bubble-Theorie nach Eli Pariser: Der Fokus liegt auf der automatisierten Filterung durch Algorithmen, die für den Nutzer unsichtbar ein individuelles Informationsuniversum erschaffen.
Fazit: Die Ergebnisse der theoretischen Analyse werden resümiert und die Befürchtung einer fortschreitenden Fragmentierung der Öffentlichkeit kritisch gegenüber dem klassischen Modell der Massenmedien bewertet.
Schlüsselwörter
Internet, Fragmentierung, Öffentlichkeit, soziale Netzwerke, Informationsselektion, Filter-Bubble, Algorithmen, Personalisierung, Medienwandel, digitale Kommunikation, politische Kommunikation, Pluralismus, Gatekeeper, Identitätsmanagement, Web 2.0
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich durch das Internet die Art und Weise verändert, wie wir Informationen konsumieren und wie sich dadurch eine einheitliche Öffentlichkeit in viele kleine, fragmentierte Bereiche aufteilen könnte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen von Öffentlichkeit, die Rolle von sozialen Netzwerken sowie die Auswirkungen von programmierten Filtern und Algorithmen auf unsere Informationsversorgung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Logiken und Mechanismen der Informationsselektion im Web zu identifizieren, die dazu beitragen könnten, dass die klassische, gesamtgesellschaftliche Öffentlichkeit in fragmentierte Teilöffentlichkeiten zerfällt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf Basis bestehender medienwissenschaftlicher Konzepte und Modelle – insbesondere von Neidhardt, Schmidt und Pariser – eine strukturierte Analyse der aktuellen digitalen Medienentwicklung vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Neidhardt-Modell, vergleicht es mit der "persönlichen Öffentlichkeit" von Jan Schmidt und beleuchtet kritisch die "Filter-Bubble-Theorie" von Eli Pariser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Fragmentierung, Internetöffentlichkeit, Algorithmen, Filter-Bubble, soziale Netzwerke, Informationsselektion und Medienwandel.
Wie unterscheidet sich die "persönliche Öffentlichkeit" von einer klassischen Öffentlichkeit?
Während eine klassische Öffentlichkeit idealerweise alle Bürger einbezieht und durch Massenmedien integriert wird, zeichnet sich die persönliche Öffentlichkeit durch eine kleinteilige Struktur, Homogenität und die Orientierung an persönlichen Interessen aus.
Was ist das zentrale Problem der "Filter-Bubble" nach Pariser?
Das Hauptproblem ist, dass Personalisierungsfilter unterschwellig und ohne bewusste Entscheidung des Nutzers agieren, wodurch wichtige Informationen ausgeblendet werden und eine gemeinsame Wissensbasis innerhalb der Gesellschaft erodiert.
- Quote paper
- Oliver Wendt (Author), 2015, Die Fragmentierung im Internet. Nachrichten- und Informationsübertragung in der virtuellen Öffentlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/486548