Ausgehend von der Lektüre "Die Physiker" befassen sich die Schüler in dieser Unterrichtsreihe mit modernen oder historischen Erfindungen, die ähnlich brisant sind wie die Erfindungen des Möbius. Die Schüler erarbeiten den Segen und Fluch bezüglich folgender Erfindungen: Atomkraft, plastische Chirurgie, Alfred Nobel/Dynamit, Verkehr/Mobilität, Genfood, neue Medien, Rationalisierung. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in Form unterschiedlichster Streitgespräche: Gerichtsverhandlung, Talkshow, Debatte, Podiumsdiskussion, Streit unter Freunden und Stammtisch, wobei beinahe jedes Thema mit jeder Streitgesprächsform kombiniert werden kann. Komplett mit Arbeitsblättern, Beobachtungsbögen und Methodenkarten.
Inhaltsübersicht
1. Überlegungen zur Lerngruppe
1.1. Leistungsstand
1.2. Disziplin und Motivation
1.3. Vertrautheit mit Unterrichts- und Sozialformen
2. Didaktisch-methodischer Kommentar
2.1. Überlegungen zum Unterrichtsinhalt
2.1.1. Die Auswahl der Lektüre und der Diskussionsthemen
2.1.2. Die Unterrichtsstunde im Kontext der Einheit und Reihe
2.2. Überlegungen zur methodischen Gestaltung
3. Lernziele
4. Verlaufsplan
5. Unterrichtsmaterial
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dient als Unterrichtsentwurf für eine Examenslehrprobe und fokussiert auf die Förderung der Diskussions- und Argumentationsfähigkeit von Schülern der Klasse 10a. Ziel ist es, durch die Analyse der Tragikomödie „Die Physiker“ und die praktische Erprobung kooperativer Streitgespräche die Schüler für rhetorische Gestaltungsmittel zu sensibilisieren und sie zu einem argumentativ fundierten Urteil bezüglich des Themenkomplexes „Segen und Fluch des Fortschritts“ zu befähigen.
- Integration von Literaturunterricht und mündlicher Kommunikation
- Erarbeitung und Anwendung verschiedener Argumentationstypen
- Praktische Erprobung kooperativer Gesprächsformen (z.B. Debatte, Gerichtsverhandlung)
- Förderung der Urteilsfähigkeit zu ethischen Fragen der Wissenschaft
- Sensibilisierung für die Ambivalenz des technischen Fortschritts
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Die Auswahl der Lektüre und der Diskussionsthemen
Die „Richtlinien und Lehrpläne“ für die Hauptschule sehen für jede der sogenannten Doppeljahrgangsstufen die Lektüre einer Ganzschrift vor. Für die Auswahl der Lektüre werden dort keine Vorgaben gemacht. Für die Begründung der Wahl der Lektüre „Die Physiker“ kann der Unterrichtende daher nicht einfach auf den Lehrplan verweisen, sondern muss hier Autonomie unter Beweis stellen.
Die Lektüre erfüllt ohne Zweifel die Kriterien des Repräsentativen, Typischen und Exemplarischen, denn das Drama „Die Physiker“ ist es nicht zuletzt, das Dürrenmatts Ruf als bedeutendster Dramatiker der deutschen Nachkriegsliteratur begründete. Aber aus der Perspektive eines stärker den Schüler fokussierenden Didaktikverständnisses muss sich das Drama auch als Lektüre erweisen, die den Schülern gerecht wird. Den Schülern entgegen kommt v. a. die lakonische Sprache der Lektüre und ihr Unterhaltungswert als Komödie. Vorteilhaft erweist sich auch der relativ geringe Umfang, v. a. im Vergleich zum wesentlich umfangreicheren Drama „Der Besuch der alten Dame“. Eine Hürde darstellen dürfte allerdings der tiefgründige philosophische Gehalt der Lektüre, den der Leser, der möglicherweise eine seichte Komödie erwartet hat, schon nach wenigen Seiten erahnen dürfte. Was die angesprochenen Hürden betrifft, räumen die „Richtlinien und Lehrpläne“, die ansonsten stark die Schülerorientierung betonen, ein, dass diese Schülerorientierung nicht zu eng verstanden werden darf.
Und die in dem Drama angesprochenen schwerwiegenden ethischen Problemstellungen – v. a. die Problematik der Verantwortlichkeit des Wissenschaftlers und der Ambivalenz des technischen Fortschritts – stellen sich ja nicht bloß Schülern eines Leistungskurses, sondern mindestens ebenso dringlich jedem Hauptschüler, der in die Moderne entlassen wird. Auch der Deutschunterricht der Hauptschule wird in dieser Hinsicht in die Pflicht genommen, wenn die Richtlinien und Lehrpläne für den Deutschunterricht der Hauptschule im Allgemeinen und als Auswahlkriterium für Texte im Besonderen fordern, dass sie dem Schüler beim „Durchschauen und Bewältigen von Problemen der individuellen und gesellschaftlichen Existenz“ helfen und dass sie gegenwarts- und zukunftsrelevant sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Überlegungen zur Lerngruppe: Analyse der heterogenen Klassenstruktur, der Disziplin sowie der Vertrautheit mit Sozialformen der Klasse 10a.
2. Didaktisch-methodischer Kommentar: Begründung der Themenwahl sowie methodische Einordnung der Unterrichtsstunde in die Reihe und Analyse der gewählten Diskussionsform.
3. Lernziele: Formulierung der angestrebten Kompetenzzuwächse für die Schüler bezüglich Rhetorik, Kooperation und inhaltlicher Auseinandersetzung.
4. Verlaufsplan: Detaillierte tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsphasen inklusive Lehrer- und Schüleraktivitäten sowie Medieneinsatz.
5. Unterrichtsmaterial: Zusammenstellung der Arbeitsmaterialien, darunter Zitate der Figuren aus „Die Physiker“ und Definitionen verschiedener Diskussionsformate.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Die Physiker, Friedrich Dürrenmatt, Streitgespräch, Argumentationstypen, Segen und Fluch des Fortschritts, mündliche Kommunikation, Hauptschule, Didaktik, kooperatives Lernen, Unterrichtsentwurf, Lehrprobe, ethische Verantwortung, Rhetorik, Ganzschrift
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Der Entwurf beschreibt die Planung einer Examenslehrprobe im Fach Deutsch in der Klasse 10a, bei der die Schüler im Rahmen der Lektüre von Dürrenmatts „Die Physiker“ ihre Diskussionsfähigkeit anwenden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die ethische Verantwortung der Wissenschaft, die Ambivalenz des technischen Fortschritts sowie die Schulung mündlicher Ausdrucks- und Argumentationskompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schüler sollen in die Lage versetzt werden, prozedurales Wissen über Argumenttypen zu erwerben und diese bewusst in Streitgesprächen zur Bewältigung komplexer gesellschaftlicher Fragestellungen einzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein integrativer Ansatz verfolgt, der literarische Analyse mit produktionsorientierten und kommunikativen Methoden wie dem „Streitgespräch“ kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Lerngruppe, eine didaktische Begründung der Unterrichtsinhalte und der methodischen Gestaltung sowie die detaillierte Planung der Unterrichtsphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie „Segen und Fluch des Fortschritts“, „Streitgespräch“, „Argumentationstypen“ und „kooperatives Lernen“.
Warum wurde Dürrenmatts „Die Physiker“ als Lektüre gewählt?
Die Lektüre eignet sich aufgrund ihres repräsentativen Charakters, ihrer lakonischen Sprache und der hohen Relevanz der ethischen Fragestellungen besonders für die Zielgruppe der Hauptschule.
Wie werden die Diskussionsformen im Unterricht gestaltet?
Die Schüler wählen selbst aus verschiedenen Formaten wie Gerichtsverhandlung, Talkshow, Podiumsdiskussion oder Stammtisch, um ihre Argumente kreativ und rhetorisch angemessen zu präsentieren.
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- Marcel Haldenwang (Author), 2005, Diskussion zu Themen aus dem Bereich "Segen und Fluch des Fortschritts" im Anschluss an die Lektüre von Dürrenmatts "Die Physiker", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/48209