Lassen sich Spiele mit Lernprozessen verbinden? Dies klingt zunächst widersprüchlich, da man Spiel mit Spaß, Unterhaltung und Vergnügen assoziiert, während man bei dem Wort lernen eher an Langeweile, Anstrengung und Fleiß denkt. Was ist denn dann ein Lernspiel? Welche Funktionen haben Sprachspiele? Kann so ein Spiel die Sprechfertigkeit im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts fördern? Und auf welche Weise kann dabei Literatur angewendet werden? Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Sichtweisen auf oben gestellte Fragen herzustellen und zu untersuchen, welche methodischen Grundsätze im Fremdsprachenunterricht aufgegriffen werden müssen, damit literarische Sprachspiele eine sinnvolle Lernfunktion ergeben.
Dazu werden die Begriffe erläutert, die bei der Auseinandersetzung mit literarischen Sprachspielen als Mittel des Fremdsprachenerwerbs wichtig sind, und zwar "Mnemotechnik", "konkrete Poesie" und "Sprachlernspiel". Besondere Aufmerksamkeit wird der Beziehung zwischen Sprache und Spiel gewidmet. Dabei werden die Theorien von Wittgenstein und Andresen/Januschek analysiert, die die zwei Begriffe gegenüberstellen.
Anschließend wird das Sprachspiel im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts untersucht. Es folgt dabei ein Überblick über die Entwicklung und Funktionen von Sprachspielen, außerdem präsentiere ich den didaktisch-methodischen Aspekt des Lernspiels. Schließlich wird aufgezeigt, wie Literatur im Fremdsprachenunterricht anzuwenden ist. Dabei wird darauf eingegangen, wie man kreativ mit literarischen Texten konkreter Poesie umgeht und wie die Sprechfertigkeit dabei gefördert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung: „Mnemotechnik“, „konkrete Poesie“, „Sprachlernspiel“
3. Beziehung zwischen Sprache und Spiel
4. Sprachspiel im Rahmen des Fremdspracheunterrichts
4.1. Die Entwicklung bedarfsgerechter Lernspiele für den Fremdsprachenunterricht
4.2. Funktionen des Sprachlernspiels im kommunikativen Fremdspracheunterricht
4.3. Spielen und Lernen im didaktisch-methodischen Diskurs
5. Literatur als Spiel im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts
5.1. Kreativer Umgang mit literarischen Texten konkreter Poesie
5.2. Literatur als Sprechanlass: zur Förderung der Sprechfertigkeit im Fremdsprachenunterricht
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen verschiedenen theoretischen Sichtweisen auf literarische Sprachspiele und analysiert methodische Grundsätze für deren Einsatz im Fremdsprachenunterricht, um eine sinnvolle Lernfunktion zu gewährleisten.
- Grundbegriffe des Sprachlernspiels und der konkreten Poesie
- Theoretische Verknüpfung von Sprache und Spiel
- Entwicklung und Funktionen von Sprachlernspielen im Unterricht
- Didaktisch-methodische Aspekte des Spieleinsatzes
- Förderung der Sprechfertigkeit durch literarische Texte
Auszug aus dem Buch
3. Beziehung zwischen Sprache und Spiel
Sprache und Spiel lassen sich in mehrfacher Hinsicht kombinieren. Bei einem Sprachspiel geht es nicht nur darum, wie man es im Unterricht einsetzt, sondern es existiert eine sinnvolle Beziehung zwischen den zwei Phänomenen. In der Tat, eine Sprache beherrscht man von Geburt und lernt als Kind bestimmte Redewendungen und Kollokationen. „Verwenden wir einen sprachlichen Ausdruck nicht so, wie es die Sprechergemeinschaft fordert, werden wir sanktioniert“ (Reichel 2010, S. 90). Wittgenstein (Reichel 2010, S. 90-91) verknüpft das Tätigsein mit dem Sprechen und weist darauf hin, dass das Sprachspiel durch die Reaktion der Menschen entsteht. Die Sprache spiegelt also unser Verhalten wieder, indem man sich mit Hilfe bestimmter individueller Aussagen äußert. Während der Kommunikation verwendet man oft die Sprache, um andere in die Irre zu führen, ein fiktives Bild von etwas zu schaffen (vgl. Andresen/ Januschek 2007: S. 7), - und auf diese Weise erfolgt das Spiel mit der Sprache.
Es ist aber gewiss, dass ein Spiel auch paradox ist, weil es nur dann funktioniert, wenn es sich vom Nicht-Spiel unterscheidet und die Spielenden sich dieser Unterscheidung bewusst sind, dennoch macht es erst dann Spaß, wenn sie ihr Tun ernst nehmen. So berichten Andresen/ Januschek (2007: S. 8), dass „der spielerische Gebrauch von Sprache – als Scherz, Witz oder Humor – dem ernsthaften Gebrauch gegenübergestellt wird […]“. Dieser Wechsel von Spiel und Ernst gilt nicht nur für Kinder, denen oftmals schon ein Spielzeug reicht, um sich in eine fiktionale Welt zu versetzen, sondern auch für Erwachsene, die z.B. literarische Rollenspiele der wirklichen Welt gegenüberstellen (vgl. Andresen/ Januschek 2007: S. 8). Demzufolge kann eine Sprache als Spielinstrument funktionieren, das man in jeder Lebenssituation aufgreifen kann.
Ob Sprache und Spiel auch im Fremdsprachenunterricht zu finden sind, ist die Frage, die im Hauptteil dieser Arbeit zu beantworten ist. Im nächsten Kapitel werden die wichtigsten Punkte bei der Untersuchung des Sprachspiels im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Verbindung zwischen Spielen und Lernen her und formuliert das Ziel, den Einsatz literarischer Sprachspiele methodisch zu fundieren.
2. Begriffserklärung: „Mnemotechnik“, „konkrete Poesie“, „Sprachlernspiel“: Dieses Kapitel definiert die zentralen Fachbegriffe der Arbeit und ordnet das „Sprachlernspiel“ als Lernhilfe im Fremdsprachenunterricht ein.
3. Beziehung zwischen Sprache und Spiel: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Verbindung von Sprache und Spiel anhand von Theorien u.a. von Wittgenstein und Andresen/Januschek analysiert.
4. Sprachspiel im Rahmen des Fremdspracheunterrichts: Das Kapitel widmet sich der praktischen Implementierung, den Funktionen und den methodischen Phasen der Entwicklung von Sprachlernspielen.
5. Literatur als Spiel im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts: Hier wird untersucht, wie literarische Texte, insbesondere konkrete Poesie, kreativ im Unterricht genutzt werden können, um die Sprechfertigkeit zu fördern.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse zur Variabilität des Spieleinsatzes und weist auf den weiteren Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Sprachspiel, Lernspiel, Mnemotechnik, konkrete Poesie, Sprechfertigkeit, Didaktik, Methodik, Sprachlernspiel, Kommunikation, Literaturdidaktik, Wortschatzaufbau, Spielerisches Lernen, Fremdsprachenerwerb, Sprachliche Virtuosität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Rolle von literarischen Sprachspielen als effektives Mittel beim Fremdsprachenerwerb.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Beziehung von Spiel und Sprache, die Entwicklung von Lernspielen sowie der kreative Umgang mit literarischen Texten wie der konkreten Poesie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Sichtweisen auf Sprachspiele herzustellen und die methodischen Grundsätze zu untersuchen, die literarische Sprachspiele zu einer sinnvollen Lernaktivität machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse, in der verschiedene fachdidaktische Theorien und Positionen analysiert und gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Konzeption von Sprachspielen, deren Funktionen im Unterricht und die spezifische Anwendung literarischer Texte zur Förderung der Sprechfertigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdsprachenunterricht, Sprachspiel, Mnemotechnik, konkrete Poesie und Sprechfertigkeit.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "Ernst" und "Spiel"?
Unter Bezugnahme auf Andresen und Januschek wird aufgezeigt, dass ein Spiel nur dann funktioniert, wenn die Spielenden sich des Wechsels von Ernst und fiktionalem Spiel bewusst sind.
Warum wird konkrete Poesie als geeignet für den Unterricht angesehen?
Konkrete Poesie wird als Ausgangspunkt für poetische Universalität gesehen, da sie spielerisch sprachliche Strukturen wie Paradigmen, Reime und Rhythmus implizit erlernbar macht.
- Arbeit zitieren
- Dariya Smirnova (Autor:in), 2012, Literarische Sprachspiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/476856