Die vorliegende Ausarbeitung ist ein Unterrichtsentwurf für eine Lehrprobe zum Drama "Emilia Galotti" von Lessing. Das Thema lautet "Rollenbiografien zur Charakterisierung der weiblichen Hauptfiguren Emilia und Orsina und der Frauenrolle im 18. Jahrhundert". Im Zentrum stehen dabei Handlungs- und Produktionsorientierung und kreatives Schreiben.
Die Schüler und Schülerinnen verfassen in der Unterrichtseinheit kritierienorientiert Rollenbiografien zu Emilia und Orsina. Diese werden vorgetragen, kriterienorientiert ausgewertet und auf die Frauenrolle im 18. Jahrhundert reflektiert und mit der heutigen Frauenrolle kontrastiert.
Anhand der beigefügten Materialien kann die Unterrichtsstunde in der 11. Klasse Gymnasium durchgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Analyse der Lehr- und Lernbedingungen
2. Angestrebte Kompetenzziele
3. Didaktisch-methodische Überlegungen
4. Verlaufsskizze
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist die vertiefte Auseinandersetzung mit den weiblichen Hauptfiguren aus Gotthold Ephraim Lessings "Emilia Galotti" durch die produktionsorientierte Methode der Rollenbiografie. Dabei sollen die Lernenden die Perspektive der Figuren einnehmen, um deren Charakter, Motive und Gefühle besser zu durchdringen, während gleichzeitig das Frauenbild des 18. Jahrhunderts kritisch reflektiert und in einen aktuellen Kontext zur heutigen Lebenswelt gesetzt wird.
- Anwendung produktionsorientierter Verfahren im Literaturunterricht
- Charakterisierung von Emilia Galotti und Gräfin Orsina
- Analyse gesellschaftlicher Rollenerwartungen an die Frau im 18. Jahrhundert
- Methodische Ergebnissicherung durch die "Prüfstand"-Methode
- Reflexion und Transfer auf moderne Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
3. Didaktisch-methodische Überlegungen
Die Lernenden sollen heute das produktionsorientierte Verfahren „Figuren in der Ich-Form vorstellen“ (=Rollenbiografie) anwenden. Dieses fordert von den SuS die eigene Perspektive zu verlassen und sich intensiv in eine andere Figur hineinzudenken, was die Empathiefähigkeit der Lernenden fördert. Sie gelangen durch die Methode zu einem höheren Textverständnis, da sie sich wesentliche Motive und Handlungsabsichten der Figuren erschließen und den Handlungsverlauf des Dramas besser interpretieren können. Zur Vorbereitung der Rollenbiografie haben sich die SuS in der vorangegangen Stunde mit wichtigen Textstellen zu den beiden Frauenfiguren beschäftigt und sich wichtige Charaktereigenschaften herausgeschrieben. Um Diskussionen in der heutigen Stunde zu vermeiden, sollten die SuS zum Abschluss der letzten Stunde – ihrem Interesse entsprechend – entscheiden, zu welcher Figur sie heute eine Rollenbiografie verfassen wollen.
Darauf aufbauend sollen sich die Lernenden heute schriftlich in die Figuren einfühlen und aus der Ich-Perspektive vorstellen. Damit dies auch den schwächeren SuS gelingt, habe ich in der Schreibanleitung zur Methode mit Leitfragen gearbeitet, die wir uns nach dem Vorstellen des Stundenverlaufs gemeinsam durchlesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Analyse der Lehr- und Lernbedingungen: Darstellung der Zusammensetzung der Lerngruppe, des Leistungsstandes sowie der unterrichtlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Umgang mit produktiven Textverfahren.
2. Angestrebte Kompetenzziele: Definition der fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Kompetenzen, die die Lernenden im Verlauf der Unterrichtsstunde erreichen sollen.
3. Didaktisch-methodische Überlegungen: Erläuterung der pädagogischen Entscheidung für die Rollenbiografie als Methode zur Steigerung der Empathie und des Textverständnisses sowie detaillierte Beschreibung des geplanten Unterrichtsablaufs.
4. Verlaufsskizze: Tabellarische Übersicht der einzelnen Unterrichtsphasen mit Angabe der jeweiligen Inhalte, der Sozialformen, Methoden sowie der benötigten Materialien.
Schlüsselwörter
Emilia Galotti, G. E. Lessing, Rollenbiografie, Aufklärung, Frauenrolle, produktionsorientierter Literaturunterricht, Figurencharakterisierung, Ich-Perspektive, Prüfstand-Methode, Rollenerwartungen, Szenenanalyse, schülerzentrierter Unterricht, 18. Jahrhundert, Empathiefähigkeit, Transfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit grundsätzlich?
Die Arbeit fokussiert auf die Charakterisierung der weiblichen Hauptfiguren in Gotthold Ephraim Lessings Drama "Emilia Galotti" und die kritische Analyse des historischen Frauenbildes im 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die literarische Analyse von Figurenkonstellationen, das Verfassen kreativer Texte in der Ich-Perspektive und der Vergleich zwischen historischen Rollenbildern und modernen gesellschaftlichen Erwartungen.
Was ist das primäre Ziel der Einheit?
Das Hauptziel ist es, durch die Methode der Rollenbiografie eine tiefere Identifikation der Lernenden mit den Figuren zu ermöglichen, um deren Handlungslogik und die zeitgenössische Frauenrolle fundiert zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das produktionsorientierte Verfahren der "Rollenbiografie" eingesetzt, ergänzt durch die "Prüfstand"-Methode zur strukturierten kriterienorientierten Rückmeldung in Kleingruppen.
Was wird im methodischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der selbstständigen schriftlichen Erstellung der Rollenbiografien, der gegenseitigen Bewertung mittels fest definierter Kriterien und der anschließenden Plenumspräsentation zur inhaltlichen Ergebnissicherung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Emilia Galotti, Rollenbiografie, Aufklärung, Frauenrolle, produktionsorientiert, Figurenanalyse und Transfer auf die eigene Lebenswelt.
Warum wird die "Ich-Perspektive" bei den Rollenbiografien bevorzugt?
Die Ich-Perspektive zwingt die Lernenden, die Außenperspektive einer bloßen Charakterisierung zu verlassen und sich aktiv in die Motivwelt, die Ängste und die Lebensumstände der Romanfiguren hineinzuversetzen.
Wie wird mit leistungsschwächeren Schülern in der Einheit umgegangen?
Durch die Bereitstellung präziser Schreibanleitungen, strukturierender Leitfragen und bekannter Beurteilungskriterien wird ein Gerüst geschaffen, das allen SuS eine erfolgreiche Bewältigung der produktiven Schreibaufgabe ermöglichen soll.
Was ist der Zweck des "Prüfstands"?
Die Methode "Prüfstand" dient der aktiven Ergebnissicherung und Schülerselbstständigkeit, da sie einen kriterienorientierten Feedbackprozess in Kleingruppen initiiert, bei dem konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge im Fokus stehen.
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- Lorraine Möller (Author), 2017, Unterrichtsentwurf zu Rollenbiografien in "Emilia Galotti" von Lessing, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/474366