Diese Arbeit soll in erster Linie einen Überblick über Probleme und Theorien der Handlungstheorie geben. Im ersten Teil werden Annahmen getroffen, unter denen die Diskussion über Handlungen und ihre Probleme geführt wird. Daran geknüpft ist eine Verteidigung der Philosophischen Disziplin Handlungstheorie und ein Dafürhalten, dass die Auseinandersetzung mit der Thematik auch mit dem heutigen Stand der Forschung eine Berechtigung hat.
Im zweiten Teil der Arbeit wird die Kausalistische Theorie von Handlungserklärung von Donald Davidson dargestellt, beleuchtet und diskutiert. Zum Schluss werden als Alternative Teleologische Handlungserklärungen vorgestellt und ein Teile ihrer Vor- und Nachteile genannt. In meinen abschließenden Bemerkungen werde ich meine Position zu den Fragestellungen nennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Was ist Handlungstheorie und was ist das Ziel?
1.2 Handlungserklärung vs. Handlungsbeschreibung
1.3 Warum Handlungstheorie?
2. Annahmen bezogen auf die grundsätzlichen Einwände
2.1 Handlungen und das Kausalitätsproblem
2.1.1 Kausalität
2.1.1.1 Kausalität bei David Hume
2.1.1.2 Kausalität bei John Mackie
2.1.1.3 Das Kontrafaktische Kausalmodell
2.1.1.4 Anmerkungen zum Kausalitätsproblem (A1)
2.2 Der Kausale Determinismus
2.3 Der Unterschied von Handlungen und Verhalten in der Kausalität
2.2 Substanzdualismus
2.2.1 Die traditionelle Auffassung menschlichen Handelns
2.2.2 Anmerkung zum Substanzdualismus (A2)
2.2.3 Der Epiphänomenalismus (P1)
2.2.4 Traditionelle Auffassung von Handlungen und P1
2.2.5 Anmerkung zum Epiphänomenalismus (A3)
2.2.6 Handlungstheorie trotz Ablehnung des Substanzdualismus
3. Handlungsbeschreibungen
3.1 Eine minimale Theorie der Handlungsbeschreibung (A4, B1)
4. Handlungserklärungen
4.1 Kausalistische Handlungserklärungen
4.1.1 Kausalistische Handlungserklärungen bei Davidson (A5)
4.1.1.1 Einwand der logischen Verknüpfung
4.1.1.2 Gegeneinwände
4.1.2.1 Einwand der abweichenden Kausalketten
4.1.2.2 Gegeneinwand
4.2 Teleologische Handlungserklärungen
4.2.1 Teleologische Handlungserklärungen
5. Abschlussbemerkungen
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit bietet einen systematischen Überblick über zentrale Problemstellungen und Theorien der Handlungstheorie, mit dem Ziel, den qualitativen Unterschied zwischen menschlichem Handeln und bloßem Verhalten oder Naturereignissen zu präzisieren.
- Unterscheidung zwischen Handlungsbeschreibung und Handlungserklärung
- Analyse kausalistischer Erklärungsmodelle (speziell Donald Davidson)
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Substanzdualismus und Epiphänomenalismus
- Diskussion teleologischer versus kausaler Erklärungsansätze
Auszug aus dem Buch
4.1.2.1 Einwand der abweichenden Kausalketten
Weitaus stärker als der Einwand aus 4.1.1.1 ist m.M.n. allerdings das Argument der abnormalen oder verrückten inneren Kausalketten, das Davidson tatsächlich selbst hervorbringt.
„Es könnte sein, daß sich ein Bergsteiger von der Last und Gefahr eines anderen, der an seinem Seil hängt, befreien will, und er wüßte, daß er sich durch Lösen seiner Seilhalterung von der Last und Gefahr befreien könnte. Durch diesen Gedanken und diesen Wunsch wird er womöglich so nervös, daß er dazu veranlaßt wird, die Halterung zu lösen, und dennoch könnte es sein, daß er sich niemals dafür entschieden hat, die Halterung zu lösen, noch daß er es absichtlich getan hat. Meiner Ansicht nach wird es nichts nützen, wenn man hinzufügt, daß der Gedanke und der Wunsch Zusammenkommen müssen, um ihn dazu zu bringen, daß er die Halterung zu lösen wünscht, denn dann bleiben immer noch die beiden folgenden Fragen: Wie haben Gedanke und Wunsch den zweiten Wunsch bewirkt, und wie hat der Wunsch, seine Halterung zu lösen, ihn dazu veranlaßt, die Halterung zu lösen[?]“ (Davidon, 1985, S.121f).
Ein weiteres Beispiel stammt von Harry G. Frankfurt: „Auf einer Party beabsichtigt jemand, den Inhalt seines Glases zu verschütten, weil er seinen Kameraden das Signal zum Beginn eines Raubüberfalls geben möchte und aufgrund ihrer Verabredungen glaubt, durch Verschütten des Glasinhalts werde das erreicht. All dies macht den Mann jedoch überaus nervös, wegen seiner Nervosität zittert seine Hand, und so kommt es, dass der Glasinhalt verschüttet wird“ (Frankfurt, 1987, S.71f).
Es gibt noch einige weitere Beispiele, diese beiden reichen aber zur Veranschaulichung des Problems. Das Prinzip ist immer folgendes: Ein Akteur hat die Absicht, ein Y durch eine bestimmte Handlung x zu erreichen. Doch verursacht diese Absicht nicht die Handlung x, sondern macht ihn sehr nervös. Durch seine Nervosität wird eine unwillkürliche Körperbewegung hervorgerufen, die wie von ungefähr Handlung x ähnelt und den zuvor beabsichtigten Zweck Y herbeiführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Handlungstheorie als philosophische Disziplin und grenzt den Untersuchungsgegenstand (menschliches Handeln vs. Naturereignis) ab.
2. Annahmen bezogen auf die grundsätzlichen Einwände: Dieses Kapitel diskutiert das Kausalitätsproblem, Determinismus sowie das Verhältnis von Handlung und Verhalten im Kontext materialistischer Weltsicht.
2.2 Substanzdualismus: Es wird die traditionelle Auffassung von Willensakten als "unverursachte Ursachen" kritisiert und eine alternative epiphänomenalistische Perspektive eingenommen.
3. Handlungsbeschreibungen: Das Kapitel erarbeitet eine "minimale Theorie" der Handlungsbeschreibung, wobei insbesondere der Aspekt der Absichtlichkeit und das Wissen des Handelnden im Fokus stehen.
4. Handlungserklärungen: Hier werden kausalistische Erklärungsansätze nach Donald Davidson detailliert analysiert, inklusive der Kritik durch abweichende Kausalketten und teleologische Alternativen.
5. Abschlussbemerkungen: Der Autor reflektiert seine persönliche Meinungsänderung hin zu einer kausalistischen Position und bekräftigt die Relevanz des Handlungsbegriffs.
Schlüsselwörter
Handlungstheorie, Kausalität, Handlungserklärung, Handlungsbeschreibung, Davidson, Substanzdualismus, Epiphänomenalismus, Determinismus, Absichtlichkeit, Kausalketten, Primärgründe, teleologische Erklärung, Willensakt, Kausaler Determinismus, menschliches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Handlungstheorie und untersucht, wie man menschliches Handeln gegenüber bloßem Verhalten oder reflexartigen Ereignissen abgrenzen und kausal erklären kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören das Kausalitätsproblem, der Substanzdualismus, der Epiphänomenalismus sowie die Unterscheidung zwischen der Beschreibung und der kausalistischen Erklärung von Handlungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, eine schlüssige Theorie zu finden, die Handlungen als spezifische Ereignisse fassbar macht, ohne dabei in die Probleme eines Substanzdualismus zu verfallen, und dabei die kausalistische Theorie Donald Davidsons zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die analytische Philosophie, indem er zentrale Begriffe definiert, verschiedene theoretische Positionen (z.B. Davidson, Mackie, Hume) gegenüberstellt und mittels Gedankenexperimenten kritisch auf ihre Konsistenz prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Kausalitätsauffassungen, die Widerlegung des Substanzdualismus durch den Epiphänomenalismus und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der kausalistischen Handlungserklärung bei Davidson.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Handlungstheorie, Kausalität, Handlungserklärung, Substanzdualismus und Absichtlichkeit.
Welches Problem stellt der "Einwand der abweichenden Kausalketten" dar?
Er beschreibt Situationen, in denen eine Absicht zwar vorhanden ist, die Handlung aber nicht durch die Absicht, sondern durch Zufall oder nervöse Nebenreaktionen zustande kommt, was die rein kausalistische Erklärung infrage stellt.
Warum hält der Autor den Epiphänomenalismus für eine nützliche Annahme?
Der Epiphänomenalismus ermöglicht es dem Autor, ein materialistisches Weltbild zu wahren, während er dennoch untersucht, wie mentale Zustände (als Epiphänomene von Hirnzuständen) mit körperlichen Ereignissen verknüpft sind.
- Arbeit zitieren
- Klaus Gotthard (Autor:in), 2016, Handlungstheorie. Zwischen kausalistischen und teleologischen Handlungserklärungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/470954