Ziel dieser Arbeit ist es, herauszuarbeiten, wie C. N. Adichie hier essentialistische Entwürfe kultureller Identität in Frage stellt und, anhand der oppositären Darstellung des sich wandelnden Charakters der Protagonistin und der ihres Ehemanns, an kulturelle Emanzipation im Migrationsprozess appelliert.
Vor der expliziten Textanalyse wird der Blick auf den Wandel von Produktion und wissenschaftlichen Rezeption „afrikanischer“2 Migrationsliteratur gerichtet, um herauszuarbeiten, welche Faktoren Identität im Migrationsprozess ausmachen und beeinflussen können, um diese anschließend an der Geschichte zu besprechen.
Kulturelle Selbstbestimmung stellt jedoch nur eine von diversen Beschäftigungsmöglichkeiten mit der Kurzgeschichte „The Arrangers of Marriage“ dar. Fragen zu Verwandtschaftsverhältnissen, Stereotypen, Zerrbildern, Exklusion und Feminismus, etc., sind ebenso in ihr verhandelt und zusätzlich miteinander verwoben, stehen aber nicht im thematischen Fokus dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die literarische Auseinandersetzung mit kulturellem Selbstbewusstsein
2.1 Der neue Blick auf Identität durch zeitgenössische afrikanische Migrationsliteratur
2.2. Die Gestaltung kultureller Identitäten in Adichie‘s „The Arrangers of Marriage“
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Chimamanda Ngozi Adichie in ihrer Kurzgeschichte „The Arrangers of Marriage“ essentialistische Konzepte von kultureller Identität im Kontext des Migrationsprozesses kritisch hinterfragt. Das primäre Ziel ist die Analyse des kulturellen Emanzipationsprozesses der Protagonistin, die sich gegen die aufgezwungene Amerikanisierung durch ihren Ehemann zur Wehr setzt.
- Kulturelle Identität im Migrationskontext
- Die Rolle des Patriarchats und der Geschlechterrollen
- Wandel in der afrikanischen Migrationsliteratur
- Kulturelle Emanzipation und Selbstbehauptung
- Kritik an kulturellem Essentialismus
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Gestaltung kultureller Identitäten in Adichie‘s „The Arrangers of Marriage“
Mit der Ankunft der Protagonistin Chinaza im Haus des Ehemannes, wird der Leser in die Geschichte eingeführt. Von Beginn an hat man einen Einblick in die Gedankenwelt der weiblichen Hauptfigur: Sie sieht sich konfrontiert mit der Diskrepanz zwischen ihren Erwartungen und der ernüchternden Realität ihrer neuen Umgebung. (Adichie 2009: 167) Wenn sie das Innere ihrer neuen Bleibe beschreibt „(…) where a beige couch sat in the middle, slanted, as though dropped there by accident.“ (Ebd. 167) und „(…) as though the walls had become uncomfortable with each other.“ (Ebd. 168-169), beschreibt sie eigentlich ihr eigenes Innenleben, was impliziert, dass die Einbettung ihrer (kulturellen) Identität in den neuen Kontext nicht unproblematisch ist und bleibt.
Im Gepäck hat sie die, durch ihre afrikanische Familie genährte, naive und hoffnungsvolle Erwartung, dass sie mit ihrer Auswanderung nach Amerika und der Heirat mit einem Arzt das große Los gezogen hat und sich damit einhergehend ihre Zukunft gesichert hat. Schnell nimmt sie von diesen Gedanken Abschied.
Immer wieder fallen Sätze wie, „Another thing the arrangers of marriage failed to mention (…).“ (Ebd. 169), die sich vor allem auf die Glorifizierung des Ehemanns und seinen Status als Arzt in den USA beziehen und implizieren, dass die Realität nicht nahezu so perfekt ist, wie die „Arrangers of Marriage“ zu wissen geglaubt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der kulturellen Identitätsfindung in Adichies Erzählband ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Emanzipation der Protagonistin unter dem Einfluss von Migrationszwängen zu untersuchen.
2. Die literarische Auseinandersetzung mit kulturellem Selbstbewusstsein: Dieses Kapitel betrachtet den Wandel in der afrikanischen Migrationsliteratur hin zu einer komplexeren Subjektivität und transkulturellen Identität.
2.1 Der neue Blick auf Identität durch zeitgenössische afrikanische Migrationsliteratur: Hier wird analysiert, wie sich zeitgenössische Autoren von kolonialen Entfremdungskonzepten lösen und neue Perspektiven auf globale Identität und Transkulturalität eröffnen.
2.2. Die Gestaltung kultureller Identitäten in Adichie‘s „The Arrangers of Marriage“: Dieses Kapitel untersucht konkret anhand der Protagonistin Chinaza, wie durch sprachliche und kulturelle Unterdrückung Identitätskonflikte entstehen und wie sich Widerstand formiert.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Chinaza ihren kulturellen Emanzipationsprozess erfolgreich durchläuft, indem sie ihre Identität trotz des Drucks zur totalen Assimilation bewahrt.
Schlüsselwörter
Kulturelle Identität, Migrationsprozess, Chimamanda Ngozi Adichie, The Arrangers of Marriage, Emanzipation, Akkulturation, Transkulturalismus, Diaspora, Geschlechterrollen, Feminismus, kultureller Essentialismus, Selbstbehauptung, Amerikanisierung, literarische Analyse, Identitätskonflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Problematik kultureller Identitätsbildung bei Migrantinnen am Beispiel der Kurzgeschichte „The Arrangers of Marriage“ von Chimamanda Ngozi Adichie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt Themen wie kulturelle Entfremdung, Akkulturation, die Rolle der Sprache, ökonomische Zwänge und die Auswirkungen des Patriarchats auf den Migrationsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Autorin essentialistische Identitätsentwürfe in Frage stellt und an die kulturelle Emanzipation der Protagonistin im Migrationsprozess appelliert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, ergänzt durch theoretische Ansätze aus der postkolonialen und diasporischen Literaturwissenschaft.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert zum einen den Wandel zeitgenössischer afrikanischer Migrationsliteratur und zum anderen die konkrete Umsetzung dieser Dynamiken in der Kurzgeschichte, insbesondere den inneren und äußeren Konflikt der Protagonistin.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kulturelle Identität, Migration, Empowerment, Transkulturalismus und Identitätsstiftung durch Literatur.
Warum spielt der Name der Protagonistin eine so wichtige Rolle für ihre Identität?
Der Name „Chinaza“ ist ein zentraler Teil ihrer Identität; der erzwungene Namenswechsel zu „Agatha“ symbolisiert die aggressive Entfremdung und den Identitätsverlust, den ihr Ehemann ihr aufzwingen will.
Welche Bedeutung hat das offene Ende der Geschichte?
Das offene Ende wird als hoffnungsvoll interpretiert, da die Protagonistin zwar noch in einer unsicheren Lage ist, jedoch ihre psychische Autonomie und ihre kulturelle Identität gegen den Assimilationsdruck verteidigt hat.
- Quote paper
- Anna Engel (Author), 2018, Kulturelle Identität im Migrationsprozess in C. N. Adichie‘s "The Arrangers of Marriage", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/470864