Diese Arbeit wird Erklärungsansätze nicht widerlegen, sondern das Phänomen des "Buena Vista Social Club" (BVSC) von einer historischen und kulturpolitischen Seite betrachten. Es wird chronologisch untersucht, inwieweit die Kulturpolitik vor der Revolution 1959 bis in die 90er dazu beigetragen hat, dass es zu diesem
außergewöhnlichen internationalen Erfolg kommen konnte. Im Folgenden wird in jedem zeitlichen Abschnitt versucht, die kulturpolitische Situation aufzuzeigen und es wird die Frage diskutiert, ob diese Periode ebenfalls Grundlage für einen internationalen Erfolg gegeben hätte. Damit wird der Versuch unternommen, einfachen
Erklärungsansätzen wie beispielsweise, dass das Projekt womöglich zur rechten Zeit am richtigen Ort entstand, tiefergehend zu hinterfragen und genauere Ergebnisse zu liefern.
Anschließend wird diskutiert, welche Aspekte in der kulturpolitischen Historie Kubas internationalen Erfolg ermöglichten, welche ihn verhinderten und letztendlich welches Zusammenspiel von Aspekten nötig war, dass es zu diesem Zeitpunkt kam, an dem der BVSC diesen Erfolg feiern konnten. Der erste Teil widmet sich der terminologischen Klärung des Begriffs der "Kulturpolitik" im Allgemeinen. Darauf aufbauend wird im nächsten Teil die Kulturpolitik vor der Revolution Castros und schließlich die Entwicklung der kubanischen Kulturpolitik seit 1959 aufgezeigt. Es wird immer, wenn möglich, auf den Bereich der Musik Bezug genommen, ohne gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge außer Acht zu lassen.
Eine Platte mit folkloristischen Klängen aus Kuba an der Spitze der deutschen Hitparade? Eine Gruppe von Son-Veteranen, jenseits des Rentenalters, die ganze europäische Konzertsäle füllt und darin Begeisterungsstürme entfacht? Anfang der Neunziger wäre dieses Szenario unvorstellbar gewesen, doch dann erschien die von Ry Cooder produzierte und von der englischen Plattenfirma World Circuit veröffentlichte CD "Buena Vista Social Club" und wirbelte das damalige Musikgeschäft durcheinander. Erklärungsansätze für diesen Erfolg gibt es diverse. Zum einen wurde damit eine Gruppe von Käufern erreicht, die die Industrie als einkommensstark, gebildet und potenziell an Musik Interessierte bezeichnen würde, die sich von der Fülle ständig wechselnder, neuer Genres überfordert fühlt. Zum anderen ist das Kuba-Fieber dieser Zeit die Folge einer Ermattung der Medienwelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Buena Vista Social Club
2.1 Der Stadtteil Buena Vista
2.2 Der Club Social
3. Kubas Kulturpolitik und ihre Effekte auf die Musik
3.1 Kubanische Kulturpolitik vor der Revolution
3.2 Kubanische Kulturpolitik seit 1959 und bis Ende der 60er
3.3 Die Kulturpolitik der 70er
3.4 Die Kulturpolitik der 90er bis heute
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Buena Vista Social Club" aus einer historisch-kulturpolitischen Perspektive, um zu analysieren, inwieweit die kubanische Kulturpolitik von der Vor-Revolutionszeit bis in die 90er-Jahre den Boden für diesen außergewöhnlichen internationalen Erfolg bereitete oder verhinderte.
- Historische Entwicklung der kubanischen Kulturpolitik und deren Auswirkungen auf die Musiklandschaft.
- Analyse der soziokulturellen Bedeutung von Stadtvierteln und Social Clubs vor der Revolution.
- Untersuchung der staatlichen Einflussnahme auf Kunst und Musik seit 1959.
- Rolle der kulturellen Isolation und des wirtschaftlichen Wandels in den 90er-Jahren.
- Diskussion über das Zusammenspiel von Authentizität, Vermarktung und "Weltmusik"-Rezeption.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Eine Platte mit folkloristischen Klängen aus Kuba an der Spitze der deutschen Hitparade? Eine Gruppe von Son-Veteranen, jenseits des Rentenalters, die ganze europäische Konzertsäle füllt und darin Begeisterungsstürme entfacht? Anfang der Neunziger wäre dieses Szenario unvorstellbar gewesen, doch dann erschien die von Ry Cooder produzierte und von der englischen Plattenfirma World Circuit veröffentlichte CD „Buena Vista Social Club“ und wirbelte das damalige Musikgeschäft durcheinander. Zu dieser Zeit war das eine kleine Revolution. Auch die lange Lebensdauer dieses Projektes war ungewöhnlich und widersprach den Erfahrungsregeln von Produkten mit derartigem Werbe- und Marketingaufwand. Üblicherweise wird diesen Produkten eine Lebensdauer von wenigen Monaten gewährt, um die laufenden Kosten wieder einzuspielen und Gewinn zu machen. Buena Vista stand aber noch viele Jahre in den Regalen der Musikgeschäfte, bis heute.
Erklärungsansätze für diesen Erfolg gibt es diverse. Zum einen wurde damit eine Gruppe von Käufern erreicht, die die Industrie als einkommensstark, gebildet und potenziell an Musik Interessierte bezeichnen würde, die sich von der Fülle ständig wechselnder, neuer Genres überfordert fühlt. Zum anderen ist das Kuba-Fieber dieser Zeit die Folge einer Ermattung der Medienwelt. Es ist die Suche nach dem Wahrhaftigen und Authentischen, die die Menschen an diese Platte fesselt. Kuba, das Land, das gefühlt in den 50er-Jahren einfror und das Exotische konservierte, schien genau dieses Verlangen zu stillen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den unerwarteten Welterfolg des Buena Vista Social Club und skizziert die Fragestellung, inwiefern die kubanische Kulturpolitik das Entstehen dieses Erfolgs begünstigt oder beeinflusst hat.
2. Buena Vista Social Club: Dieses Kapitel beschreibt die soziokulturellen Ursprünge des Buena Vista Stadtviertels und die Bedeutung der sozialen Vereine (Social Clubs) als Zentren der afrokubanischen Kultur vor der Revolution.
3. Kubas Kulturpolitik und ihre Effekte auf die Musik: Das Kapitel analysiert chronologisch die Entwicklung der staatlichen Kulturpolitik in Kuba seit der Kolonialzeit bis in die 90er-Jahre und deren massive Auswirkungen auf das Musikschaffen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Erfolg des Buena Vista Social Club das Resultat eines komplexen Zusammenspiels aus historischer Konservierung der Musik durch die politische Isolation und den ökonomischen Notwendigkeiten der 90er-Jahre ist.
Schlüsselwörter
Buena Vista Social Club, Kuba, Kulturpolitik, Musikgeschichte, Son, Revolution 1959, Sozialismus, Vermarktung, Weltmusik, Identität, US-Handelsembargo, Authentizität, Tourismus, Kulturförderung, Musikindustrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Buena Vista Social Club vor dem Hintergrund der historischen und kulturpolitischen Entwicklung Kubas, um zu verstehen, warum dieses Projekt zu einem so außergewöhnlichen internationalen Erfolg wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Geschichte der kubanischen Kulturpolitik, die Bedeutung der afrokubanischen Musiktraditionen, die Auswirkungen von Embargos und Staatsführung auf die Musikproduktion sowie die Vermarktungsmechanismen im Bereich der Weltmusik.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit die kubanische Kulturpolitik seit der Revolution 1959 dazu beigetragen hat, dass der internationale Erfolg des Buena Vista Social Club in den 90er-Jahren erst möglich wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische und kulturpolitische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgeschichtlichen Dokumenten und Expertenzitaten basiert, um das Wechselspiel zwischen staatlichem Handeln und künstlerischer Entwicklung aufzuzeigen.
Welche Epochen der Kulturpolitik werden detailliert behandelt?
Die Arbeit betrachtet die Zeit vor der Revolution, die Phasen der 60er-Jahre, die Kulturpolitik der 70er sowie die entscheidenden Veränderungen und Öffnungstendenzen der 90er-Jahre bis heute.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Sie zeichnet sich durch die Verbindung von musikwissenschaftlicher Betrachtung und systemtheoretischer Analyse des kulturellen Rahmens unter staatlicher Kontrolle aus.
Welche Rolle spielten die "Social Clubs" für die kubanische Musik?
Sie dienten als Versammlungsorte der afrokubanischen Bevölkerung, in denen kulturelle Normen weitergegeben und fundamentale Techniken des Son-Komplexes bewahrt wurden, was sie zu Keimzellen der späteren Musiklegenden machte.
Warum war der Erfolg des Buena Vista Social Club aus Sicht der Autorin ein so bemerkenswertes Phänomen?
Weil das Projekt entgegen den üblichen Vermarktungsregeln eine erstaunliche Langlebigkeit bewies und als "konserviertes" Produkt das westliche Bedürfnis nach Authentizität in einer globalisierten Musikwelt perfekt bediente.
- Arbeit zitieren
- Louisa Feickert (Autor:in), 2019, Der Einfluss der kubanischen Kulturpolitik auf den Erfolg des "Buena Vista Social Club", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/470603