Die nachfolgende Arbeit setzt sich mit dem Vorgang der Selbstreperatur in Chats von Nachrichtendiensten am Beispiel von WhatsApp auseinander.
Im Messenger-Dienst WhatsApp finden sich Sprachnachrichten neben geschriebenem Text, welcher sich, durch Abkürzungen, Emoticons und lockere Orthografieregelungen, eher näher an die Mündlichkeit anlehnt als ein klares Gegengewicht zu bilden. Kommunikation per WhatsApp ist demnach eine Chimäre aus Schriftlichkeit und Mündlichkeit. Innerhalb dieser Umgebung weichen die Anwendungsgrenzen von Strukturen und Elementen auf, weshalb untersucht werden muss, in welcher Form Konzepte der Kommunikation in diesem neuen Rahmen angewendet werden.
Ziel dieser Arbeit ist deshalb die Überprüfung des Umgangs mit selbstinitiierten und fremdinitiierten Selbstreparaturen bei WhatsApp. Im Fokus stehen dabei die Reparatur-Initiierung und die konkrete Reparatur-Operation. Es soll ein Vergleich zwischen den klassischen verbalen Formen und ihrer grafischen Gegenstücken ermöglicht werden um zu überprüfenn, wie die Umwandlung mündlicher Mittel in grafische Formen gelingt und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Reparaturen als Reaktion auf Verständigungsprobleme
2.2 Selbstreparaturen in Abgrenzung zu Fremdreparaturen
2.3 Allgemeingültige Bestandteile einer Selbstreparatur
2.4 Besonderheiten der Reparatur-Initiierung bei selbstinitiierten Selbstreparaturen
2.5 Besonderheiten der Reparatur-Initiierung bei fremdinitiierten Selbstreparaturen
2.6 Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Chat
2.7 Graphische Unterstützungen bei Reparaturen
2.8 Stellung und Besonderheit der Emoticons
3. Überprüfung des Aufbaus von Selbstreparaturen im Chat anhand eigener Beispiele
3.1 Untersuchungskorpus
3.2 Vorgehen
3.3 Einzelfallanalysen
4. Diskussion der Beobachtungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Umgang mit selbstinitiierten und fremdinitiierten Selbstreparaturen innerhalb des Messenger-Dienstes WhatsApp. Ziel ist es, die Reparatur-Initiierung und die konkrete Reparatur-Operation zu analysieren und zu vergleichen, inwiefern klassische verbale Reparaturformen in das digitale, grafisch geprägte Kommunikationsformat übertragen werden.
- Struktur von Selbstreparaturen in der digitalen Kommunikation
- Untersuchung von Reparatur-Initiierungen und Reparatur-Operationen
- Einsatz grafischer Mittel und Emojis als Ersatz für nonverbale Signale
- Vergleich von digitaler Schriftlichkeit mit Mündlichkeit
- Analyse privater WhatsApp-Chatverläufe
Auszug aus dem Buch
2.4 Besonderheiten der Reparatur-Initiierung bei selbstinitiierten Selbstreparaturen
Die in dieser Arbeit behandelten Reparaturtypen unterscheiden sich, da sie einer gemeinsamen Obergruppe angehören, in elementaren Bereichen nicht voneinander. Die Alleinstellungsmerkmale finden sich hauptsächlich in der Phase der Initiierung. Prinzipiell lässt sich festhalten, dass die Initiierung bei einer selbstinitiierten Selbstreparatur immer von der sprechenden Person ausgehen muss, somit dürfen dabei keine äußeren Parameter auf sie einwirken.
Die einfachste Form der Initiierung sind Abbrüche. Eine sprechende Person kann sie jederzeit einbauen, sowohl in als auch nach Wörtern. Durch diesen Abbruch wird deutlich, dass der aktuelle Turn momentan nicht weitergeführt wird und sich ein „Break“ anschließt. Eine spezielle Form der Abbrüche sind die Laut-Dehnungen, welche einen Laut im Wort oder am Ende des Worts verlängern und so ebenfalls den Turn unterbrechen. Komplexere Initiierungen fügen Partikel oder lexikalische Mittel ein, um den Redefluss zu unterbrechen. In Bezug auf diese Arbeit ist besonders interessant, welche Partikel genutzt werden. Ebert stellt in ihrer Ausarbeitung fest, dass meistens „eh“ oder „ehm“ genutzt werden. Diese werden zwischen die Problemquelle und die Operation eingefügt. Ihr unpassendes Auftreten zeigt deutlich auf, dass der ursprüngliche Turn unterbrochen wird. Lexikalische Mittel funktionieren nach demselben Prinzip. Sie sind jedoch, aufgrund ihrer Länge und Eigenständigkeit, noch deutlicher. Im Deutschen sind „ach“, „ich mein“, oder „also“ exemplarisch für diese Initiierungsmöglichkeit. Abgesehen von der Tatsache, dass Selbstreparaturen generell auch mehrere Initiierungen aufweisen können, kann eine selbstinitiierte Selbstreparatur theoretisch auch ohne eine Initiierung ausgeführt werden, da die problemlösende Person selbst immer die Problemquelle kennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz der digitalen Kommunikation via WhatsApp und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Anwendung von Reparaturkonzepten im Chat.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieser Abschnitt klärt grundlegende Begriffe wie Reparaturen, Selbstreparaturen sowie die spezifischen Bedingungen der Chat-Kommunikation und der grafischen Unterstützung.
3. Überprüfung des Aufbaus von Selbstreparaturen im Chat anhand eigener Beispiele: Hier werden der Korpus, die methodische Vorgehensweise und die konkreten Einzelfallanalysen von WhatsApp-Chatverläufen dargelegt.
4. Diskussion der Beobachtungen: Dieser Teil wertet die Ergebnisse der Analyse aus und vergleicht die schriftlichen Reparatursequenzen mit klassischen verbalen Abläufen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Struktur der Reparaturen im Chat weitgehend der mündlichen Kommunikation entspricht und zeigt Potenziale für zukünftige Forschung auf.
Schlüsselwörter
Selbstreparatur, WhatsApp, Chat-Kommunikation, Reparatur-Initiierung, Reparatur-Operation, digitale Kommunikation, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Asterisk, Gleichheitszeichen, Emojis, Sprachnachrichten, Konversationsanalyse, Verständnisprobleme, Dialogizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Umgang mit Selbstreparaturen in der digitalen, informellen Kommunikation am Beispiel des Messengers WhatsApp.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Reparatur-Strukturen, die Initiierung von Reparatursequenzen durch grafische Marker sowie das Spannungsfeld zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Chat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich zwischen klassischen verbalen Reparaturformen und deren grafischen Pendants bei WhatsApp, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Reparatur-Operation aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Einzelfällen anhand eines Untersuchungskorpus aus privaten, anonymisierten WhatsApp-Chatverläufen aus dem Frühjahr 2019.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Reparatur-Mechanismen und eine empirische Analyse, in der verschiedene Reparatur-Beispiele aus Chats auf ihre Struktur und Initiierung hin untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Selbstreparatur, Chat-Kommunikation, Reparatur-Initiierung und digitale Schriftlichkeit beschreiben.
Welche Rolle spielen grafische Marker wie der Asterisk?
Grafische Marker übernehmen im Chat wichtige Funktionen, um Reparaturen zu initiieren oder Einbrüche in den Redefluss (Breaks) zu markieren, da verbale Abbruchsignale im schriftlichen Chat nicht existieren.
Können Emojis erfolgreich zur Selbstreparatur eingesetzt werden?
Die Ergebnisse zeigen, dass Emojis im untersuchten Korpus selten erfolgreich als Ersatz für Reparaturmarker fungieren, da oft keine eindeutigen Bedeutungskonventionen zwischen den Kommunikationspartnern existieren.
- Quote paper
- Hans Moritz Ritter (Author), 2019, Der Umgang mit Verständigungsproblemen und Selbstreparaturen im Chat am Beispiel von WhatsApp, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/463937