Das nachfolgende Essay befasst sich mit dem Eisenbahnbau als machtpolitisches Mittel der herrschenden Kolonialmächte am Beispiel Deutsch-Südwestafrikas.
"Kolonisieren heißt transportieren", diese Worte des belgischen Monarchen Leopold II. zeigen, welch hohe Bedeutung er der Verkehrsinfrastrukturen im Kolonialismus zuschrieb. Aber warum genau erachteten die Akteure des Kolonialismus sie als wichtig, welchen Zweck sahen sie in ihnen?
Dirk van Laak hat das große Ausmaß von Machtwirkungen, die Infrastrukturen hervorbringen, dargelegt und gezeigt, wie wichtig sie für Aufbau und Erhalt von Herrschaft sind Damit scheint eine passende Antwort gefunden zu sein, zumal Macht und Kolonialismus kaum voneinander zu trennen sind.
Aber inwiefern waren sich die Kolonisierenden der Bedeutung von Verkehrsinfrastrukturen für die Etablierung des eigenen Einflusses in den beanspruchten Gebieten tatsächlich bewusst? War die Durchsetzung von Machtinteressen die vorherrschende oder sogar alleinige Motivation für aufwändige Streckenbauprojekte in den besetzten Gebieten? Diese Fragen versucht das vorliegende Essay zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Eisenbahnbau als koloniales Mittel zur Machtetablierung. Die Perspektive der Herrschenden am Beispiel Deutsch-Südwestafrikas
1.1 Die erste Eisenbahnlinie (Swakopmund-Windhuk)
1.2 Der Bau der Otavibahn
1.3 Die Südbahn
1.4 Die Nordsüdbahn
1.5 Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Eisenbahnbaus in Deutsch-Südwestafrika und analysiert, inwieweit infrastrukturelle Großprojekte als gezieltes Instrument der kolonialen Machtetablierung fungierten oder primär anderen, etwa wirtschaftlichen, Interessen dienten.
- Analyse der Eisenbahnprojekte als koloniales Steuerungsinstrument
- Untersuchung des Wandels kolonialer Motive im Zeitverlauf
- Gegenüberstellung von militärisch-strategischen und wirtschaftlichen Interessen
- Bedeutung der Infrastruktur für die Aufrechterhaltung von Herrschaftsstrukturen
- Evaluation historischer Beispiele: Swakopmund-Windhuk, Otavibahn, Südbahn und Nordsüdbahn
Auszug aus dem Buch
Der Eisenbahnbau als koloniales Mittel zur Machtetablierung. Die Perspektive der Herrschenden am Beispiel Deutsch-Südwestafrikas
„Kolonisieren heißt transportieren“ - diese Worte des belgischen Monarchen Leopold II. zeigen, welch hohe Bedeutung er Verkehrsinfrastrukturen im Kolonialismus zuschrieb. Aber warum genau erachteten die Akteure des Kolonialismus im 19. und 20. Jahrhundert sie als wichtig, welchen Zweck sahen sie in ihnen? Dirk van Laak hat das große Ausmaß von Machtwirkungen, die Infrastrukturen hervorbringen, dargelegt und gezeigt, wie wichtig sie für Aufbau und Erhalt von Herrschaft sind (van Laak, Dirk: Infrastrukturen und Macht, in: Umwelt und Herrschaft in der Geschichte. Environnement et pouvoir: une approche historique, hg. v. Duceppe-Lamarre, François u. Engels, Jens Ivo, München 2008, S. 106-114). Damit scheint eine passende Antwort gefunden zu sein, zumal Macht und Kolonialismus kaum voneinander zu trennen sind. Aber inwiefern waren sich die Kolonisierenden der Bedeutung von Verkehrsinfrastrukturen für die Etablierung des eigenen Einflusses in den beanspruchten Gebieten tatsächlich bewusst? War die Durchsetzung von Machtinteressen die vorherrschende oder sogar alleinige Motivation für aufwändige Streckenbauprojekte in den besetzten Gebieten?
Ein Untersuchungsgegenstand, der sich bei dieser Fragestellung anbietet, ist der Eisenbahnbau in Deutsch-Südwestafrika: Hier sind im Laufe der deutschen Kolonialherrschaft vier größere Verbindungen entstanden, deren Baugründe in einer Schrift Franz Baltzers, eines Oberbaurats des Reichskolonialamtes, zu erfahren sind. (Baltzer, Franz: Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas, Berlin [u. a.] 1916). Im Folgenden werden die Hintergründe der Errichtung der einzelnen Bahnstrecken geschildert, um anhand dieser abzuwägen, ob die Machtetablierung in der Region tatsächlich die vordergründige Motivation war. Hierzu bietet sich eine chronologische Vorgehensweise an, weil sich die Voraussetzungen in der Kolonie während der deutschen Herrschaft veränderten und die Vorgänge teilweise aufeinander aufbauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Eisenbahnbau als koloniales Mittel zur Machtetablierung. Die Perspektive der Herrschenden am Beispiel Deutsch-Südwestafrikas: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Bedeutung von Verkehrsinfrastrukturen für den Kolonialismus.
1.1 Die erste Eisenbahnlinie (Swakopmund-Windhuk): Dieses Kapitel analysiert den Bau der ersten Strecke unter dem Druck der Rinderpest und prüft, ob militärische oder wirtschaftliche Motive dominierten.
1.2 Der Bau der Otavibahn: Hier wird die Rolle privater wirtschaftlicher Interessen bei der Erschließung von Minen und deren Verhältnis zur kolonialen Machtstruktur beleuchtet.
1.3 Die Südbahn: Das Kapitel untersucht den Wandel hin zu militärisch motivierten Bahnprojekten infolge des Konflikts mit den Nama.
1.4 Die Nordsüdbahn: Hier wird der Bau einer Verbindung als Maßnahme zur logistischen Vereinigung und machtsichernden Infrastruktur in der späten Kolonialzeit beschrieben.
1.5 Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst den Wandel der Motive zusammen und bewertet die Rolle von Eisenbahnen als Instrument der Machtausübung im kolonialen Kontext.
Schlüsselwörter
Eisenbahnbau, Deutsch-Südwestafrika, Kolonialismus, Verkehrsinfrastruktur, Machtetablierung, Wirtschaftsinteressen, Militärstrategie, Namibia, Herrschaftsstrukturen, Franz Baltzer, Otavibahn, Südbahn, Nordsüdbahn, Rinderpest, Konfliktgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung von Eisenbahnstrecken in der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika unter dem Aspekt der kolonialen Machtausübung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die koloniale Verkehrsplanung, das Verhältnis von wirtschaftlichen zu militärstrategischen Interessen und die Veränderung dieser Schwerpunkte im Zeitverlauf.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Bau von Eisenbahnen in erster Linie der Durchsetzung von Machtinteressen diente oder ob andere Faktoren wie wirtschaftliche Notwendigkeiten ausschlaggebend waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine chronologische Analyse der verschiedenen Bahnstrecken, um auf Basis historischer Quellen die jeweiligen Beweggründe für deren Errichtung zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von vier großen Bahnprojekten (Swakopmund-Windhuk, Otavibahn, Südbahn, Nordsüdbahn), deren Hintergründe jeweils einzeln geprüft werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kolonialismus, Infrastruktur, Machtetablierung, Eisenbahnbau und die geografische sowie zeitliche Einordnung in Deutsch-Südwestafrika.
Welche Rolle spielte die Rinderpest für den ersten Eisenbahnbau?
Die Rinderpest führte zum Zusammenbruch der damaligen Ochsenwagen-Transporte, was den Bau der Strecke von Swakopmund nach Windhuk als Notmaßnahme zur Sicherung der Versorgung notwendig machte.
Warum änderte sich die Bedeutung der Eisenbahnen nach der Jahrhundertwende?
Durch zunehmende Konflikte mit der lokalen Bevölkerung, etwa den Herero und den Nama, wandelte sich die Bedeutung der Schienenwege von rein wirtschaftlichen Transportmitteln hin zu strategisch wichtigen Versorgungslinien für militärische Operationen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Der Eisenbahnbau als koloniales Mittel zur Machtetablierung. Die Perspektive der Herrschenden am Beispiel Deutsch-Südwestafrikas, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/463097