„[…] there are certain features of the bodily sensations especially, but also of certain perceptual experiences, which no amount of purely physical information includes. Tell me everything physical there is to tell about what is going on in a living brain, the kind of states, their functional role, their relation to what goes on at other times and in other brains, and so on and so forth, and be I as clever as can be in fitting it all together, you won't have told me about the hurtfulness of pains, the itchiness of itches, pangs of jealousy, or about the characteristic experience of tasting a lemon, smelling a rose, hearing a loud noise or seeing the sky.“ Frank Jackson (2006)
Wie in diesem Eingangszitat von Jackson zum Ausdruck kommt, scheint es bestimmte Eigenschaften körperlicher, sinnlicher oder kognitiver Erfahrung zu geben, die in ihrer Gänze nicht durch physikalische Informationen beschreibbar sind, d.h. jede noch so vollständige Beschreibung einer solchen Erfahrung lässt immer bestimmte phänomenale Erlebnisqualitäten außen vor. Wenn allerdings der Physikalismus behauptet, eine umfassende Theorie der Wirklichkeit schlechthin zu sein, so müssen seine Erklärungen eben solche Aspekte einschließen können. Diesen Punkt verdeutlicht Jackson in seinem Aufsatz „Epiphenomenal Qualia“ anhand des Gedankenexperiments der Wissenschaftlerin Mary.
Dieser Essay stellt an anknüpfend an Jacksons Wissensargument Brian Loars Antwort darauf vor, die es uns ermöglicht an unserer phänomenologischen Grundintuition festzuhalten ohne gleichzeitig den Physikalismus zurückzuweisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Was Mary nicht wusste – Das Knowledge Argument
2. Loars Antwort auf das Knowledge Argument
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist die Untersuchung des „Knowledge Arguments“ von Frank Jackson und die kritische Auseinandersetzung mit der Antwort von Brian Loar, um das Spannungsfeld zwischen physikalistischen Weltanschauungen und der phänomenalen Erfahrung des Bewusstseins zu analysieren.
- Das Wissensargument (Knowledge Argument) nach Frank Jackson
- Das Verhältnis von Physikalismus und phänomenalen Erlebnisqualitäten
- Brian Loars Lösungsansatz durch die Unterscheidung von Begriffen und Eigenschaften
- Gegebenheitsbeschreibungen als epistemische Brücke
- Die erste-Person-Perspektive bei der Bildung phänomenaler Begriffe
Auszug aus dem Buch
Loars Antwort auf das Knowledge Argument
Loar akzeptiert zwar die intuitive Annahme, dass phänomenale Konzepte irreduzible Bestandteile der Wirklichkeit sind, bestreitet aber, dass eben diese Aspekte des Mentalen ein Problem für die These darstellt, dass sich diese grundlegend von Physischen unterscheiden. Seiner Auffassung nach können wir sowohl an der begrifflichen Irreduziblität phänomenaler Qualitäten festhalten, sowie sie gleichzeitig – im Einklang mit Erkenntnissen der gegenwärtigen Hirnforschung – mit physisch-funktionalen Eigenschaften identifizieren, wenn wir der Argumentation die basale Unterscheidung zwischen Begriffen und Eigenschaften zugrunde legen.
Zu diesem Zwecke führt er folgendes Beispiel an: Es sei durchaus vorstellbar, dass man von einer vor einem stehenden Flasche weiß, dass sie CH₃−CH₂−OH enthält, ohne gleichzeitig zu wissen, dass es sich dabei um die Substanz Alkohol handelt. Nachdem man den Begriff „Alkohol“ erworben hat, wurde also eine neue Tatsache über die Welt erworben. Jacksons Wissensargument folgend, müsste es sich dabei aber um eine grundlegend andere Tatsache handeln, weshalb es paradoxerweise nicht möglich wäre, davon zu sprechen, dass Alkohol mit der chemischen Zusammensetzung CH₃−CH₂−OH identisch wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
Was Mary nicht wusste – Das Knowledge Argument: Dieses Kapitel führt in das berühmte Gedankenexperiment von Frank Jackson ein, das belegen soll, dass der Physikalismus unvollständig ist, da phänomenales Erleben nicht allein durch physikalische Informationen erklärbar sei.
Loars Antwort auf das Knowledge Argument: Dieses Kapitel erläutert Brian Loars Strategie, das Wissensargument zu entkräften, indem er zwischen Begriffen und deren zugrunde liegenden physischen Eigenschaften unterscheidet und so den Physikalismus rettet.
Schlüsselwörter
Knowledge Argument, Frank Jackson, Brian Loar, Physikalismus, phänomenale Qualitäten, Wissensargument, Qualia, Gegebenheitsbeschreibungen, Bewusstsein, erste-Person-Perspektive, mentale Zustände, Identitätstheorie, Farbwahrnehmung, Epiphänomenalismus, Philosophie des Geistes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Debatte um das Bewusstsein, speziell mit der Frage, ob physikalische Fakten ausreichen, um unsere subjektiven Erfahrungen (Qualia) vollständig zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Physikalismus, das „Knowledge Argument“ (Wissensargument) nach Frank Jackson und die kritische Antwort von Brian Loar darauf.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Brian Loar versucht, die Intuition, dass phänomenale Erfahrungen etwas Besonderes sind, mit dem physikalistischen Weltbild zu versöhnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische philosophische Untersuchung, die auf Gedankenexperimenten und begrifflicher Analyse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst Jacksons Gedankenexperiment der Wissenschaftlerin Mary detailliert dargestellt und anschließend Loars Differenzierung zwischen Begriffen und physikalischen Eigenschaften als Gegenargument analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen das Knowledge Argument, Qualia, Physikalismus, Gegebenheitsbeschreibungen und die erste-Person-Perspektive.
Wie entkräftet Loar die Prämisse von Marys neuem Wissen?
Loar argumentiert, dass Mary keine neuen Fakten über die Welt lernt, sondern lediglich einen neuen Begriff für eine Eigenschaft erwirbt, die sie physikalisch bereits kannte.
Warum spielt die erste-Person-Perspektive eine entscheidende Rolle bei Loar?
Loar zufolge erfordert die Bildung phänomenaler Begriffe das tatsächliche Durchleben der Erfahrung, was diese Begriffe kognitiv von rein theoretischen, physikalischen Begriffen unterscheidet.
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- Marieke Jochimsen (Author), 2018, Was Mary nicht wußte. Frank Jacksons "Knowledge Argument" und Brain Loars Kritik daran, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/463070