Diese vorliegende Studie soll prüfen, ob die Maßnahme des kontrollierten Trinkens, flankiert durch andere Maßnahmen, zu einer Einschränkung der Trinkmenge und damit zu einer Schadensbegrenzung führt oder ob das Anstreben der Abstinenz das Ziel der Wahl bei der Alkoholentwöhnung ist.
Methodik: Auswertung von Studien anhand der Checkliste zur „Beurteilung einer Interventionsstudie“ der Universität Halle und vier Bias-Kriterien.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
1 Einleitung
2 Hintergründe
2.1 Verschiedene Arten des Trinkens: Abgrenzung der Begriffe
2.2 Geschichte des Konzepts des „kontrollierten Trinkens“
2.3 Leitende Forschungsfrage
3 Methode: Suchstrategie beim vorliegenden Survey
4 Ergebnisteil
4.1 US-amerikanische Veteranenstudie „VetChange“
4.2 Schwedische Zielkongruenz-Studie
4.3 Schweizer Therapieeffizienzstudie: Sekundäranalyse zum Zusammenhang von Trinkzielen, Alkoholkonsumgewohnheiten, Klientencharakteristika und Therapieergebnis
4.4 Schweizer Therapieeffizienzstudie: Sekundäranalyse zur Zielstabilität
5 Diskussion
6 Schlussfolgerungen für Praxis, Lehre, Forschung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit des „kontrollierten Trinkens“ (KT) als alternative oder ergänzende Behandlungsstrategie zur Abstinenz bei Alkoholabhängigkeit. Ziel ist es, anhand einer systematischen Auswertung aktueller Studien zu prüfen, inwieweit die individuelle Wahl und Stabilität von Trinkzielen den Therapieerfolg beeinflusst und ob das Konzept in stationären Pflegeeinrichtungen Anwendung finden kann.
- Konzeptuelle Abgrenzung von Trinkformen und -zielen
- Evaluation internationaler Studien zu Trinkzielen und deren Therapieeffekt
- Methodische Qualitätssicherung bei der Untersuchung von Suchtinterventionen
- Potenziale und Grenzen des kontrollierten bzw. betreuten Trinkens in der Altenpflege
Auszug aus dem Buch
2.2 Geschichte des Konzepts des „kontrollierten Trinkens“
Ohne es wirklich zu beabsichtigen, löste der Dekan des Instituts für Psychiatrie des Maudsley Hospitals in London David Lewis Davies mit seinem Artikel „Normal Drinking in Recovered Alcohol Addicts“ im Jahre 1962 eine große Wirkung aus. Er hatte in diesem Artikel sieben Fälle von Männern beschrieben, die sieben bis elf Jahre zuvor eine zwei- bis fünfmonatige Alkoholentwöhnungsbehandlung in oben genannter Psychiatrie absolviert hatten und nach der Entlassung zum „normalen Trinken“ - angeblich - zurückgekehrt waren. Mit dieser vermeintlichen Erkenntnis, dass ehemalige Suchtkranke eines Tages ohne fremde Hilfestellung wieder ganz normal Alkohol konsumieren können wie jede/r andere x-beliebige Mitbürger/in, forderte Davies nicht nur einen „medical consensus“ (Edwards 1994, 249) heraus, sondern ebenso die zentrale Idee der US-amerikanischen Antialkoholismus-Bewegung, dass man nur durch Abstinenz von der Alkoholsucht befreit werden könne (vgl. Edwards 1994, 249).
Mit oben genanntem Artikel erreichte Davies „one of the highest citation scores of any contribution to the alcoholism literature“ (Edwards 1994, 249). Der aber trotz der großen Resonanz auf die Leitideen bei der Alkoholentwöhnung unwirksam blieb, da weder die Auffassung des amerikanischen Establishments, das Alkoholismus eine Krankheit sei, noch die Alkoholentwöhnungsprogramme sich daraufhin änderten; ebenfalls unberührt von Davies‘ Erkenntnissen blieben die Glaubensstrukturen der Anonymen Alkoholiker (vgl. Edwards 1994, 249).
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Die Arbeit beleuchtet die Debatte um Abstinenz versus kontrolliertes Trinken und bewertet aktuelle Studien zu diesem Thema.
1 Einleitung: Es wird die Relevanz der Alkoholsuchtproblematik, insbesondere im pflegerischen Kontext, sowie die aktuelle Forschungslücke zur Rolle des kontrollierten Trinkens beschrieben.
2 Hintergründe: Dieses Kapitel differenziert Begriffe wie moderates, soziales und selbstkontrolliertes Trinken und skizziert die historische Entwicklung des Konzepts.
3 Methode: Suchstrategie beim vorliegenden Survey: Die Autorin legt die Kriterien und den Prozess der Literaturrecherche über die Datenbank Medline dar.
4 Ergebnisteil: Hier werden vier spezifische Studien (VetChange, Schwedische Zielkongruenz-Studie sowie zwei Schweizer Analysen) detailliert ausgewertet und hinsichtlich ihrer Ergebnisse diskutiert.
5 Diskussion: Es findet eine kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Qualität der Studien und der ethischen Kontroverse um das kontrollierte Trinken statt.
6 Schlussfolgerungen für Praxis, Lehre, Forschung: Das Kapitel überträgt die Erkenntnisse auf die praktische Altenpflege, die Lehre und den Bedarf an zukünftiger Forschung.
Schlüsselwörter
kontrolliertes Trinken, Trinkziel, betreutes Trinken, Alkoholabhängigkeit, Suchttherapie, Abstinenz, Pflegewissenschaft, stationäre Altenpflege, Behandlungseffizienz, Sekundäranalyse, Schadensbegrenzung, Alkoholkonsum, Gesundheitsmanagement, Motivierende Interviewführung, Evidence-based Nursing
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept des „kontrollierten Trinkens“ als Behandlungsansatz für Alkoholsucht, insbesondere in Abgrenzung zum traditionellen Abstinenzgebot.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Flexibilität von Therapiezielen, die Bedeutung individueller Behandlungswünsche bei Suchtkranken und die Anwendbarkeit moderater Trinkkonzepte in stationären Pflegeeinrichtungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Einbeziehung des kontrollierten Trinkens zu einer besseren Schadensbegrenzung führt und wie sich die Wahl sowie Stabilität von Trinkzielen auf den Erfolg von Entwöhnungsprogrammen auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um einen Survey, bei dem ausgewählte Studien seit 2015 anhand einer Qualitätscheckliste der Universität Halle auf ihre Validität und Bias-Anfälligkeit geprüft wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil evaluiert vier spezifische Forschungsarbeiten, darunter die US-amerikanische „VetChange“-Studie sowie drei Analysen aus schwedischen und schweizerischen Langzeitprojekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind kontrolliertes Trinken, Trinkziel, betreutes Trinken, Abstinenz und die Anwendung in der stationären Altenpflege.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Pflege beim „betreuten Trinken“?
Die Arbeit betont, dass Pflegekräfte in Heimen eine zentrale, wenn auch bislang wissenschaftlich unterrepräsentierte Rolle spielen, da sie für die praktische Umsetzung und Überwachung des Trinkverhaltens verantwortlich sind.
Welche ethischen Bedenken werden bezüglich der untersuchten Studien geäußert?
Der Autor hinterfragt die ethische Vertretbarkeit von Interventionen, die das Risiko eines Rückfalls bergen könnten, und bemängelt die methodische Abhängigkeit von oft unzuverlässigen Selbstauskünften der Patienten ohne biologische Kontrollmarker.
- Quote paper
- Magister Artium Markus Hieber (Author), 2019, Review von Studien zu „controlled drinking“ & „drinking goal“. Februar 2015 bis Dezember 2018, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/462704