Der vorliegende Text beschreibt an zwei Beispielen (Mk. 2, 1-12; Joh.2, 1-12) die Unterscheidung zwischen dem historischen Jesus und dem erhöhten Christus.
Zum historischen Jesus gehören die Exzorzismen, dem erhöhten Christus werden die Naturwunder, die Totenauferweckung und die bekannten Brot- und die Weinvermehrung zugeordnet.
Zur Entstehung der Wundergeschichten ist zu vermerken, dass sie nach und nach in der Urgemeinde erzählt und zu einem späteren Zeitpunkt von den Evangelisten verschriftlicht wurden. Dabei flossen zusätzlich Impulse aus der religiösen Umwelt der Evangelisten mit ein.
Die Arbeit wendet sich zusätzlich an Interessierte, die die Wunderthematik im Berufsschulunterricht aufgreifen wollen und Basisinformationen benötigen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITENDE ÜBERLEGUNG
2. DEFINITIONEN DES WUNDERBEGRIFFS
3. WUNDERPARALLELEN IN DER ANTIKE
4. DIE WUNDERGLÄUBIGKEIT IN DER ENTWICKLUNG
4.1 Stufeneinteilung nach Fowler
5. DIE URCHRISTLICHEN WUNDERGATTUNGEN
6. MOTIVIK DER NEUTESTAMENTLICHEN WUNDERGESCHICHTEN
7. NEUTESTAMENTLICHE BEISPIELE FÜR WUNDERGESCHICHTEN
7.1 Die Heilung des Gelähmten (Mk. 2,1-12)
7.1.1 Einteilung der Motive
7.1.2 Exegetische Kernaussagen zu Mk. 2,1-12
7.2 Die Hochzeit zu Kana (Joh. 2,1-12)
7.2.1 Einteilung der Motive
7.2.2 Exegetische Kernaussagen
8. DIDAKTISCHE LEGITIMATION
9. UNTERRICHTSENTWURF ZUM THEMA: JESU HANDLUNGEN – EIN WUNDER?
9.1 Die Heilung des Gelähmten (Mk. 2, 1-12)
9.2 Unterrichtsentwurf zu: Hochzeit von Kana (Joh. 2, 1-12)
10. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den pädagogisch sinnvollen Einsatz neutestamentlicher Wundergeschichten im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen. Dabei wird analysiert, wie Wundertexte für eine junge Zielgruppe (16-20 Jahre) erschlossen werden können, um neben dem Verständnis der antiken Metaphorik eine lebenspraktische Bedeutung im Glauben zu ermöglichen.
- Definition und religionsgeschichtliche Einordnung des Wunderbegriffs
- Entwicklungsstufen der Wundergläubigkeit nach Fowler
- Klassifizierung urchristlicher Wundertypen und deren Motivik
- Exegetische Analyse der Wundergeschichten "Heilung des Gelähmten" und "Hochzeit zu Kana"
- Didaktische Konzeption und handlungsorientierte Unterrichtsplanung
Auszug aus dem Buch
Die Heilung des Gelähmten (Mk. 2,1-12)
21 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?
8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITENDE ÜBERLEGUNG: Der Autor stellt die Relevanz der Wunderthematik im Religionsunterricht für eine Berufsschulklasse dar und skizziert die Problematik, biblische Wunder in einer naturwissenschaftlich geprägten Umwelt zu vermitteln.
DEFINITIONEN DES WUNDERBEGRIFFS: Es erfolgt eine begriffliche Klärung anhand verschiedener Quellen, wobei der Schwerpunkt auf der Unterscheidung zwischen dem Zeichencharakter (hebräisch "ot") und dem verwundernden Geschehen liegt.
WUNDERPARALLELEN IN DER ANTIKE: Anhand antiker Beispiele wie Apollonius von Tyana wird aufgezeigt, dass Wundererzählungen typische Erzählmuster folgen, die weit über das Neue Testament hinausgehen.
DIE WUNDERGLÄUBIGKEIT IN DER ENTWICKLUNG: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der psychologischen Entwicklungsstufen nach Fowler, um Unterrichtsinhalte altersgerecht an das reflektierte Verständnis der Zielgruppe anzupassen.
DIE URCHRISTLICHEN WUNDERGATTUNGEN: Hier wird die Typologie nach Theißen eingeführt, die sechs Wundertypen (u.a. Exorzismen, Therapien, Geschenkwunder) zur systematischen Einordnung der Perikopen definiert.
MOTIVIK DER NEUTESTAMENTLICHEN WUNDERGESCHICHTEN: Es werden die vier Grundmotive (Einleitung, Exposition, zentrale Motive, Schluss) erläutert, die den Aufbau der neutestamentlichen Wunderberichte strukturieren.
NEUTESTAMENTLICHE BEISPIELE FÜR WUNDERGESCHICHTEN: Die Kapitel analysieren die "Heilung des Gelähmten" und die "Hochzeit zu Kana" exegetisch und leiten daraus Kernaussagen für die Zielgruppe ab.
DIDAKTISCHE LEGITIMATION: Die didaktische Einordnung betont die Notwendigkeit, Wunder als metaphorische Hoffnungsgeschichten zu verstehen, die auch Schülern anderer Konfessionen den Zugang zur christlichen Symbolwelt ermöglichen können.
UNTERRICHTSENTWURF ZUM THEMA: JESU HANDLUNGEN – EIN WUNDER?: Es werden zwei konkrete Unterrichtsverläufe vorgestellt, die durch Rollenspiele und Brainstorming eine handlungsorientierte Auseinandersetzung mit den Texten forcieren.
FAZIT: Die Arbeit fasst zusammen, dass Wundergeschichten nicht historisierend als Tatsachenberichte gelehrt werden sollten, sondern als bedeutsame Zeugnisse des Glaubens dienen, die Trost und Lebensfreude vermitteln können.
Schlüsselwörter
Wundergeschichten, Religionsunterricht, Didaktik, Exegese, Neutestamentliche Wunder, Theißen, Fowler, Symbolik, Metaphorik, Jesus, Glaube, Berufsschule, Offenbarung, Sündenvergebung, Zeichenhandlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung von neutestamentlichen Wundergeschichten im Religionsunterricht, insbesondere für die Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen an berufsbildenden Schulen.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen sinnvollen und legitimen Einsatz von Wundergeschichten im Religionsunterricht aufzuzeigen und Wege zu finden, wie Schüler diese Texte als Zeugnisse des Glaubens und als metaphorische Hilfe verstehen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die religionsgeschichtliche Definition von Wundern, die Typologie der Wundergattungen nach Theißen, die Altersstufen der Wundergläubigkeit nach Fowler sowie die didaktische Umsetzung in Unterrichtsentwürfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine exegetische Analyse der ausgewählten Perikopen in Verbindung mit didaktischen und religionspädagogischen Konzepten, um die Texte für die Lebenswirklichkeit der Schüler zu erschließen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung (Definitionen, Motivik, Gattungen) sowie die konkrete exegetische Auslegung der "Heilung des Gelähmten" und der "Hochzeit zu Kana" inklusive der zugehörigen Unterrichtsentwürfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wundergeschichten, Religionsdidaktik, exegetische Kernaussagen, Symbolik, Metaphorik und das Verständnis von Zeichenhandlungen.
Wie unterscheidet sich die Interpretation der "Hochzeit zu Kana" von einem historischen Wunderverständnis?
Die Arbeit betont, dass das Wasser-zu-Wein-Wunder nicht als historisch-biologisches Ereignis gelehrt werden sollte, da dies bei jungen Erwachsenen auf Ablehnung stoßen könnte; stattdessen steht die symbolische Bedeutung der Offenbarung göttlicher Herrlichkeit im Vordergrund.
Welche Rolle spielt die Heterogenität der Klasse im Religionsunterricht?
Der Autor geht davon aus, dass auch Schüler nichtchristlicher Konfessionen am Unterricht teilnehmen, und schlägt vor, die Wundergeschichten primär auf literarischer und metaphorischer Ebene zu behandeln, um so auch diese Schülergruppe zu erreichen.
Warum wird die Typologie nach Theißen gegenüber Bultmann bevorzugt?
Die Klassifikation nach Theißen wird als moderneres und differenzierteres Ordnungskriterium angesehen, das die Wundergeschichten besser in die damalige antike Umwelt und den spezifischen biblischen Kontext einordnet.
- Quote paper
- Bernd Kasper (Author), 2005, Neutestamentliche Wundergeschichten im Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/46269