Im Bereich der Schulmusik wird immer wieder über die Professionalisierung des Musiklehrers an Schulen gesprochen und debattiert. Nun stellt sich die Frage, inwieweit angehende Musiklehrer in ihrer Ausbildung eine Expertise erwerben und ob diese zu einer Professionalisierung ihres zukünftigen Berufs führt. Diese Frage wird in dieser Hausarbeit bearbeitet.
Spitzensportler, Schachmeister, Gourmetköche, Gesundheits- und Wirtschaftsminister, Finanzberater und Musiker verbindet ein gemeinsamer Begriff: Die Expertise. Obwohl sich dieser Begriff meist auf den Wissenschafts- und Sachverständigenbereich beschränkt, also auf reine kognitive Wissensleistungen, muss die Expertise breiter definiert werden. Sie bedeutet nämlich auch, dass intensive Übungsphasen zu spezialisierten Höchstleistungen führen, und dies nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sondern unter anderem auch auf psychomotorischer. Somit können auch Spitzensportler, wie Fußballer oder Schwimmer, aber auch Menschen aus anderen Bereichen, wie der Kunst, als Experten bezeichnet werden. Sie alle kennen sich in ihrem Spezialgebiet bestens aus und nutzen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten meist auf professioneller Ebene und verdienen somit ihren Lebensunterhalt.
Die Arbeit wird zunächst die drei großen Bereiche des Musikstudiums und das damit verbundene Ausmaß der Kompetenzen, die der Student durch den Erwerb von Expertise während des Studiums zu erfüllen hat, näher beleuchten. Anschließend wird die Eignungsprüfung zum Musikstudium dargestellt, da diese schon in ihrem Aufbau Bereiche des zukünftigen Studiums und die damit verbundene Expertise beinhaltet.
Dann wird die Verteilung der Studieninhalte im Hinblick auf die Erwartungen an einen professionellen Musiklehrer betrachtet, um die Schwerpunkte der Expertise darstellen zu können. Hierfür soll zunächst auf die Problematik der verschiedenen Berufsrollenidentitäten eingegangen werden, warum sich angehende Studenten für ein Musikstudium entscheiden und welche beruflichen Aussichten sie sich dadurch versprechen. Auch die fehlende pädagogische Praxis soll näher beleuchtet werden. In Bezug darauf gehe ich auf die damit verbundenen Konsequenzen im Schulalltag des Musiklehrers ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Erwartungen an den „perfekten“ Musiklehrer
3. Die Eignungsprüfung
4. Worauf zielt die Expertise angesichts der Studieninhalte ab?
5. Die Konsequenzen der ungleich verteilten Expertise
5.1 Das Problem der Berufsrollenidentität im Musikstudium
5.2 Zu wenig pädagogische Praxis
5.3 Musiklehrer vs. Realität des Schulalltags
6. Verbesserungsvorschläge
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die im Musikstudium erworbene Expertise zur Professionalisierung des Musiklehrerberufs beiträgt. Dabei steht die kritische Analyse der Gewichtung zwischen künstlerischer Praxis, musikwissenschaftlicher Theorie und pädagogischer Ausbildung im Fokus der Forschungsfrage.
- Analyse der Kompetenzverteilung im Musikstudium
- Evaluation der Eignungsprüfung als Weichensteller für Berufsrollen
- Untersuchung der Berufsrollenidentität bei Musikstudierenden
- Identifikation der Diskrepanz zwischen Studium und schulischem Alltag
- Entwicklung von Reformvorschlägen zur Steigerung der Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
5.1 Das Problem der Berufsrollenidentität im Musikstudium
Die dominante Gewichtung der Expertise auf den Bereich der reinen Musikpraxis löst eine verheerende Konsequenz innerhalb des Musikstudiums aus. Diese Konsequenz erfasste Christer Bouij (2000), tätig an der Musikhochschule der Universität Örebro in Schweden, in seiner Untersuchung, die sich unter anderem mit den Beweggründen von Studenten, ein Musikstudium zu beginnen, befasst. Hierzu befragte er zahlreiche Studenten aus den verschiedensten Ausbildungsbereichen, wie der des Grundschullehrers, des Gymnasiallehrers sowie des freiwilligen Musikunterrichts im Bereich Instrumental und Ensemble. Sein Ziel war herauszufinden, welche Prozesse oder Faktoren innerhalb des Studiums die jeweilige Sichtweise über die eigene Berufsrollenidentität bedingen. So entwickelte er im Laufe der Studie und nach zahlreichen Umfragen ein Schema, welches die verschiedenen Rollenidentitäten der Studenten in der Musiklehrerausbildung repräsentieren sollte:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Begriff der Expertise ein und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der Professionalisierung angehender Musiklehrer während ihres Studiums.
2. Die Erwartungen an den „perfekten“ Musiklehrer: Dieses Kapitel analysiert die offiziellen Anforderungen an Musiklehrer und unterteilt das Studium in die Bereiche Musikpraxis, Musikwissenschaft und Musikpädagogik.
3. Die Eignungsprüfung: Es wird dargestellt, dass die Eignungsprüfung primär auf künstlerische Fertigkeiten fokussiert und pädagogische Aspekte weitgehend vernachlässigt.
4. Worauf zielt die Expertise angesichts der Studieninhalte ab?: Eine quantitative Analyse der Veranstaltungsmodule zeigt eine deutliche Übergewichtung der musikalisch-künstlerischen Praxis gegenüber anderen Studienbereichen.
5. Die Konsequenzen der ungleich verteilten Expertise: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die Identitätsprobleme der Studierenden, das Defizit an pädagogischer Praxis und die daraus resultierenden Schwierigkeiten im späteren Schulalltag.
6. Verbesserungsvorschläge: Es werden Reformansätze für die Eignungsprüfung und eine stärkere Integration von Orientierungspraktika zur besseren Professionalisierung diskutiert.
7. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das aktuelle Studium zu sehr auf eine reine Musiker- statt auf eine Musiklehrerausbildung abzielt und fordert eine Neugewichtung der Expertise.
Schlüsselwörter
Musikstudium, Musiklehrer, Expertise, Professionalisierung, Berufsrollenidentität, Musikpraxis, Musikpädagogik, Musikwissenschaft, Eignungsprüfung, Lehrerbildung, Schulpraxis, Kompetenzentwicklung, Studieninhalte, Schulalltag, Musiklehrerausbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Struktur des Musikstudiums an deutschen Hochschulen und analysiert, ob die dort vermittelte „Expertise“ tatsächlich auf eine professionelle Vorbereitung für den Musiklehrerberuf ausgerichtet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gewichtung von künstlerischer Praxis, musikwissenschaftlicher Theorie und pädagogischen Inhalten sowie deren Auswirkungen auf die Berufsidentität der Studierenden.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass der aktuelle Fokus auf musikalische Höchstleistungen zu einer Vernachlässigung pädagogischer Kernkompetenzen führt, was die Professionalisierung des Berufsstandes behindert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Studienordnungen, Fächervorgaben des Ministeriums sowie die Auswertung relevanter empirischer Studien zur Lehrerbildung.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Diskrepanz zwischen Studieninhalten und schulischen Anforderungen, inklusive des Problems der Berufsrollenidentität und des sogenannten Praxisschocks im Referendariat.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Konzepte sind Musiklehrerausbildung, Expertise, Berufsrollenidentität, Kompetenzbereiche und Professionalisierung.
Wie unterscheidet sich die Rolle des „inhaltsorientierten Lehrers“ von anderen Typen?
Dieser Typus fokussiert sich stärker auf die Beherrschung des Faches (z. B. Instrumentalausbildung) und arbeitet eher praxisorientiert, während der schülerorientierte Lehrer die pädagogische Beziehungsarbeit in den Vordergrund stellt.
Welche Rolle spielt die Eignungsprüfung bei der späteren Berufsentscheidung?
Die Prüfung fungiert als Filter, der durch seinen Fokus auf künstlerische Virtuosität eher Musiker als pädagogisch motivierte Lehrkräfte anzieht, was das spätere Berufsverständnis maßgeblich beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Daniel Behner (Autor:in), 2011, Zielt die Expertise im Schulmusikstudium auf eine Professionalisierung des Musiklehrers ab?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/461262