Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu erläutern, wie motivierende Gesprächsfühurng (MI) sinnvoll in Beratungssituationen mit Menschen funktionieren kann, die einen problematischen Alkoholkonsum vorweisen.
Der Alkoholkonsum ist tief in der Historie der Menschheit verankert. Um sich der Relevanz dieses Themas bewusst zu werden, wird zunächst in Kapitel 2 eine kleine historische Einordnung vorgenommen, in der der Umgang mit Alkohol vom Mittelalter bis in das heutige 21. Jahrhundert skizziert wird. Wurde früher alltäglicher Alkoholkonsum als normal angesehen, so wurde dieser folgend im 18. Jahrhundert verachtet und wird mittlerweile als krankhafte Abhängigkeit angesehen. Ebenfalls ist es für die beratende Person wichtig, ein Grundwissen über die Diagnosen zu besitzen, die in Kapitel 3 beschrieben werden. Dies befugt den/die Berater*in, den/die Klient*in professionell einschätzen zu können, ohne ihn/sie zu stigmatisieren. Ein richtiges Maß ist hierbei angebracht.
In Kapitel 4 wird das Konzept der motivierenden Gesprächsführung erläutert. Hierbei wird in Kapitel 4.2 die Grundhaltung, der sogenannte „Spirit“, vorgestellt. Ohne die Verinnerlichung der Grundhaltung von motivierender Gesprächsführung ist die Anwendung von Prinzipien oder Strategien, die in den Kapiteln 4.3 und 4.4 vorgestellt werden, nahezu sinnlos. Letztendlich wird in Kapitel 5 all das Wissen zusammengebracht, indem praktische Beispiele genannt werden, wie man die motivierende Gesprächsführung sinnvoll in Beratungssituationen mit Menschen mit problematischem Alkoholkonsum nutzen kann. Die Formulierung „problematischer Alkoholkonsum“ wird hier wissentlich gewählt, da weder ausschließlich alkoholabhängige Menschen, noch ausschließlich Menschen mit schädigendem Alkoholkonsum integriert werden soll. Diese Bezeichnung ist deshalb keinesfalls stigmatisierend gemeint, sie soll lediglich die Bandbreite an Beratungsgründen miteinschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Umgang mit Alkohol(-abhängigkeit) - eine historische Einordnung
3. Diagnosen nach ICD-10
4. Das Konzept der motivierenden Gesprächsführung
4.1 Grundlegendes
4.2 Grundhaltung und „Spirit“
4.2.1 Kooperation/ Partnerschaftlichkeit
4.2.2 Evokation
4.2.3 Autonomie
4.3 Die Prinzipien der motivierenden Gesprächsführung
4.3.1 Empathie ausdrücken
4.3.2 Diskrepanzen entwickeln
4.3.3 Widerstand aufgreifen
4.3.4 Selbstwirksamkeit fördern
4.4 Die Strategien der motivierenden Gesprächsführung
4.4.1 Offene Fragen
4.4.2 Aktives Zuhören
4.4.3 Bestätigen
4.4.4 Zusammenfassen
5. Anwendung von MI in der Praxis mit Menschen mit problematischen Alkoholkonsum
5.1 Einleitende Worte
5.2 Anwendung in der Praxis
5.2.1 Phase 1: Motivation zur Veränderung aufbauen
5.2.2 Phase 2: Selbstverpflichtung zur Veränderung stärken
5.3 Grenzen in der Anwendung von MI
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel zu erläutern, wie das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung (MI) sinnvoll und klientenzentriert in der Beratung von Menschen mit problematischem Alkoholkonsum angewendet werden kann, um deren intrinsische Motivation zur Veränderung zu fördern.
- Grundlagen und historischer Umgang mit Alkohol und Abhängigkeit
- Klinische Einordnung nach ICD-10
- Die Grundhaltung („Spirit“) und Prinzipien der MI
- Praktische Strategien zur Motivationsförderung und zum Umgang mit Widerstand
- Phasenmodell der Beratung: Vom Motivationsaufbau zur Selbstverpflichtung
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Aktives Zuhören
Aktives Zuhören, oder auch reflektierendes Zuhören genannt, kann verwendet werden, um Empathie zu vermitteln und zu überprüfen, ob man die Bedeutung der Aussagen des/der Klient*in richtig verstanden hat (vgl. Naar-King/Suarez 2012: 46). Demensprechend hört der/die Berater*in dem/der Klient*in aufmerksam zu und versucht, verschlüsselte Aussagen zu entschlüsseln und anschließend wiederzugeben (vgl. Batin/Häring 2003: 53). Bestenfalls wird der/die Klient*in ermutigt, mehr zu erzählen (ebd.). Um den Veränderungsprozess zu unterstützen, kann es hilfreich sein, wenn der/die Berater*in selbstmotiverende Aussagen stärker reflektiert (ebd.).
Unterschieden werden kann laut Naar-King und Suarez (2012: 47f) in einfaches und komplexes Reflektieren. Beim einfachen Reflektieren wiederholt oder paraphrasiert der/die Berater*in die Aussagen des/der Klient*in. Wenn zu viel einfache Wiederholung stattfindet, kann dies Widerstand auslösen, da sich der/die Klient*in eventuell nicht ernst genommen fühlt. Das komplexe Reflektieren kann in mehrere Arten unterschieden werden. Beispielsweise kann der/die Berater*in die entschlüsselte, wahre Bedeutung der Aussage des/der Klient*in widerspiegeln. Eine andere Art wäre es, die Ambivalenz zu spiegeln, um Diskrepanzen aufzuzeigen, die bereits in Kapitel „4.3.2 Diskrepanzen entwickeln“ angesprochen wurden. Hier werden beide Seiten der Veränderung reflektiert. Wichtig ist hierbei, dass die beratende Person beide Seiten wertlos und respektvoll aufnimmt, gleichzeitig jedoch mit der positiven, zur Veränderung neigenden Seite aufhört, um den Fokus auf die Veränderung zu setzen. Außerdem kann der/die Berater*in die Gefühle des/der Klient*in spiegeln. Das bedeutet, dass der/die Berater*in die wahrgenommenen, direkt oder indirekt beschriebenen, Gefühle spiegelt, sodass der/die Klient*in entscheiden kann, ob er/sie die Aussage annehmen oder korrigieren möchte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz einer professionellen Gesprächsführung im sozialen Bereich dar und führt in das Konzept der motivierenden Gesprächsführung bei Menschen mit problematischem Alkoholkonsum ein.
2. Umgang mit Alkohol(-abhängigkeit) - eine historische Einordnung: Dieses Kapitel skizziert den Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Alkohol vom Mittelalter bis in das 21. Jahrhundert, vom alltäglichen Grundnahrungsmittel hin zur krankhaften Abhängigkeit.
3. Diagnosen nach ICD-10: Hier werden die diagnostischen Grundlagen nach ICD-10 vorgestellt, insbesondere die Einordnung von psychischen Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen wie Alkohol.
4. Das Konzept der motivierenden Gesprächsführung: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament der MI, den „Spirit“, die zentralen Prinzipien sowie die spezifischen Strategien für die Beratungsarbeit.
5. Anwendung von MI in der Praxis mit Menschen mit problematischen Alkoholkonsum: Hier wird der Transfer der theoretischen Prinzipien in die praktische Beratungssituation vollzogen, unterteilt in Phasen der Motivation und Selbstverpflichtung, sowie die Grenzen des Konzepts beleuchtet.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der motivierenden Gesprächsführung als klientenzentriertes, flexibles Konzept zusammen und betont die Notwendigkeit von Übung und Reflexion für die Anwendung im Arbeitsalltag.
Schlüsselwörter
Motivierende Gesprächsführung, MI, Sozialarbeit, Alkoholkonsum, Abhängigkeit, Klientenzentriertheit, Ambivalenz, Veränderungsbereitschaft, Beratungspraxis, Aktives Zuhören, Selbstwirksamkeit, Widerstand, Change-Talk, Selbstverpflichtung, Suchtberatung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Anwendung der Motivierenden Gesprächsführung (MI) als professionelle Beratungsmethode für Sozialarbeiter*innen im Kontakt mit Menschen, die einen problematischen Alkoholkonsum aufweisen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit umfasst historische Aspekte des Alkoholkonsums, diagnostische Grundlagen nach ICD-10, die theoretischen Konzepte, Prinzipien und Strategien der MI sowie deren praktische Implementierung und Grenzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erläutern, wie MI als klientenzentrierter Ansatz sinnvoll genutzt werden kann, um bei Menschen mit Alkoholproblemen die intrinsische Motivation zur Veränderung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literarische Ausarbeitung, die fachliche Konzepte, psychologische Grundlagen und Beratungsmethoden auf Basis der einschlägigen Fachliteratur für die Praxis der Sozialen Arbeit aufbereitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von MI (Grundhaltung, Prinzipien, Strategien) und deren konkrete Anwendung in Beratungsphasen, inklusive eines Abschnitts zu den Grenzen der Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Motivierende Gesprächsführung, Klientenzentriertheit, Ambivalenz, Veränderungsbereitschaft, Selbstwirksamkeit und der konstruktive Umgang mit Widerständen in der Beratung.
Welche Bedeutung kommt dem „Spirit“ in der MI zu?
Die Grundhaltung oder der „Spirit“ bildet das notwendige Fundament der MI. Ohne diese kooperative, auf Partnerschaftlichkeit, Evokation und Autonomie basierende Haltung ist die Anwendung der einzelnen Strategien laut der Autorin nahezu sinnlos.
Wann sollte von der Anwendung der MI abgesehen werden?
Die Anwendung ist nicht ratsam, wenn akuter Zeitdruck besteht, die Person offensichtlich alkoholisiert oder aufgrund von kognitiven Einschränkungen oder Suizidalität nicht in der Lage ist, ein zielgerichtetes Beratungsgespräch zu führen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Das Konzept der motivierenden Gesprächsführung im Umgang mit Menschen mit problematischen Alkoholkonsum, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/459971