Die vorliegende Arbeit hat den Anspruch Erving Goffman’s Aufsätze "Techniken der Imagepflege – Eine Analyse ritueller Elemente" in sozialer Interaktion und "Über Ehrerbietung und Benehmen", welche beide in Deutschland erstmals 1971 in "Interaktionsrituale – Über Verhalten in direkter Kommunikation" erschienen sind, inhaltlich zu rekonstruieren.
Als erstes werde ich Goffman’s Forschungsprogramm kurz darstellen, um sowohl seinen Gegenstandsbereich zu definieren, als auch den Kontext, in dem sich seine Arbeiten bewegen, zu skizzieren. Im Anschluss daran werden die beiden Aufsätze hermeneutisch rekonstruiert und es werden einige zentrale Begriffe näher erläutert. Daran anknüpfend werden die zentralen Probleme, die Goffman in seinen Ausführungen behandelt, identifiziert, um sich abschließend den sich daraus ergebenden Folgeproblemen, im Zuge einer Schlussbetrachtung, zu widmen.
Inhaltsverzeichnis
1) Goffman’s Forschungsprogramm
2) Techniken der Imagepflege
a. Hermeneutische Rekonstruktion
b. Problemidentifikation und Zusammenfassung
3) Über Ehrerbietung und Benehmen
a. Hermeneutische Rekonstruktion
b. Problemidentifikation und Zusammenfassung
4) Folgeprobleme und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert inhaltlich die Aufsätze "Techniken der Imagepflege" und "Über Ehrerbietung und Benehmen" von Erving Goffman, um das zugrundeliegende Forschungsprogramm und die Mechanismen sozialer Interaktion zu verdeutlichen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei das Grundmodell des Handelnden sowie die Frage, wie durch normative Ordnungen und Rituale eine erfolgreiche Interaktion in sozialen Systemen möglich wird.
- Analyse des goffmanschen Forschungsprogramms zur Interaktionsordnung
- Rekonstruktion der Techniken zur Imagepflege in sozialen Situationen
- Untersuchung von Ehrerbietung und Benehmen als rituelle Handlungen
- Erörterung des Konzepts der "expressiven Ordnung" und des zeremoniellen Kodex
- Übertragung der theoretischen Thesen auf moderne Phänomene der sozialen Medien
Auszug aus dem Buch
i. Das Image
In einer Welt sozialer Beziehungen treten Menschen in direkten oder indirekten Kontakt miteinander und machen dabei, ob bewusst oder unbewusst, von einer bestimmten Strategie in ihrem Verhalten Gebrauch und bringen damit ihre Beurteilung der Situation, die Einschätzung der anderen Teilnehmenden und eine Einschätzung von sich selbst zum Ausdruck (Goffman 1971: 10). Die Einschätzung, die durch ein bestimmtes Verhalten eines Teilnehmers/einer Teilnehmerin zum Ausdruck gebracht wird, ermöglicht es anderen Teilnehmenden wiederum ihr Verhalten und ihre Einschätzungen entsprechend zu regulieren und anzupassen. Das Image definiert Goffman als den positiven sozialen Wert, den jemand für sich durch die gewählte Verhaltensstrategie erwirbt und von der die anderen annehmen, sie werde in einer bestimmten Interaktion verfolgt. Das Image ist somit ein Selbstbild, welches auf eine bestimmte Art und Weise präsentiert wird und das von anderen übernommen werden kann (ebd.).
Das Image steht in engem Zusammenhang zu den Emotionen eines Individuums: Wird das Image bestätigt, dann ruft dies in der Regel Gefühle von Vertrauen und Sicherheit hervor und es ist wahrscheinlich, dass diese Bestätigung in offenem und unbefangenem Verhalten anderen Personen gegenüber resultiert, was allerdings ebenfalls der Fall ist, wenn das Image nicht stimmig ist, dieser Sachverhalt aber erfolgreich verborgen wird (Goffman 1971: 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Goffman’s Forschungsprogramm: Dieses Kapitel definiert die direkte Interaktion als eigenständigen Gegenstandsbereich und erläutert die normative Ordnung sowie das "Grundmodell des Handelnden".
2) Techniken der Imagepflege: Der Abschnitt analysiert die Praktiken zur Wahrung des Images bei sozialen Zwischenfällen, einschließlich des Vermeidungs- und des korrektiven Prozesses.
3) Über Ehrerbietung und Benehmen: Hier wird der zeremonielle Kodex untersucht, wobei Ehrerbietung und Benehmen als komplementäre Elemente zur Bestätigung der sozialen Heiligkeit des Individuums dargestellt werden.
4) Folgeprobleme und Schlussbetrachtung: Das Kapitel diskutiert die Anwendbarkeit der Goffman-Thesen auf moderne digitale Räume wie soziale Netzwerke und reflektiert die Bedingtheit des Individuums durch normative Strukturen.
Schlüsselwörter
Erving Goffman, soziale Interaktion, Imagepflege, Ehrerbietung, Benehmen, expressive Ordnung, rituelles Gleichgewicht, Interaktionsrituale, Face-to-Face-Situationen, soziale Ordnung, Normativität, Selbstbild, zeremonieller Kodex, soziale Systeme, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der inhaltlichen Rekonstruktion zweier zentraler Aufsätze Erving Goffmans, um zu verstehen, wie soziale Interaktionen funktionieren und wie Individuen ihren sozialen Status wahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Mechanismen der Imagepflege, die Bedeutung von rituellen Handlungen, die Rolle von Verhaltensregeln sowie die Interaktionsordnung in sozialen Systemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, das von Goffman postulierte "Grundmodell des Handelnden" zu definieren und zu hinterfragen, wie Gesellschaft und erfolgreiche soziale Interaktion durch normative Regeln erst möglich werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Rekonstruktion, um die theoretischen Konzepte Goffmans systematisch zu erschließen und auf ihren Problemgehalt hin zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Forschungsprogramms, die detaillierte Analyse der Imagepflege-Techniken sowie die Untersuchung von Ehrerbietung und Benehmen als zeremonielle Handlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind soziale Interaktion, Imagepflege, expressive Ordnung, rituelles Gleichgewicht und Ehrerbietung.
Inwiefern spielt der "Zeremonielle Kodex" für Goffman eine Rolle?
Der zeremonielle Kodex (Etikette) bildet das Regelwerk, das festlegt, wie ein Individuum in einer Gesellschaft sein Image wahren und bestätigen muss, um als vollwertiges Mitglied anerkannt zu bleiben.
Wie überträgt der Autor die Theorien auf moderne soziale Medien?
Der Autor zeigt auf, dass das Posten von Inhalten zur Imagebildung sowie die Vergabe von "Likes" als Ehrerbietung moderne Entsprechungen der von Goffman beschriebenen Mechanismen darstellen.
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- Marco Tonioni (Author), 2017, Rekonstruktion von Erving Goffmans "Techniken der Imagepflege" und "Über Ehrerbietung und Benehmen", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/458057