Diese Arbeit vergleicht den Systemwandel in Libyen und Tunesien während des Arabischen Frühlings. Dabei untersucht es den Verlauf und Ausgang der Systemtransformation und wo die Staaten heute (2018) stehen und warum.
In den letzten Tagen und Wochen sind immer wieder Nachrichten über Unruhen in Tunesien im Internet zu lesen, welche hauptsächlich die wirtschaftliche Lage des Landes betreffen. Die Menschen demonstrieren gegen die schlechte wirtschaftliche Situation in ihrem Land und verlangen von der Regierung mehr Einsatz zur Bekämpfung der Armut. Gleichzeitig ist in den Nachrichten auch immer wieder zu lesen, dass die Bevölkerung mit der aktuellen Regierung im Großen und Ganzen recht zufrieden ist. Diese Regierung kam erst nach einer als Arabischer Frühling bekannt gewordenen Revolution zustande. Dieser Arabische Frühling ging im Dezember 2010 in Tunesien los und breitete sich sehr schnell nach Ost und West in fast ganz Nordafrika und weiter bis zur Arabischen Halbinsel aus. Mittlerweile sind diese Revolutionen bereits beendet, haben allerdings in den Arabischen Ländern unterschiedliche Ausgänge genommen. Gerade in Tunesien und seinem Nachbarn Libyen sind nach dem Arabischen Frühling zwei Welten entstanden, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während in Tunesien die Bevölkerung ihre politischen Ziele weitestgehend erreicht hat, ist Libyen tief gespalten. Zwei „Regierungen“ beanspruchen das gesamte Land für sich, und mittendrin sind kleinere private Milizen, die mit keiner der beiden Seiten kooperieren möchten und Teilgebiete für sich beanspruchen. Dieser starke Kontrast zwischen zwei Ländern, die darüber hinaus auch noch direkte Nachbarn sind, ist allgemein in gewisser Art und Weise faszinierend. Auch in politikwissenschaftlicher Hinsicht. Hierbei ist gerade der Weg von etablierten, mit Macht ausgestatteten Regierungen zu den beiden unterschiedlichen Situationen auf politischer Ebene sehr interessant. Dieser Weg und die Maßnahmen und Entscheidungen, die dabei getroffen wurden, stellen hierbei die zentralen Ziele von politikwissenschaftlichen Forschungsansätzen, um die Auswirkungen von Handlungen der Konfliktparteien zu verstehen und das Geschehene nachvollziehen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Transformationsforschung als Ansatz
3. Die politische Situation vor dem Arabischen Frühling
3.1 Tunesien vor der Revolution
3.2 Libyen vor der Revolution
4. Der Arabischen Frühling und seine Folgen
4.1 Tunesien in der Revolution & wesentliche Änderungen
4.2 Libyen in der Revolution & wesentliche Änderungen
5. Wirtschaft in Tunesien und Libyen im Vergleich
5.1 Wirtschaftliche Lage & Entwicklung – Tunesien
5.2 Wirtschaftliche Lage & Entwicklung – Libyen
6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Verläufe der Revolutionen in Tunesien und Libyen im Zuge des Arabischen Frühlings. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum es in zwei benachbarten Ländern zu so stark kontrastierenden politischen Situationen kam und ob die wirtschaftliche Ausgangslage vor der Revolution einen kausalen Einfluss auf den jeweiligen Ausgang der Unruhen hatte.
- Politikwissenschaftliche Analyse von Systemtransformationen
- Vergleichende Untersuchung der politischen Situation vor und nach der Revolution in Tunesien und Libyen
- Analyse der wirtschaftlichen Entwicklungen und Handelsbilanzen in beiden Staaten
- Überprüfung der Hypothese zum Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Stärke und Revolutionserfolg
Auszug aus dem Buch
3.1 Tunesien vor der Revolution
Am 7. November 1987 wurde der damalige Premierminister Zine el-Abidine Ben Ali zum Präsidenten der Republik Tunesien gewählt. Bereits sein Vorgänger Habib Bourguiba „hatte sich auf Lebenszeit zum Präsidenten ernennen lassen“ (ben Salah 2011). Als eine erste Amtshandlung begrenzte er die Amtszeit des Präsidenten, sodass es nicht mehr möglich war, dieses Amt auf Lebenszeit auszuführen. Die Hoffnungen des Volkes, dass sich die Lage in Tunesien nun besserte, schien zuerst in Erfüllung zu gehen. In den ersten Jahren seiner ersten Amtszeit bekämpfte Ben Ali die Armut, baute ein Sozialversicherungssystem auf und verbesserte das Bildungswesen.6
Doch trotz dieser ersten positiven Schritte erweiterte Ben Ali nach und nach seine Macht und manifestierte dies schließlich im Jahre 2002 durch eine Verfassungsänderung. So wurde die ursprünglich von ihm auf drei Perioden verkürzte Amtszeit des Präsidenten wieder auf Lebenszeit erweitert, und auch die Gewaltenteilung wurde de facto aufgehoben. Er nahm nicht nur den Posten des Präsidenten, sondern auch den des Oberbefehlshabers der tunesischen Streitkräfte ein und war zugleich auch Chef seiner Partei, der Rassemblement Constitutionnel Démocratique (RCD). Auf diese Weise konnte er insgesamt 5 Perioden (á 5 Jahre) lang sein Amt als Präsident ausüben und das Land autokratisch regieren. Es gab eine Zensur sämtlicher Medien, und gegen Regierungskritiker wurde mit aller Härte vorgegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die unterschiedlichen Ausgangslagen in Tunesien und Libyen nach dem Arabischen Frühling und stellt die zentralen Forschungsfragen zur politischen Entwicklung sowie zur wirtschaftlichen Hypothese vor.
2. Transformationsforschung als Ansatz: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftlichen Grundlagen der Transformationsforschung ein und erklärt die verschiedenen Formen von Systemwechseln.
3. Die politische Situation vor dem Arabischen Frühling: Hier wird der politische Status quo unter den Herrschern Ben Ali in Tunesien und Gaddafi in Libyen vor Beginn der Unruhen 2010/2011 beschrieben.
4. Der Arabischen Frühling und seine Folgen: Dieses Kapitel analysiert den Verlauf der Revolutionen in beiden Ländern, die jeweiligen Ereignisse und die daraus resultierenden politischen Veränderungen.
5. Wirtschaft in Tunesien und Libyen im Vergleich: Die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder, inklusive BIP, Handelsbilanzen und Arbeitslosenquoten, wird in diesem Kapitel im Zeitverlauf gegenübergestellt.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die unterschiedlichen Revolutionsergebnisse zusammen und bewertet die eingangs aufgestellte Hypothese im Hinblick auf die ökonomische Ausgangslage der Staaten.
Schlüsselwörter
Arabischer Frühling, Tunesien, Libyen, Systemtransformation, Revolution, Ben Ali, Gaddafi, politische Stabilität, Wirtschaftsentwicklung, Handelsdefizit, Arbeitslosigkeit, Demokratisierung, Bürgerkrieg, Regierungswechsel, Transformationsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Entwicklungen, die Tunesien und Libyen nach den revolutionären Ereignissen des Arabischen Frühlings durchlaufen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die politikwissenschaftliche Transformationsforschung, die Analyse der politischen Machtstrukturen sowie einen detaillierten Vergleich der ökonomischen Kennzahlen beider Länder.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel besteht darin zu ergründen, warum sich Tunesien nach der Revolution stabilisierte, während Libyen in Chaos und Bürgerkrieg versank, sowie die Hypothese zum Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Ausgangslage und Revolutionserfolg zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt den Ansatz der Transformationsforschung, um die Systemwechsel in beiden Staaten systematisch zu erfassen und mittels Datenvergleichen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden die politische Ausgangssituation unter den jeweiligen autokratischen Herrschern, der Verlauf der Revolutionen selbst sowie die statistische Entwicklung der Volkswirtschaften vor und nach den Unruhen detailliert dokumentiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Arabischer Frühling, Systemtransformation, politische Stabilität, Handelsbilanz und Regimewandel beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Militärs in Tunesien und Libyen während der Umbrüche?
In Tunesien schritt das Militär erst spät und zögerlich ein, während in Libyen das Militär unmittelbar mit massiver Gewalt gegen die Rebellen vorging, was die Eskalation zum Bürgerkrieg maßgeblich befeuerte.
Warum konnte Tunesien laut dem Autor eher als Erfolg gewertet werden als Libyen?
Der Autor führt an, dass in Tunesien trotz wirtschaftlicher Probleme ein funktionsfähiges demokratisches System mit einer anerkannten Verfassung etabliert werden konnte, während Libyen aufgrund rivalisierender Milizen und paralleler Regierungsstrukturen keine einheitliche Staatsgewalt aufbauen konnte.
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- Mario Brause (Author), 2018, Entwicklung im Arabischen Frühling. Tunesien und Libyen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/458021