Diese Arbeit soll das Geschichtsbild des mittelalterlichen Historiographen Otto von Freising am Beispiel seines Berichtes über die Herrschaft der karolingischen Dynastie, enthalten in der Chronica sive historia de duabus civitatibus, verdeutlichen. Im ersten Kapitel wird zunächst in gegebener Kürze die Person Ottos von Freising insbesondere im Hinblick auf seine kirchliche und historiographische Arbeit dargestellt. Dabei soll sein Hauptwerk, die Chronik, hinsichtlich ihrer Struktur und ihres Inhalts dargestellt werden. Insbesondere seine heilsgeschichtlichen und Aussagen zu Macht und Herrschaft werden hier genauer betrachtet. Im Hauptteil der Arbeit wird Ottos Schilderung und Urteil über die karolingische Dynastie, enthalten im 5. Buch seiner Chronik, mit Bezugnahme auf Kapitel 2 dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Otto von Freising: Person und Werk
3. Beurteilung der Karolingerherrschaft in der Chronik
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert das Geschichtsbild des mittelalterlichen Chronisten Otto von Freising, insbesondere seine Deutung der karolingischen Dynastie innerhalb seines Hauptwerks, der Chronica sive historia de duabus civitatibus. Dabei wird untersucht, wie Otto historische Ereignisse als Ausdruck eines göttlichen Heilsplans interpretiert und inwieweit seine moralisch-pädagogische Zielsetzung seine Beurteilung weltlicher Herrscher prägt.
- Die historiographische Arbeitsweise und Weltsicht Ottos von Freising
- Die Zweistaatenlehre und das Konzept der civitas permixta
- Die Bedeutung der Begriffe translatio imperii und mutatio rerum
- Die Bewertung der Karolingerherrschaft anhand klassischer Kardinaltugenden
- Der Zusammenhang zwischen moralischem Verfall und dem Ende weltlicher Reiche
Auszug aus dem Buch
3. Beurteilung der Karolingerherrschaft in der Chronik
Wie zuvor beschrieben ist die translatio, das Übergehen der Herrschaft im Reich von einem Volk zum nächsten, eine der zentralen Ideen Ottos. Dieser Begriff hat jedoch für Otto zwei Bedeutungen. Während er beim Übergang der Herrschaft von den Franken auf die Langobarden sich auf die italienischen Kaiser also die Weltherrschaft beschränkt, steht am Beginn der karolingischen Herrschaft Pippin. Er unterscheidet also den Aufstieg eines Geschlechts zur Weltherrschaft von der mit dem Kaisertum verbundenen Translation. Der Königsherrschaft der Karolinger geht nach Otto von Freising eine von mannigfaltigen Problemen bestimmte Zeit im römischen Imperium voraus. Nicht nur belagerten Sarazenen drei Jahre lang Rom, zudem wurde das Reich regiert von dem gottlosen Kaiser Leo. Dessen Nachfolger Konstantin, der 742 den Kaiserthron erbte, stürzte das Reich noch tiefer in die Krise:
„Dieser übertraf in jeder Beziehung seinen Vater noch an Verworfenheit durch Zaubereien, blutige Opfer und Dämonenbeschwörungen; er ergab sich auch ungezügelter Schwelgerei und Ausschweifung und verfolgte die Kirche Gottes wie die Tyrannen des Altertums; er war so grausam und gottlos, dass man es als ein gerechtes Urteil Gottes ansehen muss, wenn jenes mächtige Reich wegen seiner und seines Vaters Verbrechen in Verfall geriet“ (Lammers/Schmidt 1960: 409).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung zur Darstellung des karolingischen Herrschaftsbildes in Ottos Chronik und führt in die strukturelle sowie heilsgeschichtliche Methodik des Autors ein.
2. Otto von Freising: Person und Werk: Dieses Kapitel behandelt die Biografie des Autors sowie die inhaltliche und theologische Konzeption seines Gesamtwerkes, inklusive der zentralen Konzepte wie der Zweistaatenlehre.
3. Beurteilung der Karolingerherrschaft in der Chronik: Hier wird detailliert analysiert, wie Otto die Dynastie der Karolinger bewertet, wobei er insbesondere auf den göttlichen Heilsplan und die moralische Eignung der Herrscher eingeht.
Schlüsselwörter
Otto von Freising, Chronica sive historia de duabus civitatibus, Karolinger, Geschichtstheologie, Translatio imperii, Mutatio rerum, Heilsgeschichte, Mittelalterliche Historiographie, Zweistaatenlehre, Civitas dei, Civitas terrena, Kardinaltugenden, Apokalyptik, Reichsteilung, Kaisertum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Geschichtsbild des Bischofs Otto von Freising und wie er die Herrschaft der karolingischen Dynastie in seinem chronikalischen Hauptwerk bewertet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Geschichtstheologie, das Wirken Gottes in der Historie, die Rolle von Macht und Herrschaft sowie die Deutung historischer Umbrüche durch den Autor.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit fragt danach, wie Otto von Freising die Herrschaft der Karolinger beurteilt und inwiefern diese Beurteilung von seiner apokalyptischen Weltsicht und seinem Verständnis von Tugend und Sündenfall geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine quellenkritische Analyse der Chronica sive historia de duabus civitatibus durchgeführt, wobei die Texte im Kontext zeitgenössischer theologischer und geschichtstheoretischer Literatur interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf das fünfte Buch der Chronik, in dem Otto den Aufstieg und Fall der Karolinger beschreibt und diese Ereignisse mit seinen geschichtstheologischen Grundsätzen in Verbindung bringt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wesentliche Begriffe sind die translatio imperii (Machtübertragung), die mutatio rerum (Unbeständigkeit der Welt) sowie das Konzept der civitas permixta.
Wie bewertet Otto von Freising die Rolle von Frauen in der karolingischen Politik?
Otto stellt die Einmischung von Frauen in die Politik, analog zum Sündenfall, als Quelle von List und Verrat dar, was zur Schwächung der Urteilskraft der Herrscher und zum Untergang von Reichen beigetragen habe.
Warum hält Otto das karolingische Teilungsrecht für problematisch?
Otto betrachtet das Teilungsprinzip als Zeichen der menschlichen Unbeständigkeit und Tugendlosigkeit; für ihn widerspricht es der erstrebten Einheit des Reiches unter göttlicher Führung.
- Arbeit zitieren
- MA Guido Maiwald (Autor:in), 2010, Otto von Freising und seine Beurteilung der karolingischen Dynastie in der "Chronica sive historia de duabus civitatibus", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/456310