Die Aufgabe der Polizei ist es, Gefahren von der Allgemeinheit oder dem Einzelnen abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit bedroht wird. Somit haben Polizeibeamte das Recht, die Schusswaffe als Mittel des unmittelbaren Zwangs einzusetzen.
Bevor man sich bei der Polizei bewirbt, sollte man sich mit den Pflichten und Aufgaben des Polizeiberufs auseinandersetzen, da unter anderem das Thema des Schusswaffengebrauchs eine große Rolle spielen wird. Unter dem Begriff der Schusswaffe versteht man alle Gegenstände, die zum Angriff oder zur Verteidigung bestimmt sind und bei denen Geschosse durch den Lauf getrieben werden. Insgesamt 12768 Schüsse wurden im Jahr 2016 in Deutschland abgegeben. Dadurch kam es zu 28 Verletzten und 11 Toten. Durch diese Zahlen wird deutlich, dass jeder Polizeibeamte in eine Situation gelangen kann, in der die Schusswaffe das einzige Mittel zur Abwehr einer Gefahr ist.
Jeden Tag werden viele Anforderungen an die Polizeibeamten gestellt, mit denen sie konfrontiert werden. Nicht selten stellen diese Konfrontationen eine extreme Stresssituation dar. Doch die Polizeibeamten sind gezwungen, damit umgehen zu können, um handlungsfähig zu bleiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ermächtigung zum Schusswaffengebrauch
3. Psychische Belastungen
3.1 Akute Belastungsreaktionen
3.2 Welche Phasen durchlebt eine Person beim Angriff um Leib und Leben?
3.3 Posttraumatische Belastungsstörung
4. Wie können posttraumatische Belastungsstörungen behandelt werden?
5. Wie werden posttraumatische Belastungsstörungen vorgebeugt?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die psychischen Auswirkungen des polizeilichen Schusswaffengebrauchs auf die Beamten und analysiert Möglichkeiten der Prävention sowie der psychologischen Behandlung. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Belastungssituationen während und nach einer Schussabgabe sowie die daraus resultierenden psychischen Gefährdungen wie die posttraumatische Belastungsstörung.
- Rechtliche Grundlagen und Ermächtigungsgrundlagen zum Schusswaffengebrauch
- Psychologische Belastungsreaktionen in Extremsituationen
- Die Phasen des Schusswaffeneinsatzes und ihre Folgen für den Organismus
- Therapeutische Ansätze und Strategien der präventiven psychologischen Betreuung
Auszug aus dem Buch
3.2 Welche Phasen durchlebt eine Person beim Angriff um Leib und Leben?
Die dreijährige Ausbildung zum/zur Polizeikommissar/in beinhaltet, wie oben bereits erwähnt, unter vielen Punkten auch den richtigen Umgang mit der Schusswaffe. Dieser wird in jedem Ausbildungsjahr für mehrere Wochen im LAFP in Selm trainiert. Doch da der Schusswaffengebrauch ausschließlich in einer Halle und auf Zielscheiben trainiert wird, ist es eine völlig neue, andere und extrem belastende Situation, wenn die Schusswaffe im realen Dienstalltag das einzige verbleibende Mittel zur Durchsetzung des staatlichen Willens ist. Doch welche Gedanken und Gefühle spielen sich bei einem Polizeibeamten in so einer Situation wirklich ab?
Insgesamt durchläuft die Person, die einen Angriff auf Leib und Leben durch den Schusswaffengebrauch abgewehrt hat, sechs Phasen.
Phase 1: Er erkennt, dass Schwierigkeiten auf ihn zukommen
Phase 2: Er nimmt seine eigene Verletzbarkeit wahr
Phase 3: Er erkennt, dass er etwas tun muss
Phase 4: Er will überleben
Phase 5: Er beginnt, auf den Angriff zu reagieren
Phase 6: Er handelt
Eine Entscheidung von der Schusswaffe Gebrauch zu machen, muss oft in Sekundenbruchteilen gefällt werden. Aus diesem Grund werden auch diese sechs Phasen dementsprechend bewältigt. In solch einer Situation werden die Nerven- und Hormonsysteme unseres Körpers schlagartig unspezifisch erregt, sie schlagen sozusagen Alarm, weil das, was auf uns an Wahrnehmungen und Empfindungen einwirkt, die Mechanismen der Informationsverarbeitung überfordert. Dadurch wird der Körper in einen Schockzustand versetzt und im Gehirn werden die Mechanismen einer koordinierten Handlungssteuerung blockiert. Für den Polizeibeamten kommt das ganze Geschehen unwirklich vor und die Situation erscheint für einen Moment wie angehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die polizeiliche Aufgabe der Gefahrenabwehr und erläutert die psychische Belastung, die mit dem Einsatz der Schusswaffe verbunden ist.
2. Die Ermächtigung zum Schusswaffengebrauch: Dieses Kapitel definiert die rechtlichen Voraussetzungen und Befugnisse für den polizeilichen Einsatz der Schusswaffe gemäß dem Polizeigesetz NRW.
3. Psychische Belastungen: Es werden die verschiedenen psychologischen Reaktionsebenen auf Stress sowie spezifische Störungsbilder wie die akute Belastungsreaktion und die PTBS erläutert.
4. Wie können posttraumatische Belastungsstörungen behandelt werden?: Dieses Kapitel beschreibt therapeutische Phasen und unterstützende Maßnahmen durch das soziale Umfeld und Vorgesetzte bei der Traumaverarbeitung.
5. Wie werden posttraumatische Belastungsstörungen vorgebeugt?: Hier werden präventive Strategien vorgestellt, insbesondere durch psychologische Betreuung und realistische Einsatzschulungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Problematik zusammen und betont die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels innerhalb der Polizei bezüglich des Umgangs mit psychischen Problemen.
Schlüsselwörter
Polizeiarbeit, Schusswaffengebrauch, psychische Belastung, Stress, Notfallpsychologie, akute Belastungsreaktion, Traumatisierung, PTBS, Trauma, Prävention, Einsatztraining, Bewältigungsstrategien, Schockzustand, psychische Gesundheit, Dienstfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychischen Belastungen, denen Polizeibeamte nach einem Schusswaffengebrauch ausgesetzt sind, und untersucht Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Polizeirecht beim Schusswaffengebrauch, die physiologischen und psychischen Stressreaktionen sowie die klinischen Aspekte der Traumatisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Polizeibeamte nach Extremsituationen präventiv unterstützt und bei der Traumaverarbeitung professionell begleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis psychologischer Fachliteratur und polizeirechtlicher Grundlagen die Zusammenhänge zwischen Einsatzbelastung und Traumafolgen darstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die rechtliche Einordnung, die Beschreibung der Stressphasen, die Erläuterung von Traumafolgestörungen sowie konkrete Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Schusswaffengebrauch, PTBS, psychische Belastung, Einsatztraining und Traumaverarbeitung.
Warum spielt der "Tunnelblick" im Einsatz eine so große Rolle?
Der Tunnelblick reduziert die Wahrnehmung bei Hochstress, was die Orientierung erschwert, aber gleichzeitig ein Zeichen für die extreme psychophysiologische Ausnahmesituation ist.
Warum ist das "Stigma" innerhalb der Polizei für die Heilung hinderlich?
Das veraltete Rollenbild von Stärke und Härte verhindert, dass Beamte frühzeitig fachpsychologische Hilfe in Anspruch nehmen, aus Angst, als schwach zu gelten.
- Arbeit zitieren
- Lena Keyzers (Autor:in), 2017, Psychische Belastungen nach einem Schusswaffengebrauch, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/456239