Inwiefern ist mit heutigen modernen Ermittlungsmethoden ein Durchbruch der antiquierten mafiösen Strukturen der sizilianischen Cola Nostra realisierbar um wesentliche Informationen über Zusammensetzung und Arbeitsweise zu erlangen, sodass Straftaten weiter eingedämmt werden können? Eine zentrale Methode zum Verständnis krimineller Strukturen, um weiterführend präventive Straftatverhütungsmaßnahmen anwenden zu können, ist eine Analyse der Organisation und Vernetzung mafiöser Strukturen. Schmid (2011) führt diesbezüglich aus, dass die Organisation von mafiösen Sozialverflechtungen und Handlungssystemen im Rahmen von Strukturanalysen ein sehr komplexes Feld ist und nur unter bestimmten Fragestellungen annähernd fassbar gemacht werden kann.
Für diese Arbeit wird zu Beginn ein allgemeiner netzwerkanalytischer Überblick zur sizilianischen Mafia generiert. Eine Konkretisierung des Untersuchungsgegenstands erfolgt in der Hinsicht, dass eine neuartige Netzwerkvisualisierungsmethode vorgestellt wird und ihre Verwendung im Rahmen der Kriminalprävention der Cosa Nostra geprüft werden soll. Demzufolge ergeben sich für den Bearbeitungsrahmen folgende zentrale Fragestellungen: Was kennzeichnet das Situated Organizational Mapping? Ist diese neue Netzwerkvisualisierungsmethode für die polizeiliche Kriminalprävention geeignet und inwiefern könnte sie zur Straftatverhütung im Rahmen der sizilianischen Cosa Nostra beitragen? Zur Beantwortung der dargestellten Fragen wird folgendes methodisches Vorgehen gewählt: Einleitend wird eine Betrachtung der sizilianischen Mafia im Kontext der Netzwerkforschung vorgenommen und netzwerktypische Kategorien an dieser organisierten Kriminalitätsform bewiesen. Diese Prüfung der theoretischen Merkmale eines Netzwerks anhand der sizilianischen Cosa Nostra ist erforderlich um die für den Einsatz der Methode des Situated Organizational Mappings notwendige Rahmenbedingung des Vorhandenseins eines Netzwerks erfüllen zu können. Anschließend wird das Situated Organizational Mapping als neue Methode der Netzwerkvisualisierung vorgestellt und wesentliche Merkmale aufgezeigt. Als hauptanalytischen Bearbeitungspunkt wird daran anknüpfend das Situated Organizational Mapping im Kontext der Kriminalprävention geprüft und dessen Tauglichkeit für die sizilianische Mafia bestimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die sizilianische Mafia im Rahmen der Netzwerkforschung
2.1 Zur Netzwerkforschung
2.2 Die organisierte Kriminalität als Netzwerk
2.3 Das Netzwerk der Cosa Nostra
3. Situated Organizational Mapping als Methode zur Netzwerkvisualisierung
3.1 Zum konzeptuellen Design des Dynamical Mappings
3.1.1 Geo Mapping
3.1.2 Actor Mapping
3.1.3 Dynamical Social Network Mapping
3.2 Situated Organizational Mapping als methodische Zusammenführung
4. Situated Organizational Mapping als Methode zur Kriminalprävention im Kontext der Cosa Nostra
4.1 Zur Kriminalprävention
4.2 Verwendung als neue Form des polizeilichen Wissensmanagements zur Kriminalprävention
4.3 Tauglichkeit im Rahmen der sizilianischen Cosa Nostra
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Methode des "Situated Organizational Mapping" als neues Instrument zur Kriminalprävention, speziell in Bezug auf die komplexe Struktur der sizilianischen Cosa Nostra. Ziel ist es zu analysieren, ob und inwiefern diese netzwerkanalytische Visualisierungsmethode polizeiliche Ermittlungsansätze und die Straftatverhütung in einem hochgradig vernetzten kriminellen Umfeld unterstützen kann.
- Grundlagen der Netzwerkforschung und Anwendung auf kriminelle Organisationen
- Methodische Darstellung des Situated Organizational Mappings (Geo, Actor, Dynamical Social Network Mapping)
- Kategorisierung der polizeilichen Kriminalprävention
- Analyse der Tauglichkeit visualisierungstechnischer Methoden im Kontext der Cosa Nostra
Auszug aus dem Buch
2.1 Zur Netzwerkforschung
Die Netzwerkforschung zeichnet sich grundsätzlich durch Dynamik und Heterogenität aus. Der dynamische Aspekt wird durch unterschiedliche Theorien bestimmt, die eine konkrete Zielsetzung anstreben und demnach keinen umfassenden Bearbeitungsanspruch besitzen. Als Beispiele sind in diesem Kontext strong ties vs. weak ties oder embeddedness zu nennen. Die Heterogenität wird durch verschiedene Forschungsstrategien erreicht, die Relationen, Positionen bzw. Knoten (strukturelle Äquivalenz) oder Gesamtnetzwerke (small world) untersuchen. Alle Forschungsstrategien verfolgen trotz unterschiedlicher Bearbeitungsschwerpunkte das gemeinsame Ziel, Netzwerkstrukturen und –dynamiken aufzuzeigen und zu erläutern. Zudem erscheint eine singuläre Fokussierung von Relationen oder Positionen ungeeignet, da Positionen unabhängig von Relationen nicht auftreten können (vgl. Stegbauer u. Häußling, 2010, S. 57). Es wird demzufolge ersichtlich, dass trotz unterschiedlicher Zielsetzungen, eine Analyse aller relevanten Komponenten im Kontext der Netzwerkforschung sinnvoll ist, da Positionen mit Relationen in einem sozialen Netzwerk zwingend zusammenhängen und ausschließlich gemeinsam untersucht werden können.
Wegmann und Zimmermann (2003) konkretisieren in ihrer Bestimmung des sozialen Netzwerks das enge Verhältnis von Positionen und Relationen. Ein soziales Netzwerk ist ein Gefüge „von sozialen Beziehungen, das als Ganzes betrachtet das Verhalten der verbundenen sozialen Einheiten beeinflusst und zur Interpretation dieses Verhaltens herangezogen werden kann“ (Wegmann u. Zimmermann, 2003, S. 250). Einzelne soziale Einheiten können in diesem Kontext Akteure wie Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen oder ganze Gesellschaften sein. Infolgedessen kann zusammenfassend festgestellt werden, dass Positionen und Relationen im Rahmen von Netzwerkanalysen ausschließlich simultan untersucht werden können und dass beide Faktoren einen reziproken Einfluss auf das jeweils andere Netzwerkelement haben. Zudem können einzelne Netzwerkelemente zur Verhaltensanalyse eines anderen Faktors genutzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der sizilianischen Mafia ein, präsentiert Kriminalitätsstatistiken und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Einsatzes moderner Visualisierungsmethoden.
2. Die sizilianische Mafia im Rahmen der Netzwerkforschung: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen der Netzwerkforschung und prüft, inwiefern die Cosa Nostra als kriminelles Netzwerk charakterisiert und somit Gegenstand netzwerkanalytischer Untersuchungen werden kann.
3. Situated Organizational Mapping als Methode zur Netzwerkvisualisierung: Hier wird die Methode des Situated Organizational Mappings als eine Zusammenführung von Geo-, Actor- und Dynamical Social Network Mapping detailliert vorgestellt und erläutert.
4. Situated Organizational Mapping als Methode zur Kriminalprävention im Kontext der Cosa Nostra: Dieses Kapitel prüft die Anwendbarkeit und den Nutzen des Situated Organizational Mappings als Instrument für polizeiliches Wissensmanagement und Kriminalprävention bei der sizilianischen Mafia.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die Methode zwar einen theoretischen Mehrwert bietet, ihre praktische Anwendung im hochkomplexen Umfeld der Cosa Nostra jedoch aufgrund der spezifischen internen Organisationsstruktur nur bedingt aussagekräftig ist.
Schlüsselwörter
Netzwerkforschung, Situated Organizational Mapping, Cosa Nostra, Sizilianische Mafia, Kriminalprävention, Netzwerkvisualisierung, Organisierte Kriminalität, Geo Mapping, Actor Mapping, Polizeiliches Wissensmanagement, Soziale Netzwerke, Kriminalitätsbekämpfung, Omertà, Täterprofiling, Dynamische Netzwerkanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, ob die netzwerkanalytische Methode des "Situated Organizational Mapping" ein geeignetes Instrument darstellt, um die Strukturen der sizilianischen Mafia besser zu verstehen und effektiv präventive polizeiliche Maßnahmen zu ergreifen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Netzwerkforschung, die methodischen Grundlagen des Situated Organizational Mappings, die Strukturen der Cosa Nostra sowie die verschiedenen Ansätze und Strategien der polizeilichen Kriminalprävention.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, die Tauglichkeit einer speziellen Visualisierungsmethode für die Arbeit gegen organisierte kriminelle Strukturen zu prüfen und deren Grenzen im Kontext der sizilianischen Mafia aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die verschiedene netzwerkanalytische Mapping-Methoden (Geo, Actor, Dynamical) zur Problemlösung im Kontext der Kriminalprävention zusammenführt und analysiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil steht zunächst die theoretische Herleitung der Netzwerk-Eignung der Mafia, gefolgt von einer detaillierten Erläuterung der Visualisierungsmethode und der kritischen Prüfung ihres Einsatzes im Kontext polizeilicher Arbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Situated Organizational Mapping, Kriminalprävention, Cosa Nostra, Netzwerkvisualisierung und polizeiliches Wissensmanagement.
Warum ist das "Induktionsproblem" bei der Untersuchung ein zentraler Punkt?
Das Induktionsproblem beschreibt die Gefahr, von der Untersuchung einzelner Akteure im Georaum fälschlicherweise auf allgemeingültige, organisationstypische Merkmale der gesamten kriminellen Organisation wie der Cosa Nostra zu schließen.
Inwiefern erschwert die "Omertà" die Anwendung der Methode?
Die Omertà als Gebot der Schweigepflicht sorgt für eine hohe Informationssicherung innerhalb der Mafia, wodurch der Zugang zu validen Daten über interne Beziehungsgeflechte für externe Sicherheitskräfte massiv erschwert wird.
- Arbeit zitieren
- Marian Schneider (Autor:in), 2016, Situated Organizational Mapping als Methodik zur Kriminalprävention?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/456015