Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Konfliktaustragung im Zusammenhang mit der sprachlichen Gestaltung der Kommentare zum Blogpost von Joe Dramiga.
Die sprachliche Gestaltung äußert sich über die Art der Anrede, die Anwendung bestimmter grammatischer Merkmale, die Frage des Stils oder bestimmte Wortarten. Die Analyse der Arbeit beschränkt sich allerdings nur auf sprachliche Realisierungsformen, wie die Abschwächung, Modalpartikel oder die Deixis. Der Blogpost Differenzialgleichungen für Impfgegner eignet sich für eine Analyse zur Konfliktaustragung besonders gut, da es sich dabei um ein stark kontroverses Thema handelt. In den Kommentaren bilden sich deutlich voneinander abweichende Meinungen, die sich unter anderem durch den Verlust von wissenschaftlicher Sachlichkeit auszeichnen.
Im theoretischen Teil der Arbeit werden die oben genannten sprachlichen Realisierungsformen und deren Funktionalisierung erarbeitet. Des Weiteren werden verschiedene Konzepte der Konfliktaustragung beleuchtet. Dies stellt den Grundbaustein für diese Untersuchung. Im analytischen Teil sollen die sprachliche Gestaltung und der Konflikt zusammengeführt werden. Die Fragen, die dabei beantwortet werden, sollen lauten: Inwiefern kann die Nutzung von sprachlichen Realisierungsformen im wissenschaftlichen Umfeld einen Konflikt verhindern oder provozieren? Welche Formen werden am häufigsten verwendet? Tendieren die Diskutanten dazu ihre Ablehnung ungeschwächt auszudrücken? Wird Rücksicht auf Konventionen der Höflichkeit genommen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konfliktaustragung in der Onlinekommunikation
2.1 Konzepte der Kommunikation – Bedrohung und Höflichkeit
2.2 Strategien zur Konfliktauslösung oder -abwendung
3. Konfliktverhinderung
3.1 Mitigation
3.2 Sprachliche Realisierungsformen
3.2.1 Modalpartikel
3.2.2 Deixis
4. Joe Dramigas Differenzialgleichungen für Impfgegner
4.1 Gattung der Kommentare und relatoinal work-types
4.2 Mitigation und ihre sprachliche Realisierung im Analysekorpus
4.2.1 Modalpartikel und ihre Funktionen
4.2.2 Deiktische Ausdrücke und ihre Funktionen
5. Fazit
6. Anhang
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, inwiefern die sprachliche Gestaltung von Kommentaren zu einem wissenschaftlichen Blogpost zur Konfliktaustragung beiträgt. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter sprachlicher Realisierungsformen zu ergründen, ob Diskutanten in einem kontroversen wissenschaftlichen Kontext eher zur Konfliktverhinderung oder zur Konfliktprovokation neigen.
- Analyse sprachlicher Realisierungsformen wie Mitigation, Modalpartikel und Deixis.
- Untersuchung der Konfliktkultur in der computervermittelnden Kommunikation (CMC).
- Kategorisierung von Kommentaren nach relationalen work-types und Konfliktstrategien.
- Abwägung zwischen Konfliktverhinderung und Konfliktprovokation.
- Überprüfung der Einhaltung von Höflichkeitskonventionen im wissenschaftlichen Diskurs.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Modalpartikel
Modalpartikeln(MP) bilden unflektierte, nicht betonte, fakultative, sowie nicht erfrag- und negierbare Einheiten mit Satzskopus, die meist nur auf das Mittelfeld beschränkt und sehr kombinierfreudig sind. Sie weisen keine referentielle Bedeutung auf, bringen jedoch schwer erfassbare subjektive und situative Aspekte, also kommentierende, wertende oder emotive Gesichtspunkte, zum Ausdruck. Folgender Beispielsatz soll die Eigenschaften der Modalpartikel näher erläutern: Ruf doch endlich einen Techniker an! Die Modalpartikel doch funktioniert hier als Abschwächung der Aufforderung und ist morphologisch nicht veränderbar. Die Betonung liegt im Beispielsatz entweder auf endlich, um die Dringlichkeit in den Vordergrund zu stellen, oder auf Techniker, um dem Angesprochenen zu verdeutlichen, dass er für die Aufgabe nicht qualifiziert ist. Doch ist weder syntaktisch noch semantisch obligatorisch und kann nicht erfragt oder verneint werden. Es könnte durch weitere Modalpartikel kombiniert werden, wie z. B. doch einfach, doch vielleicht. Die Grundfunktion der MP besteht nach Diewald (1999) darin, auf gemeinsamen und als bekannt vorausgesetzten Prätext zu referieren, sodass die momentane Äußerung als Reaktion wahrgenommen wird. Sie können daher als reaktionserzeugende Einheiten wahrgenommen werden. Hentschel (1986) spricht hier von der „metakommunikativen Deixis“ der Modalpartikel. Da sich die Äußerung in der sich die Modalpartikel befindet auf den Prätext, der ein Element außerhalb der Äußerung bildet, bezieht, wird es als relational bezeichnet. Je nach Situation und Anwendung können Modalpartikel völlig unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen einnehmen. Modalpartikeln treten häufig auf, bevorzugt in mündlich-dialogischer schriftformensprachlicher Kommunikation. Nach Frazer (1975) enthält auch ein Heckenausdruck, also eine Festlegungsverminderung, stets ein Partikel bzw. ein Modalpartikel. Durch ihr häufiges Vorkommen und ihre Reaktionserzeugung wurden die Modalpartikeln als erster Gegenstand unter den sprachlichen Realisierungsformen für die Analyse ausgewählt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Konfliktaustragung in wissenschaftlichen Online-Kommentaren ein und stellt die Forschungsfragen bezüglich sprachlicher Realisierungsformen und Konfliktverhalten.
2. Konfliktaustragung in der Onlinekommunikation: Das Kapitel beleuchtet theoretische Konzepte der computervermittelnden Kommunikation, inklusive der Face-Theorie und Höflichkeitsstrategien nach verschiedenen linguistischen Ansätzen.
3. Konfliktverhinderung: Es werden Strategien zur Abschwächung (Mitigation) erläutert, wobei insbesondere Modalpartikel und deiktische Mittel als sprachliche Gestaltungselemente eingeführt werden.
4. Joe Dramigas Differenzialgleichungen für Impfgegner: Dieser Hauptteil analysiert das konkrete Korpus, ordnet Kommentare nach relationalen work-types ein und untersucht die Verwendung von Partikeln und Deiktika in der Praxis.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass in den analysierten wissenschaftlichen Blog-Kommentaren eine hohe Konfliktbereitschaft vorherrscht und Höflichkeitskonventionen weitgehend missachtet werden.
6. Anhang: Der Anhang enthält eine tabellarische Übersicht, die die Verteilung der verschiedenen relationalen Kategorien und sprachlichen Mittel auf die einzelnen Kommentare darstellt.
Schlüsselwörter
Konfliktaustragung, Onlinekommunikation, Modalpartikel, Deixis, Höflichkeit, Mitigation, Face-Theorie, Konfliktverhinderung, Konfliktprovokation, Wissenschaftskommunikation, Sprachliche Gestaltung, Argumentationsanalyse, Relational Work, Weblogs, Sprechakte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Gestaltung von Kommentaren in einem wissenschaftlichen Blog und analysiert, wie diese Gestaltung zur Eskalation oder Vermeidung von Konflikten beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Konfliktaustragung in der Onlinekommunikation (CMC), Höflichkeitstheorien sowie linguistische Strategien der Abschwächung und Verschärfung von Aussagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis eines konkreten Kommentar-Korpus zu ermitteln, ob Nutzer im wissenschaftlichen Online-Diskurs eher dazu tendieren, Konflikte zu provozieren oder diese durch höfliche Strategien zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt eine linguistische Korpusanalyse, bei der Kommentare in Bezug auf ihre relationalen Funktionen (z.B. Booster, Flaming, Framing) sowie ihr Inventar an Modalpartikeln und Deiktika untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret die 18 Kommentare zum Blogpost "Differenzialgleichungen für Impfgegner" und prüft, inwiefern sprachliche Mittel wie "ja", "wohl" oder deiktische Ausdrücke zur Bekräftigung oder Abschwächung der Argumente genutzt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Konfliktverhinderung, Modalpartikel, Deixis, Face-Theorie, Online-Diskurs und Mitigation charakterisiert.
Warum wurde ausgerechnet der Blogpost "Differenzialgleichungen für Impfgegner" für die Analyse gewählt?
Der Blogpost wurde aufgrund seines stark kontroversen Inhalts gewählt, der ein hohes Potenzial für Spannungen bietet und somit ein ideales Beispiel für die Untersuchung von Konfliktdynamiken im wissenschaftlichen Kontext darstellt.
Welche Rolle spielt die "Face"-Theorie in dieser Analyse?
Die Face-Theorie dient als theoretisches Fundament, um zu erklären, wie und warum bestimmte Äußerungen als bedrohlich (Face Threatening Acts) wahrgenommen werden und welche sprachlichen Anstrengungen (oder deren Fehlen) die Diskutanten unternehmen, um das soziale Gleichgewicht zu wahren.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich der Konfliktkultur in wissenschaftlichen Blogs?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Teilnehmer in dem untersuchten Blog eine sehr hohe Konfliktbereitschaft aufweisen und Höflichkeitskonventionen zugunsten einer offenen Konfrontation häufig vernachlässigt werden.
- Arbeit zitieren
- Jessika Bohrer (Autor:in), 2018, Die Rolle der sprachlichen Ausgestaltung von Kommentaren bei wissenschaftlichen Onlinediskussionen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/455477