In Anlehnung an das Hauptseminar Grammatik und Grammatikvermittlung soll diese Hausarbeit von der Strukturierung der Sprache ausgehen, um eventuelle Problematiken selbiger zu analysieren. Dabei soll, in der vorliegenden Arbeit, die Differenzierung in den mündlichen in Abgrenzung zum schriftlichen Bereich eine wichtige Rolle spielen.
Die Geschichte der Grammatik und deren Erforschung erweist sich als lange studiertes und entwickeltes Fachgebiet, weshalb die strukturelle Organisation der Sprache zumindest im schriftlichen Bereich relativ unproblematisch und einheitlich darstellbar ist. Auch findet sich hier zahlreiche Fachliteratur und die Domäne gilt als ausgiebig diskutiert. Doch wie verhält es sich mit der mündlichen Kommunikation und Interaktion?
Inwieweit die Sprachstruktur im mündlichen Bereich dem schriftlichen Bereich gleicht oder von ihm divergiert, soll hier herausgestellt werden. Im Versuch eine Antwort auf diese Frage zu finden, wird das Verhältnis von Grammatik zu Kommunikation durchleuchtet. Dabei geht es um die Frage, in welcher Weise sich Grammatik und speziell Weinrichs Textgrammatik der deutschen Sprache auf Kommunikation beziehen lässt und welche Möglichkeiten diese dem Sprachlerner beim Erfassen gesprochener Sprache bieten kann. Begonnen wird mit einem Vergleich der Textgrammatik von Harald Weinrich mit der herkömmlichen, traditionellen Grammatik des Dudenverlags.
Anhand der Betrachtung der Pronomen man und das in Textbeispielen der Textgrammatik zeichnet sich ab, dass sie im Gegensatz zur traditionellen Grammatik des Dudens, mündliche Kommunikation besser miteinbezieht und Unterschiede zur Schriftsprache lernerorientierter herausstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grammatik und Kommunikation
2.1 Weinrichs Textgrammatik
2.1.1 Das neutrale Pronomen 'man'
2.2 Textgrammatik & traditionelle Duden Grammatik im Vergleich
2.2.1 Vergleich anhand des Fokus-Pronomen 'das'
2.2.2 Bearbeitungsweisen mündlicher Kommunikation
2.2.3 Nutzen im Grammatikunterricht
3. Mündliche Kommunikation und DaF-Grammatikunterricht
3.1 Problem des Primats der geschriebenen Sprache
3.2 Die gesprochene Sprache
3.2.1 Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht
3.2.2 Hörverstehen und Alltagssprache
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Grammatik und Kommunikation im Kontext von Deutsch als Fremdsprache (DaF), mit einem besonderen Fokus auf die Möglichkeiten, die Weinrichs Textgrammatik gegenüber der traditionellen Duden-Grammatik bietet, um das Verständnis gesprochener Sprache bei Lernenden zu verbessern.
- Vergleich zwischen Textgrammatik und traditioneller Duden-Grammatik
- Die Bedeutung von Kontext für das Erlernen grammatischer Strukturen
- Herausforderungen durch den "Schriftlichkeitsbias" im Grammatikunterricht
- Integration mündlicher Kommunikation und Alltagssprache in den DaF-Unterricht
- Förderung der Hörverstehenskompetenz durch authentische Sprachbeispiele
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das neutrale Pronomen 'man'
Was hat man sich unter Grammatik im Sinne der Textgrammatik vorzustellen? Wie Text und Grammatik zusammen passen, lässt sich am folgenden Ausschnitt, indem es um die Betrachtung des grammatischen Phänomens man geht, verdeutlichen. Dabei wird das Pronomen im zusammenhängenden Text betrachtet und hervorgehoben.
„Man kommt oft in nicht geringe Verlegenheit, wenn unsre Lage uns zwingt, mit Leuten umzugehen, die einander Feind sind, wo man es also gar leicht mit einer Partei verdirbt, sobald man mit der anderen gut steht, und es mit beiden verdirbt, wenn man sich ungebeten oder auf unvorsichtige Weise in diese Händel mischt; ich empfehle dabei folgende Vorsichtigkeitsmaßregeln:
Soviel man kann, vermeide man die Unannehmlichkeit, mit zwei Parteien zu gleicher Zeit umzugehen, die miteinander in Zwist leben.
Kann man dies aber nicht ändern, zum Beispiel um plötzlich ein Verhältnis aufzuheben, in welchem man lange Zeit gestanden, so setze man sich womöglich auf den Fuß, durchaus nicht eingeflochten zu werden in die obwaltenden Streitigkeiten! Man bitte sich‘s vielmehr aus, daß in den Gesprächen diese Sache nie berührt werde. Diese Regel findet vorzüglich dann statt, wenn Menschen, die ehemals Freunde gewesen sind, nun auf einmal in Feindschaft miteinander geraten.“ Adolf Freiherr von Knigge: Über den Umgang mit Menschen, 11. Kapitel, Abschnitt 2, hg. Von Gert Ueding, Frankfurt 1977, S. 253. (Weinrich, 1993, S. 100 f.)
Unschwer zu erkennen ist, dass hier ein Ansatz im Sinne einer kommunikationstheoretischen Auffassung zur Geltung kommt. Man sieht, das Pronomen man wird mehrfach in seinem natürlichen Umfeld wiedergegeben und verschafft dem Leser somit einen Eindruck darüber, wie es in seiner Position als neutrales Pronomen genutzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die Differenzierung zwischen mündlicher und schriftlicher Sprachstruktur zu analysieren und den Nutzen von Weinrichs Textgrammatik für den DaF-Unterricht aufzuzeigen.
2. Grammatik und Kommunikation: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen der Verbindung von Grammatik und Kommunikation und plädiert für einen bewussten Lernansatz unter Einbeziehung des Kontexts.
2.1 Weinrichs Textgrammatik: Hier wird begründet, warum Grammatik textbezogen sein sollte, da der Text die primäre Einheit der Kommunikation darstellt.
2.1.1 Das neutrale Pronomen 'man': Anhand eines Textbeispiels aus Knigges "Über den Umgang mit Menschen" wird verdeutlicht, wie Weinrich grammatische Phänomene in ihrem natürlichen Kommunikationskontext betrachtet.
2.2 Textgrammatik & traditionelle Duden Grammatik im Vergleich: Dieses Kapitel stellt die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Grammatiken an die Sprachbeschreibung gegenüber.
2.2.1 Vergleich anhand des Fokus-Pronomen 'das': Es wird untersucht, wie unterschiedlich die beiden Werke mit dem Phänomen des Fokus-Pronomens 'das' umgehen, wobei die Textgrammatik einen deutlich stärkeren Kommunikationsbezug zeigt.
2.2.2 Bearbeitungsweisen mündlicher Kommunikation: Das Kapitel kritisiert, dass der Duden die gesprochene Sprache isoliert und wenig praxisorientiert behandelt.
2.2.3 Nutzen im Grammatikunterricht: Hier wird argumentiert, dass die Einbettung von Grammatik in Sinneinheiten statt in isolierte Wortbeispiele den Lernprozess motivierender und effektiver gestaltet.
3. Mündliche Kommunikation und DaF-Grammatikunterricht: Es wird die Problematik der Integration mündlicher Kommunikation in einen primär schriftorientierten Grammatikunterricht untersucht.
3.1 Problem des Primats der geschriebenen Sprache: Dieses Kapitel beleuchtet, wie der "Schriftlichkeitsbias" die wissenschaftliche Untersuchung gesprochener Sprache sowie den DaF-Unterricht erschwert.
3.2 Die gesprochene Sprache: Die besonderen Voraussetzungen der gesprochenen Sprache, wie ihre Flüchtigkeit und Situativität, werden als Gegenentwurf zur starren Schriftsprachennorm diskutiert.
3.2.1 Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht: Es wird aufgezeigt, dass die Kenntnis von Phänomenen wie Verkürzungen für ein authentisches Sprachverständnis essenziell ist.
3.2.2 Hörverstehen und Alltagssprache: Dieses Kapitel betont, dass das Hörverstehen gezielt geschult werden muss, um Lernende auf die Varianz und die tatsächliche Gebrauchsnorm der Alltagssprache vorzubereiten.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Textgrammatik gegenüber der traditionellen Grammatik funktionale Vorteile für den DaF-Unterricht bietet, jedoch der Lehrer als Vermittler weiterhin eine unersetzliche Rolle spielt.
Schlüsselwörter
Textgrammatik, Kommunikation, DaF-Unterricht, Mündliche Kommunikation, Schriftlichkeitsbias, Fokus-Pronomen, Sprachvarianz, Hörverstehen, Didaktik, Sprachbewusstsein, Grammatikvermittlung, Authentizität, Sprachgebrauch, Lernprozess, Kontextualisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Grammatik und Kommunikation im DaF-Unterricht und vergleicht dabei die Ansätze der Textgrammatik von Harald Weinrich mit der traditionellen Duden-Grammatik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Textgrammatik, der Unterscheidung zwischen mündlicher und schriftlicher Sprache, dem "Schriftlichkeitsbias" in der Sprachforschung sowie der Verbesserung des Hörverstehens und der kommunikativen Kompetenz durch kontextbezogene Grammatikarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, welche Möglichkeiten die Textgrammatik dem DaF-Lerner eröffnet, um die Kluft zwischen grammatischem Regelwissen und der tatsächlichen, lebendigen Kommunikation in gesprochener Sprache zu überbrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Fachliteratur sowie einem vergleichenden Blick auf spezifische Beispiele (wie die Pronomen "man" und "das") in der Textgrammatik und der Duden-Grammatik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum Verhältnis von Grammatik und Kommunikation, einen detaillierten Vergleich von Weinrichs Textgrammatik mit dem Duden sowie eine Untersuchung der Schwierigkeiten und didaktischen Ansätze bei der Integration mündlicher Kommunikation in den Grammatikunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Textgrammatik, DaF-Unterricht, Mündlichkeit, Schriftlichkeitsbias, kontextuelle Grammatikarbeit und Hörverstehen.
Warum wird die Duden-Grammatik im Vergleich zur Textgrammatik als weniger geeignet für mündliche Kommunikation angesehen?
Die Arbeit kritisiert, dass der Duden die gesprochene Sprache oft stiefmütterlich behandelt, isoliert und an der geschriebenen Norm orientiert, während die Textgrammatik mündliche Kommunikation als gleichwertig betrachtet und in authentische Kontexte einbettet.
Welche Bedeutung hat das Pronomen "man" in der Textgrammatik laut der Arbeit?
Das Pronomen "man" dient im Textbeispiel als neutrales Pronomen, das es ermöglicht, gesellschaftliche Konventionen ohne direkte Anrede oder Bevormundung des Adressaten auszudrücken, was Weinrich zur Demonstration eines kommunikationstheoretischen Ansatzes nutzt.
Warum ist das Hörverstehen für den DaF-Lerner laut der Arbeit so problematisch?
Aufgrund des vorherrschenden "Schriftlichkeitsbias" im Unterricht lernen Studierende oft nur die hochsprachliche Norm. Die tatsächliche Alltagssprache weicht jedoch durch regionale Varianten, Verkürzungen und andere Phänomene stark davon ab, was ohne gezielte Schulung zu Verständnisproblemen führt.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Lukas Szpeth (Autor:in), 2014, Welche Möglichkeiten eröffnet die Textgrammatik dem DaF-Lerner bezüglich der gesprochenen Sprache?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/455259