Die Digitalisierung bietet den Wirtschaftssubjekten einer Volkswirtschaft große Chancen. Für Haushalte ist es die intelligente Vernetzung der Heimtechnik, für Unternehmen bieten sich neue Möglichkeiten, die Kundenbedürfnisse noch besser zu befriedigen und Prozesse zu optimieren. Auch den Staaten könnte die Digitalisierung zusätzliches Wirtschaftswachstums bringen. Begleitet werden die Chancen jedoch auch von Risiken wie Cyber-Kriminalität, hohen Investments zu Beginn und einer mangelnden Grundausbildung im Bereich Digitalisierung. Dabei sind die ökonomischen Effekte vielseitig. Diese zeigen sich beispielsweise in den sinkenden Transaktionskosten für die Haushalte.
Trotz oft positiver wirtschaftlicher Effekte wird die Digitalisierung nicht ausreichend von der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) erfasst und stellt im Zuge dessen die Aussagekraft des BIPs in Frage. Grund dafür sind bspw. kostenlose Online Nachrichtenportale, die Printmedien ablösen. Durch Online-Portale hat die Gesellschaft einen schnelleren, günstigeren und einfacheren Zugang zu Informationen. Die sinkende Nachfrage nach Printmedien führt in diesem Bereich zu Umsatzrückgängen. Dieser Rückgang führt wiederum zu einer geringeren Wertschöpfung der Marktwerte.
Nicht nur digitale Produkte, sondern auch der Wert von Daten oder User-Generated-Content lassen die Konsumentenrente auf der einen Seite steigen, auf der anderen Seite aber das BIP sinken. Würde man etwa die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für kostenlose digitale Produkte analysieren, könnte man darüber die Konsumentenrente abbilden. Außerdem trägt die Digitalisierung durch die steigenden Konsumentenrenten zum wachsenden subjektiven Wohlbefinden der Menschheit bei. Im Rahmen der Glücksforschung kann man feststellen, welche Faktoren die Menschen wirklich glücklicher macht. Dadurch könnte man die Veränderung des subjektiven Wohlbefindens feststellen.
Das BIP als Indikator für Wohlstand ist eine unabdingbare Größe zur Feststellung von Wirtschaftswachstum. Gleichwohl ist die Aussagekraft aber begrenzt und sollte daher durch die Veränderung der Konsumentenrente und des subjektiven Wohlbefindens ergänzt werden. Dieser Umstand würde die Effekte der Digitalisierung berücksichtigen und eine vollständige Abbildung der komplexen Realität gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die ökonomischen Effekte der Digitalisierung
2.1 Sinkende Transaktionskosten für Privatpersonen und Unternehmen
2.2 Sinkende Grenzkosten
2.3 Schnelle Multiplikation
2.4 Grenzenlose Reichweite
3. Grundlagen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
3.2 Bruttoinlandsprodukt
3.3 Das Wohlbefinden der Gesellschaft als Indikator
4. Gründe für die volkswirtschaftliche Nichterfassung der Digitalisierung
4.1 Der Wert der Informationen und Daten
4.2 Neue digitale Produkte und Dienstleistungen
4.3 Interaktionen sind wichtiger als Transaktionen
4.4 Die steigende Rechenleistung und der Trend zu Cloud-Servern
4.5 Digitale Plattformen und Self-Service
4.7 Der Wertbeitrag der Sharing Economy
4.8 Die Steueroptimierung von multinationalen Unternehmen
4.9 Umstrukturierungskosten zu Gunsten der Digitalisierung
4.10 Die verzögerte Wirkung von GPT
5. Verbesserungsmöglichkeiten
5.1 Ermittlung der Zahlungsbereitschaft
5.2 Zeiterfassung
5.3 Glücksforschung
5.4 Digitale Produkte
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen, warum der durch die digitale Transformation ausgelöste ökonomische Wandel nicht adäquat in klassischen volkswirtschaftlichen Kennzahlen, wie dem Bruttoinlandsprodukt (BIP), abgebildet wird, und erarbeitet Ansätze zur methodischen Verbesserung dieser Erfassung.
- Ökonomische Effekte der Digitalisierung (Transaktionskosten, Grenzkosten, Netzwerkeffekte)
- Grenzen und Herausforderungen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR)
- Die Rolle von Daten, Sharing Economy und digitalen Dienstleistungen als „unsichtbare“ Wertschöpfung
- Problematik der Zeitersparnis und immaterieller Vermögenswerte in der BIP-Berechnung
- Ansätze zur Erweiterung der Wohlstandsmessung durch Konsumentenrente und Glücksforschung
Auszug aus dem Buch
4.2 Neue digitale Produkte und Dienstleistungen
Wie schon in den vorherigen Kapiteln erwähnt, ist es oftmals schwierig, digitale Produkte und Dienstleistungen in ihrem Wert exakt zu messen. Ergänzend gibt es auch die Variante, dass analoge Produkte durch digitale Produkte ersetzt werden. Ganz extrem wird dieser Vorgang im Bereich der Musikindustrie deutlich. Musik-Streaming-Dienste werden als gänzlich neue Produkte in den volkswirtschaftlichen Verbraucherpreisindex aufgenommen, obwohl es das eigentliche Produkt in analoger Art und Weise schon lange gibt.
Dadurch werden preisliche Schwankungen des Streaming-Anbieters zwar volkswirtschaftlich erfasst, jedoch spiegeln sich die preislichen Differenzen zwischen dem analogen und dem digitalen Produkt nicht wider. Während in der analogen Musikindustrie für jede Einzeltrack-CD oder für jedes Album ein bestimmter Betrag gezahlt werden musste, wird dem Konsumenten nun über ein Monatsabonnement eine umfassende Datenbank von Musiktiteln, Alben und in vielen Fällen sogar Hörbüchern zur Verfügung gestellt.
Durch diese Veränderung ist es nahezu unmöglich, einen einzelnen Musiktitel im Wert zu messen. Zudem kommt die Tatsache, dass es sich bei der CD um ein physisches Produkt und bei den Streaming-Diensten um eine digitale Dienstleistung handelt. Dieser Unterschied reicht aus, um die Streaming-Dienste als neues Produkt in den Verbraucherpreisindex aufzunehmen und diesen nicht zu verfälschen. Würde man analoge Musikprodukte und Streaming-Dienste gleich behandeln, müssten auch Autos der Kompaktklasse durch Mittelklassewagen ersetzt werden, wenn der Absatz der Mittelklassewagen stiege. Anhand dieses Beispiels wird schnell deutlich, welche Herausforderungen für eine aussagekräftige Erfassung digitaler Güter zu bewältigen sind. Dass diese Konflikte jedoch angegangen werden müssen, wird spätestens an der folgenden Abbildung 1 deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problemstellung des Zusammenhangs zwischen Digitalisierung und volkswirtschaftlicher Statistik.
2. Die ökonomischen Effekte der Digitalisierung: Analyse der wesentlichen ökonomischen Veränderungen durch die Digitalisierung, wie sinkende Transaktions- und Grenzkosten sowie Netzwerkeffekte.
3. Grundlagen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung: Erläuterung der VGR als Instrument zur Messung wirtschaftlicher Aktivitäten und Darstellung des BIP als zentrale Kennzahl.
4. Gründe für die volkswirtschaftliche Nichterfassung der Digitalisierung: Detaillierte Untersuchung, warum digitale Phänomene wie Daten, Sharing Economy und Cloud-Computing in traditionellen Statistiken unterrepräsentiert sind.
5. Verbesserungsmöglichkeiten: Vorstellung alternativer Messansätze wie die Berücksichtigung der Konsumentenrente, Zeitersparnisse und Erkenntnisse aus der Glücksforschung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie Notwendigkeit der methodischen Anpassung der Wohlstandsmessung.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Bruttoinlandsprodukt, BIP, Sharing Economy, Transaktionskosten, Konsumentenrente, Digitale Transformation, Wertschöpfung, Wohlstandsmessung, Grenzkosten, Netzwerkeffekte, Immaterielle Vermögenswerte, Glücksforschung, Cloud-Computing
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum die tiefgreifenden ökonomischen Veränderungen durch die Digitalisierung in den aktuellen volkswirtschaftlichen Standard-Statistiken, insbesondere dem BIP, kaum abgebildet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten zählen die ökonomischen Vorteile der Digitalisierung, die Schwächen der aktuellen VGR-Methodik bei digitalen Gütern und neue Ansätze zur Erfassung von Wohlstand.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Gründe für die statistische Nichterfassung der digitalen Transformation zu identifizieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen, um eine präzisere Messung der wirtschaftlichen Realität zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse ökonomischer Theorien, kombiniert mit der Untersuchung statistischer Kennzahlen und dem Abgleich mit aktuellen Trends der digitalen Ökonomie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert spezifische Faktoren wie den Wert von Daten, die Sharing Economy, sinkende Grenzkosten bei digitalen Produkten und die Auswirkungen von General Purpose Technologies (GPT) auf die Produktivität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Digitalisierung, Bruttoinlandsprodukt (BIP), volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Konsumentenrente und digitale Transformation.
Warum ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut der Arbeit unzureichend?
Das BIP konzentriert sich auf materielle Güter und entgeltliche Transaktionen; digitale Leistungen, Zeitersparnisse durch das Internet und der Nutzen von "kostenlosen" digitalen Diensten werden dort nur unzureichend oder gar nicht erfasst.
Was ist die Bedeutung der "Konsumentenrente" im Kontext der Arbeit?
Die Konsumentenrente dient als methodischer Ansatz, um den Mehrwert, den Nutzer durch digitale Produkte (z.B. kostenlose Apps oder Streaming) generieren, über den Marktpreis hinaus ökonomisch quantifizierbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- David Spoida (Autor:in), 2018, Warum schlägt sich die Digitalisierung nicht in den volkswirtschaftlichen Statistiken nieder?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/455121