Diese Arbeit diskutiert die Frage, ob inklusiver Unterricht wirklich zu einem gerechteren Schulsystem führt. Dazu werden die Themen Integration und Inklusion definiert, um dann Inklusion als Aufgabe der öffentlichen Institution Schule zu erläutern.
Schließlich soll gezeigt werden, nach welchen Mustern Schulen Inklusion erlernen können. Außerdem werden die Voraussetzungen inklusiven Unterrichts vorgestellt und dabei unter anderem auf die Rolle von Schule, Lehrern und Eltern, aber auch den Lehrplan und die Bedeutung der Lernumgebung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Annäherung
2.1.1 Integration
2.1.2 Inklusion
2.2 Inklusion als Aufgabe der öffentlichen Schule
3. Unterricht und Schulentwicklung
3.1 Wie lernen Schulen Inklusion?
3.2 Tradierte Denk- und Interaktionsmuster
3.2.1 Das Autonomie-Paritäts-Muster
3.2.2 Das Homogenitäts-Selektions-Muster
3.2.3 Das Etikettierungs-Delegations-Spezialisirungs-Muster
3.2.4 Das Zwei Gruppen-Zuständigkeits-Muster
4. Voraussetzungen inklusiven Unterrichts
4.1 Kooperation und Zusammenarbeit
4.2 Lehrkraft
4.3 Demokratische & chancengerechte Schule
4.4 Heterogenität
4.5 Migration, Mehrsprachigkeit & Religiöser Hintergrund
4.6 Elternarbeit
4.7 Lehrpläne und Leitbilder
4.7.1 Das Curriculum
4.7.2 Individuelle Erziehungspläne
4.8 Unterrichtspraxis
4.8.1 Besondere Bedeutung der inklusive Klasse
4.8.2 Teamarbeit
4.8.3 Lernumgebung und Lernorganisation
4.9 Soziale Interaktion zwischen Schülern
4.10 Evaluierung und Reflexion
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Inklusion und Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob ein inklusives Schulsystem tatsächlich zu mehr Gerechtigkeit für alle Lernenden führt und welche strukturellen sowie didaktischen Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung erforderlich sind.
- Historische Entwicklung der Sonderpädagogik und Inklusion in Deutschland
- Analyse tradierter Denk- und Interaktionsmuster als Barrieren für den inklusiven Unterricht
- Bedeutung von Kooperation, Teamarbeit und Elternpartizipation in inklusiven Schulen
- Rolle der Lehrkräfte und die Gestaltung einer demokratischen, chancengerechten Schulkultur
- Umgang mit Heterogenität, Migration und Mehrsprachigkeit im Unterrichtsalltag
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Das Autonomie-Paritäts-Muster (APM)
D.C. Lortie, der das Autonomie-Paritäts-Muster 1972 erstmals beschrieben hat, beschreibt den Unterricht des/der Lehrer/in als autonom, bei dem nur der/die Lehrer/in Verantwortung für den Unterricht trägt und alle Lehrer/innen in ihrer Arbeitsqualität gleich zu behandeln sind.
Dieses Muster stellt eine Barriere für inklusiven Unterricht dar, da eine Kooperation zwischen Lehrenden und den Eltern des Kindes bestehen muss, damit die Entwicklung und Alltagsarbeit funktionieren kann, denn „die Arbeit in einer Arbeitsgruppe erfordert die Klärung der Rollen der einzelnen Mitglieder, und es ist notwendig, die Verantwortlichkeiten für verschiedene Aspekte festzulegen“ (Wilhem, Eggertsdóttir, Marinósson, 2006, 27).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Einführung des Rechts auf Bildungsgleichheit durch die UN-Behindertenrechtskonvention und hinterfragt kritisch, ob Inklusion automatisch zu einem gerechteren Bildungssystem führt.
2. Begriffliche Annäherung: Hier werden die Konzepte von Integration und Inklusion voneinander abgegrenzt und der Wandel der Schule als öffentliche Aufgabe sowie der Umgang mit Verschiedenheit dargestellt.
3. Unterricht und Schulentwicklung: Dieses Kapitel identifiziert veraltete, tradierte Denk- und Interaktionsmuster, wie das Homogenitäts-Selektions-Muster, die eine inklusive Schulentwicklung erschweren.
4. Voraussetzungen inklusiven Unterrichts: Es werden zentrale Bedingungen wie kooperative Zusammenarbeit, die Haltung der Lehrkräfte, Elternpartizipation, Curriculumsgestaltung und die Bedeutung einer inklusiven Lernumgebung erörtert.
5. Fazit: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass Inklusion allein nicht automatisch Bildungsgerechtigkeit garantiert, sondern eine tiefgreifende strukturelle Veränderung von Konzepten und Haltungen erfordert.
Schlüsselwörter
Inklusion, Inklusive Didaktik, Bildungsgerechtigkeit, UN-Behindertenrechtskonvention, Schulentwicklung, Heterogenität, Sonderpädagogik, Kooperation, Elternarbeit, Schulpflicht, Partizipation, Individualisierung, Unterrichtspraxis, Diskriminierungsvermeidung, Demokratische Schule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit Inklusion im deutschen Schulsystem zu echter Bildungsgerechtigkeit beiträgt und welche didaktischen und strukturellen Reformen dafür notwendig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das Spannungsfeld zwischen Inklusion und Segregation, die Kooperation aller Beteiligten, der Umgang mit Heterogenität sowie die notwendige pädagogische Haltung von Lehrkräften.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Ist ein inklusives Schulsystem gleich ein gerechtes System, und wie lässt sich dieses Ziel in der Praxis realisieren?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung pädagogischer Fachkonzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert bestehende Barrieren durch tradierte Muster im Schulsystem und formuliert konkrete Voraussetzungen für inklusiven Unterricht, wie etwa Teamarbeit und Elternbeteiligung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Inklusion, Bildungsgerechtigkeit, Heterogenität, Schulentwicklung und Partizipation.
Welche Bedeutung kommt der Elternarbeit in einer inklusiven Schule zu?
Die Arbeit unterstreicht, dass Inklusion ohne eine starke Kooperation mit Eltern nicht gelingen kann. Die Eltern sollten als aktiver Teil der Schulgemeinschaft begriffen werden, um Vertrauen und Unterstützung zu schaffen.
Warum wird das "Autonomie-Paritäts-Muster" als Barriere bezeichnet?
Dieses Muster postuliert eine isolierte Autonomie der Lehrkraft. Für Inklusion ist jedoch ein kooperatives Miteinander im Team zwingend, weshalb das Festhalten an dieser isolierten Arbeitsweise den notwendigen Austausch behindert.
- Arbeit zitieren
- Selin Erdogan-Kilinc (Autor:in), 2016, Macht inklusiver Unterricht unser Schulsystem gerechter?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/454746