Die vorliegende Ausarbeitung versucht sich dem Problemkreis der Drogenprävention im Jugendalter anzunähern. Während im Vortrag die praktische Arbeit mit den jungen Menschen im Vordergrund stand, wurde der Schwerpunkt hier auf den Aspekt des Drogenkonsums als einer möglichen Form der Meisterung von Entwicklungsaufgaben gelegt. Sie versucht anzudeuten, dass staatliche Einrichtungen der Suchthilfe als Reparaturwerkstätten gesellschaftlicher Verschleißerscheinungen überfordert sein könnten. Sie sollten vielmehr in einem größeren Rahmen als nützliche Ergänzung bei der Sozialisation mitwirken, als die vorletzte Instanz auf der schiefen Bahn vor der endgültigen Kriminalisierung durch Polizei und Justiz darzustellen. Die Sicht auf Drogen als Gegenstand der Selbstmedikation und als Entwicklungshilfsmittel soll den Blick auf ihre funktionale Aufgaben freilegen und erlauben, die ihrem Gebrauch zugrunde liegenden Widersprüche freizulegen um sie durch adäquatere Mittel aufzulösen. Es werden als Lösungsbeistand von Entwicklungsaufgaben so genannte Live- Skills- Programme vorgeschlagen und es wird eine Einführung in dieses Präventionskonzept geboten. Am Beispiel des Projektes „Stark im Leben. Geschlechtergerechte Gesundheitsförderung“ von Dr. Arnold Hinz wird die praktische Umsetzung eines solchen Programms skizziert.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Begriffsklärung
1.1 Drogen
1.2 Prävention
1.3 Sucht
1.4 Jugendalter
2. Drogen als Regulativ in sozialen Systemen
2.1 Das Ursachendreieck der Sucht
3. Life-Skills Programme
3.1.1 Fähigkeiten im Umgang mit sich selbst
3.1.2 Soziale Fähigkeiten
3.1.3 Informationen zu Alkohol und Drogen
3.2 Das Projekt „Stark im Leben. Geschlechtergerechte Gesundheitsförderung“ von Dr. Arnold Hinz
3.2.1 Die Interventionsziele
3.2.2 Die Unterrichtseinheiten
3.2.3 Die Interventions- und die Kontrollgruppe
3.2.4 Durchführung
3.2.5 Evaluation
3.2.6 Kritik
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Drogenkonsum im Jugendalter primär als eine mögliche Form der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und diskutiert die Wirksamkeit von Präventionsansätzen, die über rein medizinische oder strafrechtliche Maßnahmen hinausgehen.
- Drogenkonsum als Versuch der Selbstmedikation und Bewältigungsstrategie im Jugendalter
- Kritische Analyse staatlicher Suchthilfe als reine „Reparaturwerkstätten“
- Einführung in das Konzept der Life-Skills-Programme
- Praktische Untersuchung des Projekts „Stark im Leben. Geschlechtergerechte Gesundheitsförderung“
- Geschlechtsspezifische Aspekte der Gesundheitsförderung und Suchtprävention
Auszug aus dem Buch
2. Drogen als Regulativ in sozialen Systemen
Betrachtet man die Population der Menschen im Jugendalter, so unterscheidet sich diese vom Rest der Grundgesamtheit Mensch vor allem durch den Umstand, dass sie sich in einem weniger fortgeschrittenen Alter befindet. Die Therapeuten und Sozialarbeiter sind in unserem Fall bei der Sozialisation behilfliche Gesandte der Elterngeneration. Anders als bei vielen anderen Präventionsmaßnahmen interveniert hier eine doppelt nicht betroffene Gruppe. Doppelt nicht betroffen, da sie sicher kein Suchtproblem hat und ganz sicher nicht mehr jugendlich ist. Da Systeme grundsätzlich bestrebt sind, sich selbst zu stabilisieren, würde eine absolut erfolgreiche Sozialisation durch das System der älteren Generation völligen sozialen Stillstand bedeuten.
Junge und ältere Leute differieren in ihrem Drogenkonsumverhalten nicht zuletzt deswegen, weil sie verschiedene Daseinszustände von verschiedenen Daseinsformen aus für erstrebenswert halten. Unter Zuhilfenahme bestimmter Substanzen lässt sich die Diskrepanz zwischen wahrgenommenem Ist und erwünschtem Soll- Zustand leichter ertragen, ist sie jedoch scheinbar oder tatsächlich dauerhaft unüberbrückbar, kann der Zugriff auf besagte Mittel verheerende Auswirkungen zeitigen. Dies gilt über alle Altersgrenzen hinweg. Da die Parental- der Filialgeneration zeitlich vorgelagert ist, bestünde die beste Drogenprävention darin, die eigenen Werte glaubhaft zu machen und vor allem glaubhaft zu vermitteln. Sie also auch selbst in Frage zu stellen und ihre Veränderung nicht allein den Partiallösungen des Generationskonfliktes zu überlassen. Weiterhin ergibt sich daraus notwendig, dass der Jugend die zu ihrer Erreichung erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Drogenkonsum als funktionale Strategie zur Meisterung von Entwicklungsaufgaben und fordert eine Ergänzung der staatlichen Suchthilfe durch präventive Lebenskompetenz-Programme.
1. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Fachbegriffe Drogen, Prävention, Sucht und Jugendalter für den Kontext der Arbeit.
2. Drogen als Regulativ in sozialen Systemen: Es wird die systemtheoretische Perspektive eingenommen, in der Drogen als Mittel zur Überbrückung von Spannungen zwischen Individuum und Umwelt fungieren, sowie das bio-psychosoziale Ursachenmodell eingeführt.
3. Life-Skills Programme: Hier werden Programme zur Förderung von Lebenskompetenzen vorgestellt, die Jugendliche stärken sollen, um die Abhängigkeit von Substanzen zu verringern.
4. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Bedeutung der Stärkung von Lebenskompetenzen zusammen und bewertet das vorgestellte Modellprojekt als wichtigen, ausbaufähigen Ansatz.
Schlüsselwörter
Drogenprävention, Jugendalter, Life-Skills-Programme, Sucht, Gesundheitsförderung, Sozialisation, Entwicklungsaufgaben, Adoleszenz, Ursachenmodell, Geschlechtergerechtigkeit, Prävention, psychische Gesundheit, Selbstwertgefühl, Interventionsgruppe, Risikoverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und praktischen Umsetzung von Drogenprävention im Jugendalter, wobei der Fokus auf der Förderung von Lebenskompetenzen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der systemischen Betrachtung von Sucht, der Funktion von Drogen als Selbstmedikation und der Evaluierung von Life-Skills-Programmen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Jugendliche durch Kompetenzaufbau befähigt werden können, Entwicklungsaufgaben ohne eine suchtinduzierte Realitätsflucht zu bewältigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit entwicklungspsychologischen Ansätzen sowie die Analyse eines quasi-experimentellen Evaluationsberichts eines Präventionsprojekts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Ursachendreieck), die Vorstellung von Life-Skills-Programmen und die detaillierte Vorstellung sowie Kritik des Projekts „Stark im Leben“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Drogenprävention, Jugendalter, Life-Skills-Programme, Sozialisation und Entwicklungsaufgaben.
Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in der Prävention laut dem Autor?
Der Autor argumentiert, dass eine geschlechtsspezifische Ausrichtung der Prävention sinnvoll ist, um Jungen und Mädchen gezielt bei der Bewältigung ihrer spezifischen Entwicklungsaufgaben zu unterstützen.
Wie effektiv war das Projekt „Stark im Leben“ laut Evaluation?
Die Evaluation zeigte Erfolge bei der Verringerung der Raucherprävalenz unter Jungen und der Stärkung der Selbstsicherheit, während bei anderen Aspekten wie der Magersuchtsprävention weniger deutliche Effekte erzielt wurden.
Warum wird der Drogenkonsum im Text als „Selbstmedikation“ bezeichnet?
Der Text betrachtet den Konsum als funktionalen Versuch, wahrgenommene Diskrepanzen zwischen dem eigenen Selbstbild und den Anforderungen der Umwelt zu nivellieren.
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- Heiko Böttcher (Author), 2004, Drogenprävention im Jugendalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/45425