Im Rahmen des Seminars „Kindheit im Film“ geht es im Rahmen dieser Arbeit um eine diskursanalytisch orientierte Filmanalyse des Films „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Die Analyse setzt dabei den Fokus auf die Darstellung des unschuldigen Kindes in der Dichotomie zum schuldigen Erwachsenen in einem Film über die Zeit des Nationalsozialismus. Hier stellt sich die Frage, mit welchen filmästhetischen Mitteln diese differenzierte Vorstellung produziert wird und welche Wirkung mit der Inszenierung beim Rezipienten entsteht. Bei der Betrachtung des Films wird durch die implizierte Trennung der Kinder - und der Erwachsenenwelt eine eindrückliche Wirkung bezogen auf Schuld und Unschuld hervorgerufen, welche bezogen auf den historischen Hintergrund des Nationalsozialismus ein erwünschter Effekt ein könnte. Somit gilt es, sich mithilfe dieser Filmanalyse mit besagter Inszenierung und der daraus resultierenden Wirkung genauer zu beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodik
3. Theoretischer Hintergrund
3.1 Kindheitsfilm
3.2 Kinder im Antikriegsfilm
4. Inhaltsangabe
5. Analyse
5.1 Das Anfangszitat
5.2 Die Parallelmontage
5.3 Die Beförderungsfeier
5.4 Das Kriegsspiel
6. Das unschuldige Kind im Film über den Nationalsozialismus
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer diskursanalytischen Filmanalyse von „Der Junge im gestreiften Pyjama“, wie filmästhetische Mittel eingesetzt werden, um die Dichotomie zwischen kindlicher Unschuld und erwachsener Schuld im Kontext des Nationalsozialismus zu konstruieren und welche Wirkung diese Inszenierung beim Rezipienten erzielt.
- Konstruktionscharakter von Kindheit im Film
- Darstellung von Kindern in Antikriegsfilmen
- Filmästhetik und Kameraführung zur Zuschauerlenkung
- Spannungsfeld zwischen privatem Familienglück und historischem Grauen
- Moralische Verantwortung und Machtstrukturen
Auszug aus dem Buch
5.2 Parallelmontage
In der darauffolgenden Parallelmontage wird abwechselnd das Spiel von Bruno und seinen drei Freunden gezeigt, wie sie durch die Straßen Berlins rennen und den Vorkehrungen, die in Brunos Elternhaus getroffen werden bzgl. der erwarteten Festivität.
In der ersten Szene wird der Blick des Betrachters durch die Verschränkung von Bild und Ton auf die vier Flugzeug spielenden Jungen in den von Erwachsenen beherrschten Straßen geleitet. Die Vogelperspektive ermöglicht einen ersten Überblick über die vorherrschende Situation. Das Bild ist farblich sehr einheitlich in gedeckten Farben gehalten, den einzigen Farbkontrast bieten in diesem Moment die drei roten Flaggen mit den Hakenkreuzen im Hintergrund. Diese lenken den Blick auf die vor dem Gebäude stehenden Soldaten.
Nachdem die Kamera die Kinder heranzoomt, wird deren raumeinnehmende Haltung deutlich. Sie haben die Arme ausgebreitet und rennen zwischen den dicht beieinanderstehenden Tischen hindurch, an denen Erwachsene sitzen und den Kindern teilweise hinterher blicken. Durch das Arrangement des Raums fallen die rennenden Kinder in der sonst ruhigen Bewegung der Erwachsenen besonders ins Auge. Die Szenen der spielenden Kinder sind durch eine bewegende Steadicam - Fahrt und die Stimmen der Kinder begleitet, während die Handlungen im Haus, ruhig wirken und aural lediglich durch die Geräusche der handelnden Personen untermalt werden. Das Gläserklirren, das Besteckgeklimper, sowie das Zusammenrollen des Teppichs werden auditiv mit dem Bild verschränkt. Ansonsten sind lediglich Schritte zu hören, welche sich im Bild wiederfinden. Während draußen die Sonne scheint, wirkt das Innere des Hauses relativ düster.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die diskursanalytische Untersuchung der filmischen Darstellung von Kindheit im Nationalsozialismus anhand des Films „Der Junge im gestreiften Pyjama“ ein.
2. Methodik: Es wird dargelegt, dass Kindheit im filmischen Kontext als mediale Konstruktion verstanden wird, wobei die Analyse filmästhetische Mittel wie Dramaturgie, Montage und Auralität fokussiert.
3. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel verortet den Film im Genre des Kindheits- und Antikriegsfilms und beleuchtet die wissenschaftliche Perspektive auf die Darstellung von Kindern im Holocaust-Kontext.
4. Inhaltsangabe: Hier wird der Plot des Films zusammengefasst, inklusive der zentralen Charaktere und der entscheidenden Entwicklung der Freundschaft zwischen Bruno und Schmuel.
5. Analyse: Die Hauptanalyse untersucht exemplarische Filmszenen wie das Anfangszitat, die Parallelmontage, die Beförderungsfeier und das Kriegsspiel hinsichtlich ihrer filmästhetischen Wirkung.
6. Das unschuldige Kind im Film über den Nationalsozialismus: Dieses Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und diskutiert, wie die Gegenüberstellung von Unschuld und Schuld zur Emotionalisierung und Gesellschaftskritik beiträgt.
7. Schluss: Das Fazit resümiert, dass die Figur des Kindes als Mittel dient, um die Sinnlosigkeit des Krieges zu verdeutlichen und die Schuldfrage auf die erwachsene Gesellschaft zurückzuwerfen.
Schlüsselwörter
Kindheit, Nationalsozialismus, Filmanalyse, Unschuld, Schuld, Filmästhetik, Konstruktion, Holocaust, Antikriegsfilm, Inszenierung, Zuschauerblick, Macht, Dramaturgie, Emotion, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“ die Figur des Kindes nutzt, um die Themen Schuld und Unschuld im Kontext des Nationalsozialismus filmästhetisch darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die filmische Konstruktion von Kindheit, die mediale Darstellung des Holocausts sowie die emotionale Wirkung von Kontrasten zwischen kindlicher Wahrnehmung und nationalsozialistischer Realität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, mit welchen formal-ästhetischen Mitteln die Vorstellung eines unschuldigen Kindes produziert wird und welche Wirkung diese Inszenierung bei den Zuschauern bezüglich der historischen Schuld erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytisch orientierten Filmanalyse, bei der ausgewählte Sequenzen anhand von Kameraführung, Auralität, Mise-en-scène und Montage untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse spezifischer Filmabschnitte, darunter die Parallelmontage, das Anfangszitat sowie die Beförderungsfeier und das Kriegsspiel, um die Filmtechnik in den Kontext der jeweiligen Szene zu setzen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kindheitsfilm, Dichotomie, filmische Inszenierung, historische Kontextualisierung und das „Cinematic Child“ charakterisiert.
Wie unterscheidet der Film zwischen der Welt der Kinder und der Erwachsenen?
Der Film nutzt räumliche Trennungen (z.B. Treppengeländer), unterschiedliche Bildebenen, Lichtverhältnisse und Kontraste in der Auralität, um die naive Kinderwelt bewusst von der schuldbehafteten Erwachsenenwelt abzugrenzen.
Warum fungiert das Kind in diesem Film als „Platzhalter“?
Das Kind dient als Identifikationsfigur, durch die der Zuschauer die historischen Ereignisse „unschuldig“ und emotional gefiltert wahrnehmen kann, während die Figur gleichzeitig Ängste und Hoffnungen der Gesellschaft repräsentiert.
Welche Rolle spielt die Großmutter im Kontext der Schuldfrage?
Die Großmutter stellt eine Ausnahme dar, da sie als einzige Erwachsene ihr Unbehagen gegenüber dem NS-Regime offen zeigt und über den Spiegel eine Verbindung zur Perspektive der Kinder aufbaut.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Das unschuldige Kind im Kriegsfilm in "Der Junge im gestreiften Pyjama", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/452455