In dieser Hausarbeit werde ich das Thema „Gewalt in der Schule – Ansätze und Ideen zur Gewaltprävention“ bearbeiten. Das Thema Gewalt und Aggressionen unter SchülerInnen ist im Laufe der letzten Jahre immer mehr ins Zentrum der Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Diskussion gerückt. Durch den massenmedial geprägten Diskurs wird der Eindruck erweckt, dass die Gewalt an deutschen Schulen im Zeitverlauf, „insbesondere seit den 70er Jahren“ (Holtappels/Heitmeyer/Melzer/ Tillmann 2004: 18), massiv zugenommen hat und dramatische Ausmaße erreicht habe.
Es wird von Vandalismus, Erpressung, Bedrohung, Waffenbesitz usw. berichtet, so dass der Eindruck entsteht, dass „sich die Situation langsam den aus den Vereinigten Staaten bekannten Zuständen annähern würde“ (Fuchs/Lamnek/Luedtke 1996: 27). Bei dem Gedanken an diese Thematik tauchen heute vor dem geistigen Auge Bilder auf „von misshandelten Schülern, geschlagenen Lehrern, […] Bilder von immer jünger werdenden Schülern, die zunehmend brutaler und enthemmter sind“ (ebd., 1). Besonders seit Beginn der 90er Jahre ist das soziale Problem „Gewalt in der Schule“ in den Blick der Wissenschaften, vor allem von Seiten der Soziologie sowie der Kriminologie, geraten.
Laut Meier gibt es in der Wissenschaft einen weitgehend vorherrschenden Konsens, dass von einer massiven Zunahme der Gewalt an Schulen „auf breiter Front“ nicht gesprochen werden kann. „Einer leichten Zunahme körperlicher Gewalt steht ein deutlicher Anstieg verbaler und psychischer Aggressionen gegenüber“ (ebd., 172). Es liegen keine wissenschaftlich abgesicherten Hinweise darauf vor, dass bei der Mehrheit der Schüler eine Zunahme der Gewalt feststellbar ist. Eher deuten viele Befunde darauf hin, dass bei einer kleinen Minderheit der Kinder und Jugendlichen eine Verschärfung der Intensität von Gewalthandlung vorliegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff „Gewalt“
3. Theoriekonzepte zur Gewalt in der Schule
3.1 Gewalt in der Schule als Folge der Modernisierung
3.2 Gewalt in der Schule als Ergebnis der schulischen Lern- und Erziehungsumwelt
4. Ansätze und Ideen zur Gewaltprävention
4.1 Förderung von Leistungschancen und Vermeidung von Schulversagen – Finnland als Vorbild?
4.2 Förderung von Gemeinschaft und Konstitution sozialer Bindungen – Möglichkeiten und
4.3 Verbesserung des Konfliktverhaltens der Lehrpersonen – Das „Konstanzer Trainingsmodell“
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Phänomene von Gewalt und Aggression an Schulen, beleuchtet theoretische Erklärungsansätze für deren Entstehung und diskutiert konkrete präventive Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen.
- Soziologische Erklärungsmodelle für Gewalt im schulischen Kontext
- Modernisierungstheoretische und sozialökologische Perspektiven
- Die Rolle der schulischen Lern- und Erziehungsumwelt
- Präventionsstrategien wie individuelle Lernförderung
- Erlebnispädagogische Ansätze zur Stärkung der sozialen Gemeinschaft
- Reflexion und Training für Lehrpersonal durch das Konstanzer Trainingsmodell
Auszug aus dem Buch
3.1 Gewalt in der Schule als Folge der Modernisierung
Alle Ausprägungen schulischer und außerschulischer Umwelten sind eingebunden in gesamtgesellschaftliche Verhältnisse und deren Veränderungsprozesse (Tillmann/Holler-Nowitzki/Holtappels/Meier/Popp 2000: 32). Aus diesem Grund wird hier zunächst eine modernisierungstheoretische Perspektive betrachtet, die diesem Faktum Rechnung trägt. Außerdem sind die Modernisierungs- und Individualisierungstheorien wohl die am weitesten verbreiteten Erklärungsmodelle für Gewalt (Schubarth 2010: 42).
In Werken von Beck (1986) und Heitmeyer (1993), die den Rahmen dieses makrosozialen Ansatzes bilden, werden „Modernisierungsprozesse vor allem in ihrer destabilisierenden, individualisierenden und verunsichernden Wirkung auf die Subjekte“ (Tillmann/Holler-Nowitzki/Holtappels/Meier/Popp 2000: 32) beschrieben. Im Grunde sind nach diesem Theoriekonzept makrostrukturelle Entwicklungstendenzen der gesellschaftlichen Modernisierung und Entsicherung in hohem Maße verantwortlich für individuelle Problemlagen und psycho-emotionale Befindlichkeiten von SchülerInnen, die zur Bewältigung dieser Problemlagen vielfach auch mit Aggression und Gewalt reagieren (Holtappels/Heitmeyer/Melzer/ Tillmann 2004: 29).
In den nachfolgenden Ausführungen wird auf einige dieser Entwicklungstendenzen der gesellschaftlichen Modernisierung hingewiesen, die mit Blick auf diese Hausarbeit bedeutsam erscheinen. Labile Zukunftsperspektiven und Verunsicherungen bei jungen Menschen werden insbesondere durch die Destabilisierung grundlegender Existenzsicherung durch Massen- und Dauerarbeitslosigkeit und durch den Abbau sozialer Sicherungen erzeugt (Holtappels/Heitmeyer/Melzer/Tillmann 2004: 29f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Gewalt an Schulen ein und reflektiert den wissenschaftlichen Diskurs sowie methodische Herausforderungen bei der Erfassung von Schülergewalt.
2. Der Begriff „Gewalt“: Das Kapitel definiert den Gewaltbegriff, grenzt physische von psychischer Gewalt ab und begründet die Entscheidung der Arbeit, sich auf interpersonelle Gewaltformen zu konzentrieren.
3. Theoriekonzepte zur Gewalt in der Schule: Es werden theoretische Grundlagen für das Verständnis von Aggressionen im schulischen Raum gelegt.
3.1 Gewalt in der Schule als Folge der Modernisierung: Dieses Kapitel analysiert, wie gesellschaftliche Modernisierungsprozesse und damit einhergehende Verunsicherungen zur Entstehung von Gewalt beitragen können.
3.2 Gewalt in der Schule als Ergebnis der schulischen Lern- und Erziehungsumwelt: Hier wird der Fokus auf innerschulische Faktoren gelegt und wie diese das Sozialklima sowie das Gewaltverhalten beeinflussen.
4. Ansätze und Ideen zur Gewaltprävention: Der Hauptteil der Arbeit untersucht pädagogische Interventionsmöglichkeiten.
4.1 Förderung von Leistungschancen und Vermeidung von Schulversagen – Finnland als Vorbild?: Dieses Kapitel diskutiert die Relevanz individueller Förderung und den Blick auf das finnische Bildungssystem.
4.2 Förderung von Gemeinschaft und Konstitution sozialer Bindungen – Möglichkeiten und: Es wird die Erlebnispädagogik als Mittel zur Stärkung sozialer Kompetenzen und des Klassenklimas vorgestellt.
4.3 Verbesserung des Konfliktverhaltens der Lehrpersonen – Das „Konstanzer Trainingsmodell“: Dieses Kapitel erläutert ein spezielles Trainingsmodell zur Steigerung der professionellen Kompetenz von Lehrkräften.
5. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Schulentwicklung sowie politischem Engagement.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Schule, Aggression, Modernisierung, Sozialökologie, Konfliktverhalten, Konstanzer Trainingsmodell, Erlebnispädagogik, Schulklima, Leistungsförderung, soziale Bindungen, Schülergewalt, pädagogisches Handeln, Interaktion, Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Thema Gewalt an Schulen und untersucht, wie dieses Phänomen theoretisch erklärt werden kann und welche praktischen Ansätze zur Gewaltprävention existieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören modernisierungstheoretische Einflüsse, die schulische Erziehungsumwelt, die Bedeutung von Lernchancen sowie Methoden der sozialen und professionellen Kompetenzsteigerung bei Schülern und Lehrern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schule durch professionelles Handeln Risikofaktoren für Gewalt reduzieren und ein förderliches Lernklima schaffen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Hausarbeit, die soziologische Theorieansätze heranzieht und diese mit praktischen Präventionskonzepten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Ursachen von Gewalt und eine Diskussion konkreter Maßnahmen, wie individuelle Förderung, Erlebnispädagogik und das Konstanzer Trainingsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Gewaltprävention, pädagogisches Handeln, Schulklima und Sozialkompetenz geprägt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des finnischen Bildungssystems?
Der Autor sieht das finnische Modell als interessantes Beispiel für individuelle Förderung, weist jedoch darauf hin, dass die Übertragbarkeit und tatsächliche Wirkung auf die Gewaltbelastung nicht abschließend belegt sind.
Warum ist die Lehrperson für die Gewaltprävention so entscheidend?
Lehrpersonen beeinflussen das Klassenklima maßgeblich und können durch reflektiertes Verhalten und professionelle Trainings (wie das KTM) aktiv dazu beitragen, soziale Desintegration zu verhindern.
- Arbeit zitieren
- Torben Stuhldreier (Autor:in), 2015, Gewalt in der Schule. Ansätze und Ideen zur Gewaltprävention, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/452157