Domitian hatte kein gutes Gespür für die Bedürfnisse seines eigenen Standes. Er war beliebt bei seinen Legionen wie wenige Kaiser vor und nach ihm. Auch die Plebs Urbana grollte ihm nicht, aber seine Nachfolger. Domitians Erbe wurde von seinem Nachfolger Nerva und seinen Verbündeten nahezu ausgelöscht. Die wenigen positiven Stimmen wurden als kaisertreue Propaganda zur Seite geschoben und bis vor Kurzem als unwichtig deklariert. Brian Jones hat der Forschung einen großen Dienst erwiesen, indem er nach über einem Jahrhundert wieder ein umfassendes Werk über Domitian schrieb. Um Jones Forschungen zusammenzufassend zu erklären, war Domitian ein brutaler aber sehr effektiver Autokrat, der keinen Sinn für die feinen Machspiele der Senatoren besaß.
Zu einem ähnlichen Ergebnis komme auch ich in dieser Arbeit. Domitian beherrschte sein Reich wie jemand, der seine Senatoren dazu zwingt, ihn nur mit dominus et deus anzusprechen. Es ist also kein Wunder, dass dieser Spruch durch ihn popularisiert wurde und später auch von weiteren Princeps genutzt wurde. Domitian war definitiv kein vorbildlicher Princeps. Es gab mildere Herrscher in Rom, welche genauso gute Feldherren und Verwalter waren, allerdings gab es auch viele schlechtere. Im Endeffekt hat Domitian nur ein solch schlechtes Bild für fast zwei Jahrtausende gehabt, weil die Einzigen als legitim angesehenen Quellen Domitian entweder feindlich gesinnt waren oder in einer extrem Domitian feindlichen Stimmung geschrieben worden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Domitian und das Akzeptanzsystem
2.1 Das Akzeptanzsystem im Allgemeinen
2.2 Domitians Verhältnis zu den einzelnen Gruppen
2.2.1 Das Heer
2.2.2 Die Plebs Urbana
2.2.3 Der Senat
3. Warum hat es Mordversuche gegen Domitian gegeben?
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Herrschaft des römischen Kaisers Domitian und stellt die kritische Forschungsfrage, ob er tatsächlich als ein schlechter "Princeps" zu bewerten ist oder ob das negative Bild durch die antike Geschichtsschreibung verzerrt wurde. Dabei wird das Akzeptanzsystem von Gunnar Seelentag als theoretischer Rahmen angewandt, um Domitians Interaktionen mit den zentralen gesellschaftlichen Gruppen der römischen Kaiserzeit zu analysieren.
- Anwendung des Akzeptanzsystems auf die Herrschaft Domitians
- Analyse der Beziehung zwischen dem Kaiser, dem Heer und der Plebs Urbana
- Untersuchung der Spannungen und Konflikte zwischen Domitian und dem Senat
- Historische Einordnung der Mordkomplotte gegen den Kaiser
- Kritische Revision der antiken Quellenbewertung durch moderne Forschungsergebnisse
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Der Senat
Auch wenn die antiken populären Geschichtsschreiber wie Tacitus, Plinius und Sueton größtenteils negativ von Domitian berichten, Plinius geht sogar so weit ihn als „Schurken, der alle Guten beraubte und peinigte“, wird mittlerweile davon ausgegangen, dass er keine geringe Anzahl von Unterstützern besaß. Zu den großen Unterstützern des Domitian zählt Martial, welcher höchstwahrscheinlich freiwillig als Dichter positiv über Domitian berichtete, da er Martial nie über die Maße mit Patronagen bedachte und somit von einer direkten Einflussnahme nicht auszugehen ist. Allerdings muss bedacht werden, das Martial wie alle Dichter, von Patronen abhängig war und somit versuchte sich, beim Princeps, Gunst und Aufmerksamkeit zu erarbeiten.
Wichtiger allerdings für diese Arbeit ist Frontinus. Er war zwar kein hauptberuflicher Dichter aber Senator und General. Frontinus kämpfte mit Domitian gegen die Chatten. Die Ereignisse dieses Feldzuges sowie weitere Kriegszüge, die nicht von Domitian initiiert wurden, wurden in seiner Strategemata veröffentlicht. In diesem Schriftstück erzählt Frontinus wie Domitian die Kampfweise seiner Legionen änderte, um sich besser gegen die Guerillataktik der Germanen wehren zu können. Bei Sueton und Tacitus wurden die Erfolge dieses Krieges entweder klein geredet oder: „als unverdient und lachhaft beschrieben“. Martial wurde wie Frontinus aber für lange Zeit als kaisertreue Propaganda von Historikern nicht beachtet. Indem positive Berichte über Domitian als Propaganda abgetan wurden und negative Berichte als Wahrheit galten. Erst mithilfe neuerer archäologischer Funde konnte Domitians Regierungszeit unter neuem Licht betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Bewertung von Domitians Herrschaft und Einführung des methodischen Rahmens basierend auf dem Akzeptanzsystem von Gunnar Seelentag.
2. Domitian und das Akzeptanzsystem: Theoretische Erläuterung des Akzeptanzmodells und detaillierte Analyse der spezifischen Beziehungen zwischen Domitian und den Gruppen des Heeres, der Plebs Urbana sowie des Senats.
3. Warum hat es Mordversuche gegen Domitian gegeben?: Untersuchung der Ursachen für die Verschwörungen gegen den Kaiser, wobei insbesondere die steigende Grausamkeit und das angespannte Verhältnis zum Senat als treibende Faktoren beleuchtet werden.
4. Zusammenfassung: Abschließendes Fazit, das Domitian als effektiven Autokraten einstuft, dessen negatives historisches Image maßgeblich auf feindselig eingestellte zeitgenössische Quellen zurückzuführen ist.
Schlüsselwörter
Domitian, Akzeptanzsystem, Gunnar Seelentag, Princeps, Senat, Heer, Plebs Urbana, Mordkomplott, Flavische Dynastie, Antike Quellen, Geschichtsschreibung, Autokratie, damnatio memoriae, mos maiorum, römische Kaiserzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herrschaft von Kaiser Domitian und hinterfragt dessen traditionelles Bild als „pessimus princeps“ (schlechter Kaiser) unter Verwendung moderner historischer Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Akzeptanzsystem, die Interaktion des Kaisers mit verschiedenen gesellschaftlichen Ständen sowie die Ursachen für seine politische Isolation und die späteren Mordversuche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, objektiv zu klären, ob Domitian tatsächlich ein schlechter Herrscher war oder ob das überlieferte negative Bild durch eine voreingenommene Geschichtsschreibung konstruiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das von Gunnar Seelentag entworfene Akzeptanzsystem angewandt, um die sozio-politischen Machtverhältnisse und die Legitimität Domitians im Verhältnis zu Heer, Senat und Volk zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Verhältnisse zwischen Domitian und dem Heer, der Plebs Urbana sowie dem Senat und untersucht, welche Faktoren zu den Verschwörungen gegen den Kaiser führten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Domitian, Akzeptanzsystem, Princeps, römische Kaiserzeit, Senat, Heer, Plebs Urbana, Mordkomplott und antike Historiographie.
Welche Rolle spielt das Heer bei der Bewertung von Domitians Herrschaft?
Das Heer war eine tragende Säule seiner Macht; da Domitian als aktiver Feldherr auftrat und Solderhöhungen gewährte, genoss er bei den Soldaten eine hohe Loyalität, im Gegensatz zum Senat.
Warum wird Domitians Beziehung zum Senat als so problematisch beschrieben?
Der Senat fühlte sich durch Domitians autokratischen Führungsstil, die öffentliche Zurschaustellung seiner Macht („dominus et deus“) und die Einschränkung traditioneller senatorischer Privilegien brüskiert.
Inwiefern beeinflusste das Werk von Brian Jones die Argumentation dieser Arbeit?
Die Forschung von Brian Jones dient als wichtige moderne Grundlage, um Domitians Wirken als effektiver Autokrat neu zu bewerten und die einseitige, oft propaganda-lastige antike Überlieferung zu relativieren.
Was bedeutet die Bezeichnung "pessimus princeps" im Kontext dieser Arbeit?
Der Begriff dient als Ausgangspunkt der Kritik; die Arbeit zeigt auf, dass dieses Etikett eher ein Konstrukt der ihm feindlich gesinnten Elite ist als eine rein objektive historische Bewertung seiner tatsächlichen Regierungsleistungen.
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- Thorbjörn Kasper (Author), 2018, Erklärung des Mordkomplotts an Domitian mit Hilfe des Akzeptanzsystems von Seelentag, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/450822