Unter einem Unternehmenszusammenschluss oder einer Fusion wird in dieser Arbeit die Vereinigung von Unternehmungen auf dem Vertragswege verstanden. Der Begriff Unternehmenszusammenschluss wird hier im weiten Sinn verwendet. Eine feindliche Übernahme, also ein Übernahmeangebot an die Aktionäre, ohne dass das Management damit einverstanden ist, fällt auch darunter.
Ein horizontaler Unternehmenszusammenschluss ist eine Vereinigung von zwei oder mehr Wettbewerbern, die sich auf dem gleichen Markt für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen befinden. Dieser Markt kann auch räumlich getrennt sein wie in Kapitel 2.3 bei den Unternehmensmotiven für Zusammenschlüsse deutlich wird. Damit ist gemeint, dass ein Unternehmen die gleichen Produkte anbietet wie ein anderes, aber nicht im gleichen Staat tätig ist. Die beiden Unternehmen würden in einer solchen Situation zu einem gegebenem Zeitpunkt nicht i n direkter Konkurrenz zueinander stehen, haben möglicherweise aber einen Anreiz zu fusionieren. Daneben gibt es vertikale Fusionen, bei denen sich Unternehmen auf verschiedenen (vorgelagerten oder nachgelagerten) Produktionsstufen zusammenschließen. Der Vollständigkeit halber seien noch die konglomeraten Fusionen erwähnt, die Vereinigungen von Firmen sind, die weder direkte Rivalen noch Produzenten in der selben Wertschöpfungskette sind und die in der Seminararbeit nicht berücksichtigt werden. Im Jahre 2002 haben sich die Fusionsaktivitäten, nach Angaben des Bundeskartellamts, weltweit merklich abgekühlt. Gründe dafür sind unter anderem die Börsenbaisse der vergangenen Jahre und die Abschwächung der früheren Fusionseuphorie. Investoren und Fondsverwalter fragen nachdrücklicher nach den möglichen Vorteilen einer Fusion. Die Börsenbaisse hat Einfluss auf eine wichtige Akquisitionswährung, nämlich die Aktienkurse des übernehmenden Unternehmens. In manchen Branchen herrschte jedoch rege Fusionstätigkeit, u.a. in der Chemie- und Pharmaindustrie, in der leitungsgebundenen Energiewirtschaft und in der Mineralölindustrie. Dort kam es zu tief greifenden Umstrukturierungen. Die folgende Abbildung zeigt Anzahl und Art der beim Bundeskartellamt angemeldeten Fusionen. Die überwiegende Mehrheit waren in allen Jahren horizontale Zusammenschlüsse mit Produktausweitung, was bedeutet, dass das erworbene Unternehmen und der Erwerber auf benachbarten Märkten der gleichen Wirtschaftsstufe tätig sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motive für Unternehmenszusammenschlüsse aus Sicht der Unternehmen
2.1 Effizienzmotiv
2.2 Marktmachtmotiv
2.3 Andere Motive
3. Kartellrechtliche Rahmenbedingung
3.1 Deutsche Fusionskontrolle
3.2 EG- Fusionskontrolle
4. Auswirkungen von (horizontalen) Fusionen auf den Wettbewerb
5. Konzentrationsmaße als schlechtes Mittel für die Bewertung von horizontalen Unternehmenszusammenschlüssen
6. Alternative Bewertungsindikatoren
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Aussagekraft von Konzentrationskennziffern bei der ökonomischen Bewertung horizontaler Unternehmenszusammenschlüsse und stellt diese den kartellrechtlichen Rahmenbedingungen sowie alternativen Bewertungsindikatoren gegenüber.
- Motive für Unternehmenszusammenschlüsse (Effizienz, Marktmacht, Zeitersparnis)
- Kartellrechtliche Fusionskontrollverfahren (Deutschland und EG)
- Wettbewerbsökonomische Auswirkungen horizontaler Fusionen
- Kritik an klassischen Konzentrationsmaßen wie Herfindahl-Hirshmann-Index
- Alternative Ansätze zur Fusionsbewertung (z.B. zweistufiges Verfahren)
Auszug aus dem Buch
2.1 Effizienzmotiv
In Konkurrenz zueinander stehende Unternehmen sind an Effizienzverbesserungen interessiert, um kostengünstige Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Damit bleiben sie wettbewerbsfähig oder bauen sogar einen Vorsprung gegenüber anderen Unternehmen in der Branche auf. In der Regel kommen die Effizienzverbesserungen auch den Konsumenten zugute, insbesondere wenn Kosteneinsparungen durch niedrigere Preise an die Kunden weitergegeben werden oder bei gegebenem Preis Qualitätsverbesserungen erreicht werden. Durch Unternehmenszusammenschlüsse können Effizienzgewinne entstehen. Oft werden synonym dazu „Positive Synergieeffekte … als entscheidender Grund von fusionierenden Unternehmen genannt.“
Nach Röller/Stennek/Verboven gibt es für Unternehmen fünf Kategorien von Effizienzgewinnen, die bei einer Fusion auftreten können und die auf dem Konzept der Produktionsfunktion basieren: Rationalisierungsgewinne, Größen- und Verbundvorteile, technologischer Fortschritt, Nachfragemacht und die Verringerung von X-Ineffizienz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Begriff des Unternehmenszusammenschlusses, grenzt verschiedene Fusionsarten voneinander ab und beschreibt die Fusionsaktivitäten Anfang der 2000er Jahre.
2. Motive für Unternehmenszusammenschlüsse aus Sicht der Unternehmen: Analysiert verschiedene Beweggründe für Fusionen, insbesondere das Streben nach Effizienzsteigerungen, Marktmacht und strategischen Markteintrittsvorteilen.
3. Kartellrechtliche Rahmenbedingung: Erläutert die rechtlichen Grundlagen der Fusionskontrolle sowohl auf nationaler Ebene durch das GWB als auch auf europäischer Ebene.
4. Auswirkungen von (horizontalen) Fusionen auf den Wettbewerb: Diskutiert die ökonomischen Folgen von Fusionen, wie unilaterale Effekte oder Oligopolmarktbeherrschung, und deren Einfluss auf die Wohlfahrt.
5. Konzentrationsmaße als schlechtes Mittel für die Bewertung von horizontalen Unternehmenszusammenschlüssen: Hinterfragt kritisch die Aussagekraft von Instrumenten wie der Konzentrationsrate oder dem Herfindahl-Hirshmann-Index für die Praxis der Fusionskontrolle.
6. Alternative Bewertungsindikatoren: Stellt modernere, zweistufige Analyseansätze sowie den Lerner-Index als Alternative zur klassischen Konzentrationsmessung vor.
Schlüsselwörter
Unternehmenszusammenschluss, Fusion, Industrieökonomik, Kartellrecht, Fusionskontrolle, Effizienzgewinne, Marktmacht, Konzentrationsmaße, Herfindahl-Hirshmann-Index, Wettbewerb, X-Ineffizienz, Marktabgrenzung, Wohlfahrt, Oligopol, Wettbewerbspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum Unternehmen fusionieren und wie diese Zusammenschlüsse kartellrechtlich und ökonomisch bewertet werden, wobei ein besonderer Fokus auf der Kritik an gängigen Konzentrationsmaßen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Motive für Fusionen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Fusionskontrolle sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Messbarkeit von Wettbewerbseffekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die bloße Anwendung von Konzentrationskennziffern zur Bewertung horizontaler Zusammenschlüsse oft unzureichend ist und welche komplexeren Faktoren in die Bewertung einfließen sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und stützt sich auf industrieökonomische Standardmodelle und kartellrechtliche Grundsätze, um die Problematik der Fusionsbewertung zu durchdringen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Effizienz- und Marktmachtmotive, die deutsche sowie europäische Fusionskontrolle, die Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Grenzen statistischer Konzentrationsmaße.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Fusionskontrolle, Marktmacht, Effizienzgewinne, Herfindahl-Hirshmann-Index und Wettbewerbspolitik.
Warum hält der Autor den Herfindahl-Hirshmann-Index für problematisch?
Der Index betrachtet lediglich die Marktanteilsverteilung und kann nicht zwangsläufig auf eine Minderung der sozialen Wohlfahrt schließen, da er komplexe Faktoren wie Effizienzgewinne ausblendet.
Welche Alternative zu klassischen Konzentrationsmaßen wird vorgeschlagen?
Es wird auf das von Röller/Stennek/Verboven entwickelte zweistufige Verfahren verwiesen, das nach einer ersten Grobprüfung durch Standardkriterien in einer zweiten Stufe spezifische Effizienzgewinne detailliert berücksichtigt.
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- Thomas Kansy (Author), 2005, Was lernen wir von Konzentrationskennziffern? - Horizontale Unternehmenszusammenschlüsse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/45025