Wer sich allein dieses Semester 17/18 in der Soziologievorlesung umsieht, erkennt sehr schnell, dass überwiegend Frauen die Audimax Ränge besetzen und nur vereinzelt ein paar Männer in den Reihen auftauchen. Schaut man hingegen in eine Maschinenbauvorlesung überwiegt die Anzahl männlicher Studenten.
In den letzten Jahrzehnten hat der Anteil der Frauen an den höheren Bildungsabschlüssen in allen Fachbereichen zugenommen. Trotzdem findet man sie nur in bestimmten fachlichen Richtungen wieder. Demnach stellt sich die Frage, warum wählen Männer und Frauen die Fachrichtungen und Berufe, die sie wählen.
Inwieweit die Sozialisation von Mädchen ein Indikator bei der Berufswahl ist, soll in dieser Arbeit näher erläutert werden. Dabei wird die aktuelle Situation sowohl des gesellschaftlichen und arbeitsmarktstrukturellen Umfelds, als auch der Stand der Forschung dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die weibliche Ausbildung und Berufswahl in Deutschland
2.1. Schulische Qualifikation
2.2. Berufswahl der Frauen und Segregation
3. Sozialisationsprozess
3.1. Geschlechtsspezifische Sozialisation von Mädchen
3.1.1. Primäre Sozialisation
3.1.2. Sekundäre Sozialisation
3.2. Sozialisation als Ursache der Berufswahl
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss des Sozialisationsprozesses auf das geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten von Frauen in Deutschland, um zu erklären, warum trotz verbesserter Bildungsabschlüsse weiterhin eine deutliche Arbeitsmarktsegregation besteht.
- Aktueller Stand der weiblichen Bildungsabschlüsse und schulischen Leistungen
- Analyse der horizontalen Arbeitsmarktsegregation in verschiedenen Branchen
- Bedeutung der primären Sozialisation innerhalb der Familie für Rollenbilder
- Einfluss der sekundären Sozialisation durch das Bildungs- und Erziehungssystem
- Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Stereotypen und der späteren Berufswahl
Auszug aus dem Buch
3. Sozialisationsprozess
Die ursprüngliche Definition der Sozialisation stammt von Emilé Durkheim, der zunächst Erziehung und Sozialisation voneinander trennt. Er geht davon aus, dass ein Kind ein Spiegelbild der Sozialstruktur der Gesellschaft als Ganzes und des Milieus wird, in dem es lebt (Durkheim, in Hurrelmann 2002:87). Dies ist ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, welcher ein Leben lang anhält und den Menschen erst handlungsfähig in der Gesellschaft macht. Demnach übernimmt das Kind die in der Gesellschaft verankerten Rollen und Strukturen, und die Eltern versuchen durch die Erziehung darauf einzuwirken. Als erste Bezugsperson, mit der das Kind Austausch hat, steht meist die Mutter, deren Verhalten adaptiert wird (Hurrelmann 2002:88).
Diese Definition wurde von Hurrelmann erweitert und gilt seitdem als weitgehend anerkannt. Hurrelmann geht davon aus, dass man nicht nur Spiegelbild der Gesellschaft wird, sondern es ein Zusammenspiel aus der äußeren Realität und der inneren Realität gibt. Die innere Realität umfasst dabei die psychologische Identitätsentwicklung, die in dieser Arbeit zu vernachlässigen ist. Die äußere Realität hingegen ist die Auseinandersetzung mit der sozialen und physikalischen Umwelt, die durch Kommunikation und Interaktion einen reziproken Austausch ermöglicht und damit die Sozialisation fördert (Hurrelmann 2002:7).
Hurrelmann spricht in seiner Definition von drei Ebenen in denen Sozialisation stattfindet. Die primäre Ebene ist die prägendste und findet in der Familie statt. Die sekundäre Ebene ist das Erziehungs- und Bildungssystem. In der tertiären Ebene sozialisieren einen Freunde und Beruf. Dies ist erst später tragend und kann vor der Berufswahl zunächst vernachlässigt werden.
Somit geht es nicht mehr um das reine Erlernen von Rollenmustern der Gesellschaft, sondern man nimmt die Umwelt mit in sich auf, verarbeitet sie nach eigenen Erfahrungen und Persönlichkeitsmerkmalen und passt danach das eigene Bild den Gesellschaftrollen (Hurrelmann 2002:14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen steigenden weiblichen Bildungsabschlüssen und der fortbestehenden geschlechtsspezifischen Wahl von Studien- und Berufsbereichen.
2. Die weibliche Ausbildung und Berufswahl in Deutschland: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Frauen zwar zunehmend höhere Schulabschlüsse erzielen als Männer, sie jedoch in den gewählten Berufsfeldern weiterhin eine starke Segregation aufweisen.
3. Sozialisationsprozess: Der Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen der Sozialisation und analysiert, wie Rollenbilder in der Familie und Schule geschlechtsspezifische Interessen und spätere Berufswahlen beeinflussen.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Berufswahl tief in früh erlernten Stereotypen verwurzelt ist und ein gesellschaftliches Umdenken notwendig ist, um langfristig neue Rollenmuster zu etablieren.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Berufswahl, Geschlechterrollen, Arbeitsmarktsegregation, Bildungsabschlüsse, Primäre Sozialisation, Sekundäre Sozialisation, Rollenbilder, Stereotypen, Persönlichkeitsentwicklung, Gesellschaftsstruktur, Geschlechtsspezifische Erziehung, Bildungsreformen, Berufsorientierung, Gleichstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, weshalb trotz der zunehmenden Bildungserfolge von Frauen eine geschlechtsspezifische Segregation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland weiterhin existiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der schulische Ausbildungserfolg, die Auswirkungen des Sozialisationsprozesses auf die Entwicklung von Rollenbildern und die daraus resultierende Wahl von „geschlechtskonformen“ Berufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Sozialisation von Mädchen als Indikator für ihr späteres Berufswahlverhalten fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Konzepte der Sozialisation (u.a. nach Durkheim und Hurrelmann) in Verbindung mit statistischen Daten des Statistischen Bundesamtes und PISA-Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die schulischen Qualifikationen von Frauen, die horizontale Arbeitsmarktsegregation sowie die Einflüsse der primären und sekundären Sozialisation auf die Identitätsbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, Arbeitsmarktsegregation, Geschlechterrollen und Berufswahl.
Welche Rolle spielt die Familie bei der Berufswahl?
Die Familie fungiert als primäre Sozialisationsebene, in der Kinder Rollenbilder, wie das der fürsorgenden Mutter oder des diskussionsstarken Vaters, adaptieren und diese als Orientierung für eigene Interessen übernehmen.
Wie beeinflusst die Schule die Berufswahl?
Als sekundäre Sozialisationsinstanz prägt die Schule durch die Organisation (z.B. Lehrkräfteverteilung) und inhaltliche Darstellungen in Schulbüchern bestehende Rollenbilder, die Frauen häufig in pflegende oder unterstützende Berufe drängen.
Warum wird die Globalisierung im Kontext der Berufswahl genannt?
Die Globalisierung führt zu einer höheren Individualisierung und einem unsichereren Arbeitsmarkt, was dazu führt, dass Frauen sich häufig auf gesellschaftlich als „sicher“ wahrgenommene, weiblich dominierte Berufe zurückziehen.
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- Sophia Neumann (Author), 2018, Inwieweit ist der Sozialisationsprozess ein Indikator in der Berufswahl von Frauen in Deutschland?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/448984