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Handeln in der Anomie am Beispiel Potzlow. Der Mord an Marinus Schöberl

Titel: Handeln in der Anomie am Beispiel Potzlow. Der Mord an Marinus Schöberl

Hausarbeit , 2012 , 17 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Simon Kullmann (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Zwei Dokumentarfilme studierten bereits das Tatumfeld des Mordes am Schüler Marinus Schöberl durch zwei Gleichaltrige. Häufig wurde die Perspektivlosigkeit in dünn besiedelter Dörflichkeit Brandenburgs als relevant für die Tat beschrieben. Diese Hausarbeit aus dem ersten Semester orientiert sich an Durkheims Theorie der Anomie und fragt nach Handlungsmöglichkeiten der Jugendsozialarbeit.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zur falschen Zeit am falschen Ort / Der Kick

2. Tatumstände

2.1 Dörflichkeit und Jugendkultur

2.2 Die Tatstruktur

2.3 Eltern und Erwachsene

3. Handeln in der Anomie

3.1 Jugendsozialarbeit in Potzlow

3.2 Jugendarbeit als Konstante

3.2.1 Prävention

3.2.2 Jugendbildung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Mord an Marinus Schöberl im Jahr 2002 in Potzlow vor dem Hintergrund sozialer und struktureller Bedingungen, um Möglichkeiten und Grenzen der Jugendsozialarbeit bei der Bearbeitung rechtsextremer Tendenzen zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie in einer von Anomie geprägten Gemeinschaft, die von Perspektivlosigkeit und struktureller Gewalt gezeichnet ist, pädagogische Interventionen wirken können.

  • Analyse der Tatstruktur und des sozialen Umfelds in Potzlow
  • Reflektion über die Rolle von Familie und Dorfgemeinschaft
  • Theoretische Einordnung von "Anomie" im sozialpädagogischen Kontext
  • Kritische Bewertung von Präventionsansätzen und akzeptierender Jugendarbeit
  • Bedeutung von Jugendbildung und kontinuierlichen Angeboten der Sozialarbeit

Auszug aus dem Buch

3. Handeln in der Anomie

Soziale Empathie war ganz offensichtlich nicht Standard in Potzlow. Es handele sich in erster Linie um „frühere Rinder- oder Schweinezüchter und dann arbeitslos, alle dem Alkohol verfallen“, so der Staatsanwalt. Und: „Dem Dorf fehlt der zivilisatorische Standard“49.

Einen solchen, hier polemisch diagnostizierten Zustand nennt man in der sozialpädagogischen Theoriegeschichte Anomie. Ein Begriff, der auf Emile Durkheim (1858 – 1917) zurückgeht und gesellschaftlich „eine soziale Orientierungs- und Bindungslosigkeit“ meint50. Neben einer Zunahme an Gewalt war für Durkheim auch eine erhöhte Selbstmordrate ein Symptom für Anomie51. Bernd Wagner, ehemaliger Oberstleutnant der DDR-Kripo, benutzt diesen Begriff auch in einem Spiegel-Interview von 2005. Die Selbstmordrate sei in der DDR „im internationalen Vergleich erhöht“ gewesen52, nur habe man diese Statistiken nicht veröffentlicht.

Ein sozialpädagogischer Ansatz würde jedoch eher von einer Einzelfallbetrachtung ausgehen. Und in den Erklärungsmodellen für Jugendkriminalität und –gewalt gibt es auch viele Theorien, die eigentlich nicht dazu gedacht sind, sich einer so grausamen Tat wie in Potzlow zu nähern. Insbesondere kausal argumentierende Theorien wie die „Frustrations-Aggressions Hypothese“53 wären trotz bereits genannter vorangegangener mehrdimensionaler Demütigungen der Täter nicht ausreichend, sie würden schlimmstenfalls relativierend wirken, bzw. es gibt zurecht Abwehrreaktionen auf beschwichtigende Affekte, rechte Gewalt im Allgemeinen als direkte Konsequenz von Arbeits- und Perspektivlosigkeit54 oder gar als Folge von Langeweile zu erklären55. Es gibt durchaus Stimmen, die von Jugendarbeit fordern, „eine dezidierte Antiposition gegenüber den als ‚Rechtsextremismus‘ zusammengefassten Phänomenen“56 einzunehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Falls Marinus Schöberl und kritische Auseinandersetzung mit der medialen sowie politischen Aufarbeitung.

2. Tatumstände: Analyse der dörflichen Strukturen, der Tatstruktur als "Männlichkeitstest" und der Rolle des sozialen Umfelds der Täter.

3. Handeln in der Anomie: Theoretische Rahmung durch den Anomie-Begriff sowie Diskussion der Möglichkeiten und Herausforderungen von Jugendarbeit im Kontext von Rechtsextremismus.

Schlüsselwörter

Potzlow, Marinus Schöberl, Anomie, Jugendsozialarbeit, Prävention, Rechtsextremismus, Jugendkultur, Männlichkeit, Strukturschwäche, Sozialisation, Pädagogik, Gewalt, Dorfstruktur, Jugendbildung, Einzelfallbetrachtung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den rechtsextrem motivierten Mord an Marinus Schöberl im Jahr 2002 im brandenburgischen Potzlow und untersucht die gesellschaftlichen sowie strukturellen Hintergründe.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Lage in ländlichen Räumen, rechtsradikalen Subkulturen, Erziehungsvorstellungen in den betroffenen Familien und den Möglichkeiten professioneller Jugendsozialarbeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein Verständnis für das Zustandekommen der Tat zu entwickeln und kritisch zu hinterfragen, welche Rolle die Jugendsozialarbeit vor Ort spielte und inwiefern pädagogische Ansätze zur Prävention geeignet sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die auf der Auswertung von Dokumentarfilmen, Gesprächsprotokollen, Fachliteratur und Berichten über den Mordfall basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Tatumstände (Dörflichkeit, Tatstruktur, familiäres Umfeld) und die theoretische sowie praktische Auseinandersetzung mit "Handeln in der Anomie" und den Ansätzen der Jugendarbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind unter anderem Potzlow, Anomie, Jugendsozialarbeit, Prävention, Rechtsextremismus und Männlichkeitskonstruktionen.

Welche Rolle spielte die Sozialarbeiterin Petra Freiberg in Potzlow?

Sie nahm eine kritische Position zum Dorf ein und versuchte durch mutige Interventionen und eine klare Hausordnung im Jugendclub, das rechtsextreme Milieu zu beeinflussen.

Warum wird der Begriff "Anomie" zur Beschreibung von Potzlow verwendet?

Der Begriff wird genutzt, um die soziale Orientierungs- und Bindungslosigkeit im Dorf zu beschreiben, die laut dem Autor als Nährboden für Gewalt und den Verlust zivilisatorischer Standards fungierte.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Handeln in der Anomie am Beispiel Potzlow. Der Mord an Marinus Schöberl
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Gesellschaft und Persönlichkeit
Note
1,7
Autor
Simon Kullmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V448954
ISBN (eBook)
9783668834873
ISBN (Buch)
9783668834880
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsradikalismus Brandenburg Dörflichkeit Durkheim Anomie Jugendkultur Jugendsozialarbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Simon Kullmann (Autor:in), 2012, Handeln in der Anomie am Beispiel Potzlow. Der Mord an Marinus Schöberl, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/448954
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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