Die Literatur des 20 Jahrhunderts stellt nicht die Frage nach „WAS WIRD ERZÄHLT“, sondern „WIE WIRD ERZÄHLT“. Nicht die Literatur macht die Inhalte aus, sondern wie werden die Inhalte sprachlich gefasst. Alle Kunst ist Form. Kunst kann man nicht von Inhalten bestimmen, sondern sie bestimmt sich immer über die Art und Weise, wie für den Inhalt eine Form gefunden wird.
Der Symbolismus gilt als eine, im neunzehnten Jahrhundert (um etwa 1890-1920) entstandene, literarische Richtung und gründet seine Wurzeln in den gesellschaftlichen Umwälzungen und historischen Ereignissen (Industrialisierung). Er bildet dahingegen den Gegensatz zum Materialismus oder auch dem Naturalismus, in dem er nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit darstellt, sondern seine ästhetische oder mystische Kunstwelt schafft, die für ihn ebenso der „Realität“ entspricht. Die Dichter dieser Bewegung versuchten, das Schöne mithilfe der Sprache wiederzufinden und durch eine bewusste Verkomplizierung der Sprache, die Lyrik als ein Privileg für gebildete Bürger, bereitzustellen. Ein symbolistisches Gedicht umschreibt seinen Inhalt, schmückt das behandelnde Thema aus, verziert es, bevor es auf den Punkt kommt, wobei stets im Vordergrund das Symbol steht. Dabei entsteht eine Verbindung zwischen Dingen und Worten, um sich so dem Mittelpunkt des Gedichts zu nähern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gedichterschließung und Interpretation
2.1 Thema, Inhalt
2.2 Äußere Form, Bauplan
2.3 Strukturierung des Textes
2.4 Interpretation: Inhalts- und Sinn-Analyse
2.5 Thema, Inhalt
2.6 Äußere Form, Bauplan
2.7 Strukturierung des Textes
2.8 Interpretation: Inhalts- und Sinn-Analyse
3. Vergleich der Gedichte
4. Schluss
5. Anhang
5.1 Das Karussell
5.2 Todesfuge
5.3 Literaturverzeichnis
5.3.1 Bücher
5.3.2 Internet
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Charakteristika der Epochen Symbolismus und Expressionismus anhand einer vergleichenden Analyse der Gedichte „Das Karussell“ von Rainer Maria Rilke und „Todesfuge“ von Paul Celan herauszuarbeiten, um sprachliche sowie inhaltliche Übereinstimmungen und Differenzen aufzuzeigen.
- Analyse der Ding-Ästhetik und Symbolik bei Rilke
- Untersuchung des Fugenprinzips und der Metaphorik bei Celan
- Vergleich der formalen Strukturen und rhythmischen Gestaltung
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Epochenmerkmale
- Betrachtung der Wirkung von Literatur „nach Auschwitz“
Auszug aus dem Buch
2.2 Äußere Form, Bauplan
Das Gedicht ist thematisch in vier Strophen untergliedert und besteht insgesamt aus 25 Versen. Acht Verse in der ersten Strophe, sechs Verse in der zweiten Strophe, vier Verse in der dritten Strophe und sieben Verse in der vierten Strophe. Es herrscht ein einheitliches Satzmodell, in dem die Sätze parataktisch gereiht sind, welcher durch Interpunktionen voneinander getrennt sind. Das Metrum des Gedichts ist überwiegend Jambus, was bedeutet, dass ein regelmäßiger Wechsel von unbetonter und betonter Silbe stattfindet. Dieses Metrum wird jedoch im Laufe des Gedichts an einigen Stellen durch Unregelmäßigkeiten, vor allem in der siebten Strophe, unterbrochen. Zahlreiche Anaphern wie „Zähne zeigt und Zunge“ (V.14) und Enjambements, wie in „und drüber ein kleines blaues Mädchen“ (V.10-11), erzeugen den Eindruck einer Drehbewegung, was in Punkt 2.4 Interpretation: Inhalts- und Sinnanalyse genauer erläutert werden soll. Darüber hinaus wird besonders häufig die Konjunktion „und“ wie in „und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel“ (V.22) verwendet, was wahrscheinlich ebenfalls auf die Kreisbewegung anspielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Abgrenzung der literarischen Epochen Symbolismus und Expressionismus im Kontext der Gedichtinterpretation.
2. Gedichterschließung und Interpretation: Detaillierte inhaltliche und formale Untersuchung von Rilkes „Das Karussell“ und Celans „Todesfuge“ unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Epochenkontexte.
3. Vergleich der Gedichte: Analyse der formalen Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowie der symbolischen und metaphorischen Gestaltung der beiden Werke.
4. Schluss: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse über die Bedeutung von Bildhaftigkeit und literarischer Tradition für beide Dichter.
5. Anhang: Bereitstellung der Primärtexte sowie des Literaturverzeichnisses.
Schlüsselwörter
Rainer Maria Rilke, Paul Celan, Symbolismus, Expressionismus, Dinggedicht, Todesfuge, Das Karussell, Literatur nach Auschwitz, Gedichtvergleich, Metaphorik, Epochenvergleich, Klassik, Holocaust, Lyrikanalyse, literarische Tradition
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht zwei bedeutende Gedichte der deutschen Literatur, um die Unterschiede in Form, Inhalt und epochenbedingter Weltanschauung aufzuzeigen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Fokus stehen die literarische Gestaltung der Kindheit bei Rilke und die Verarbeitung der Shoa bei Celan unter dem Aspekt der jeweiligen Epochenmerkmale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifische Charakteristik von Symbolismus und Expressionismus anhand der Beispieltexte sprachlich und inhaltlich zu differenzieren.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Es wird eine strukturelle Interpretation der Gedichte durchgeführt, gefolgt von einem formalen Vergleich der Aufbau- und Stilelemente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelinterpretation beider Gedichte und einen anschließenden komparativen Abschnitt.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Begriffe wie Ding-Ästhetik, Fugenprinzip, schwarze Milch und die Diskrepanz zwischen kindlicher und erwachsener Sichtweise sind zentral.
Inwiefern beeinflusst das „Fugenprinzip“ die Interpretation der Todesfuge?
Es wird als musikalisches Strukturelement gedeutet, das die Polyphonie des Textes und die ausweglose, hetzende Stimmung der KZ-Situation unterstreicht.
Welche Rolle spielt die „schwarze Milch“ als Metapher?
Sie dient als Leitmotiv, das die Umkehrung lebensspendender Funktionen symbolisiert und die Allgegenwart des Todes verdeutlicht.
Wie deutet der Autor das Ende von „Das Karussell“?
Das Ende wird als Moment der Selbstreflexion des lyrischen Ichs verstanden, das eine Diskrepanz zwischen der Unbeschwertheit der Kindheit und der Nüchternheit des Erwachsenen offenbart.
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- Christian Schmitt (Author), 2016, "Das Karussell" von Rainer-Maria Rilke und "Todesfuge" von Paul Celan. Gedichtinterpretation und Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/448190