Die Arktis ist für die meisten Menschen nur ein fernes und vermeintlich wirtschaftlich uninteressantes Gebiet, doch wie die restliche Welt befindet sich auch die Arktis in einem enormen Wandlungsprozess: Zwar strahlte das ewige Eis der Polkappen unserer Erde schon immer eine enorme Anziehungskraft auf die meisten Abenteurer und Entdecker aus aber auch wirtschaftliches Interesse in Form von Walfang und Pelzhandel gehören - vor allem in Grönland - zur Geschichte der Region.
Doch die Aufmerksamkeit und Faszination der Forscher heute erregt das Nordpolargebiet auf eine ganz andere und viel bedeutendere Weise. Die ersten Expeditionen, welche ungefähr Ende des 19. Jahrhunderts starteten, waren noch von Erfolg und Ruhm getrieben, so dass ein regelrechter Wettlauf zum nördlichsten Punkt der Erde entstand - viele mussten allerdings dies mit ihrem Leben bezahlen. Der Sieger blieb allerdings bis heute ungeklärt, denn nachdem 1909 der US-Amerikaner Robert Peary behauptete, als erster Mensch den Nordpol erreicht zu haben verkündete, ein weiterer US-Amerikaner, Frederick Albert Cook, sogar schon ein Jahr früher das Unmögliche geschafft zu haben.
Doch ob er diese Herausforderung tatsächlich meisterte ist aufgrund fehlender Dokumente ungewiss. Seit das Polareis allerdings seine Ewigkeit zu verlieren scheint, starten Forschungsreisen, wie zum Beispiel die russische Expedition „Artika 2007“, nur noch mit dem untergeordneten Ziel sich dadurch mit Erfolg rühmen zu können. Stattdessen wollen Forscher nun die verborgenen Schätze des Gebiets finden: Neben Silber, Zink, Diamanten, Gold und weiteren kostbaren Bodenschätzen dieser Art werden von den meisten Wissenschaftlern knapp ein Fünftel der weltweit vorhandenen Öl- und Gasvorkommen unter dem Eis vermutet. Doch diese vielen Ressourcen in mitten des hoch fragilen Ökosystems der Arktis bringen nicht nur heikle politische und umwelttechnische Themen auf, sondern bedürfen auch einer höchst komplexen Logistik. Laut einigen Experten, wie zum Beispiel dem britischen Militärexperten der Zeitschrift „Jane's Intelligence Review“, wäre sogar eine erneute Militarisierung des Nordpolargebiets möglich, so dass dieser Konflikt zu einer Neuauflage des Kalten Kriegs führen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Arktis im Wandel der Zeit-Vom Niemandsland zum Pulverfass
2 Die Abgrenzung der Arktis
3 Klimawandel: Rückgang des Eises und die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten
4 Ressourcen werden zu Reserven
4.1 Gebietsansprüche
4.1.1 Seerechtsübereinkommen
4.1.2 Arktischer Rat
4.1.3 Multilaterale Konventionen
4.2 Mögliche Militarisierung in der Arktis
4.2.1 Beteiligte Staaten
4.2.2 Mögliche Neuauflage des kalten Krieges
5 Der Einfluss des Ressourcenabbaus auf die indigenen Völker (Sacchalin-2Projekt)
6 Umweltschutz in der Arktis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis, insbesondere unter dem Aspekt der zunehmenden Erschließung dort lagernder Rohstoffe. Dabei wird analysiert, wie das schmelzende Eis neue wirtschaftliche Möglichkeiten schafft und welche politischen sowie sicherheitsrelevanten Konsequenzen dieser „Wettlauf um den Nordpol“ für die Anrainerstaaten und die dort lebende indigene Bevölkerung hat.
- Klimatische Veränderungen in der Arktis und deren Folgen für die Eisdecke.
- Die völkerrechtliche Lage und die territorialen Ansprüche der Anrainerstaaten.
- Militärische Präsenz und das Risiko einer geopolitischen Eskalation.
- Soziale und ökologische Auswirkungen der Rohstoffförderung auf indigene Völker.
- Strategien und Herausforderungen des Umweltschutzes im arktischen Raum.
Auszug aus dem Buch
4.1 Gebietsansprüche
„Der Nordpol gehörte [...] allen und keinem zu gleich“19, so beschreibt Christoph Seidler in seinem Buch „Arktisches Monopoly“ die bis dato geltenden Gebietsansprüche in der Arktis prägnant. Aber wie genau kommt er auf diese Aussage? Dies ist leicht beantwortet: Es ist durch die geografische Lage bedingt, denn dadurch, dass der größte Teil der Arktis ein zugefrorener Ozean ist, sind die Gebietsansprüche zwar, wie in Abb. 3 oben dargestellt, hinsichtlich des Gewässers in Küstennähe weitestgehend geklärt, der Rest ist jedoch noch bis heute internationales Territorium.
So kommt es, dass jeder der fünf Staaten, die an das Nordpolarmeer grenzen, begonnen haben zu versuchen sich ihre jeweiligen Ansprüche zu sichern und diese sogar durch spezielle Anträge zu erweitern. Die Anrainerstaaten stehen also schon in den Startlöchern für einen zweiten Wettlauf zum Nordpol. Dies wurde besonders deutlich, als Russland 2007 eine Landesflagge am Meeresboden des geografischen Nordpols setzte. Das hatte zwar völkerrechtlich kaum Bedeutung, doch eine große Medienwirksamkeit lässt sich nicht abstreiten, sodass die Absetzung der Flagge ein deutliches „Signal nationalstaatlichen Anspruchsdenkens“20 darstellte.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde über den Rohstoffkonflikt in der Nordpolarregion in fast jedem Beitrag der Medienwelt heftig diskutiert und spekuliert. Große Aufmerksamkeit lag dabei auf den einzelnen Gremien der arktischen Politik.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Arktis im Wandel der Zeit-Vom Niemandsland zum Pulverfass: Dieses Kapitel skizziert den Wandel der Arktis von einer unerschlossenen Region hin zu einem politisch und wirtschaftlich hart umkämpften Gebiet.
2 Die Abgrenzung der Arktis: Hier werden die verschiedenen Ansätze zur geografischen und klimatischen Definition der Arktis sowie die rechtliche Einordnung der Anrainerstaaten erläutert.
3 Klimawandel: Rückgang des Eises und die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten: Das Kapitel beschreibt den drastischen Temperaturanstieg in der Arktis und wie die daraus resultierende Eisschmelze den Zugang zu bisher unzugänglichen Rohstoffen ermöglicht.
4 Ressourcen werden zu Reserven: Dieser Abschnitt analysiert die zunehmende Bedeutung der arktischen Bodenschätze und die daraus resultierenden politischen Spannungen.
5 Der Einfluss des Ressourcenabbaus auf die indigenen Völker (Sacchalin-2Projekt): Hier wird die prekäre Lage der indigenen Bevölkerung beleuchtet, deren Lebensgrundlagen durch die industrielle Rohstoffgewinnung gefährdet sind.
6 Umweltschutz in der Arktis: Das Kapitel thematisiert die Notwendigkeit ökologischer Schutzmaßnahmen in einem fragilen Ökosystem und die Rolle internationaler Organisationen sowie politischer Initiativen.
Schlüsselwörter
Arktis, Klimawandel, Rohstoffe, Erschließung, Seerechtsübereinkommen, Gebietsansprüche, Militarisierung, Nordpolarmeer, Indigene Völker, Sacchalin-2, Umweltschutz, Geopolitik, Anrainerstaaten, Nordpol, Energievorkommen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Arktis durch den Klimawandel und dem damit einhergehenden steigenden Interesse an den dortigen Rohstoffvorkommen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die geopolitischen Interessen der Anrainerstaaten, völkerrechtliche Rahmenbedingungen, ökologische Gefahren und die Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Konflikt um die wirtschaftliche Erschließung der Arktis zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich politische Ansprüche und ökonomische Interessen mit ökologischen Notwendigkeiten überschneiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien, völkerrechtlicher Verträge und Expertenberichte zur arktischen Politik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gebietsansprüchen, das Potenzial einer Militarisierung, die Auswirkungen auf indigene Lebensweisen sowie die Herausforderungen des Umweltschutzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Arktis, Klimawandel, Rohstoffe, Geopolitik, Seerechtsübereinkommen und Indigene Völker.
Welche Rolle spielen die USA, Kanada, Russland, Norwegen und Grönland bei den Gebietsansprüchen?
Diese fünf Anrainerstaaten konkurrieren aktiv um die Ausweitung ihrer Hoheitsgebiete und Nutzungsrechte, wobei jeder Staat unterschiedliche Strategien, von juristischen Anträgen bis zur militärischen Präsenz, verfolgt.
Warum ist das "Sacchalin-2" Projekt als Beispiel relevant?
Es dient als Fallbeispiel für die negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen von Großprojekten zur Rohstoffgewinnung auf die traditionelle Lebensweise der dort ansässigen indigenen Bevölkerung.
- Arbeit zitieren
- Mira Pölzer (Autor:in), 2017, Der Klimawandel in der Arktis und die Erschließung von Rohstoffen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/448173