Diese Arbeit soll bezüglich der Forschungsfrage historisch die Jahre 1912 bis 1956 näher betrachten. Sie befasst sich mit der Fragestellung, inwieweit das Französische ein Teil der Gesellschaft Marokkos ist. Darüber hinaus rückt die Frage, in welchem Ausmaß das Französische Marokkos Gesellschaft beeinflusst beziehungsweise geprägt hat, in den Mittelpunkt.
Das Ziel dieser Forschungsfrage ist es, zu untersuchen, inwiefern die französische Sprache oder vielmehr spezifische französische Varietäten im Untersuchungsgebiet verwendet werden. Schließlich wird der Frage nachgegangen, welche Verbindung in sprachlicher und kultureller Hinsicht zu Europa besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. DIE MAROKKANISCHE MONARCHIE
1.1 Das Land der Kontraste
1.2 Historischer Abriss 1912-1956
2. DAS SPRACHTERRAIN
2.1 Schrift- und Standardsprachen
2.1.1 Hocharabisch
2.1.2 Französisch
2.2 Die Volkssprachen
2.2.1 Das Berberische
2.2.2 Marokkanisches Arabisch
2.2.3 Französische Varietäten
3. DIE SPRACHVERWENDUNG
3.1 Der Sprachkontakt
3.2 Bildungssystem
3.3 Literatur und Schauspiel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziolinguistische Situation in Marokko unter besonderer Berücksichtigung der historischen Entwicklung von 1912 bis 1956 und der Rolle der französischen Sprache innerhalb der marokkanischen Gesellschaft.
- Historische Entwicklung des französischen Protektorats und dessen Einfluss auf die Sprachlandschaft
- Klassifizierung und Status der verschiedenen Sprachen (Hocharabisch, Berberisch, Marokkanisches Arabisch, Französisch)
- Analyse der französischen Sprachvarietäten und deren soziokulturelle Einbettung
- Untersuchung des Sprachkontakts, der Diglossie sowie des Code-Switchings
- Bedeutung des Bildungssystems und der Literatur für die Verbreitung und den Erhalt von Sprachen
Auszug aus dem Buch
2.2.3 FRANZÖSISCHE VARIETÄTEN
Vor allem auf marokkanischem Gebiet wird deutlich, dass viele Varietäten des Französischen gesprochen werden. Diese gelten als Soziolekte, da sie in allen sozialen Schichten vertreten sind. Benzakour4 teilt sie in drei Varietäten: Das français basilectal, das français mésolectale und das français acrolectale (vgl. dies. 112 ff.). Beim français basilectal spricht Benzakour von einer nicht geschulten Varietät. Größtenteils analphabetische Hausangestellte der frankophonen Bevölkerung, sprechen ein sehr simples und basiertes Französisch, auch wenn das Französische eine Hochsprache für formelle Anliegen ist.
Das Französisch der obengenannten sozialen Schicht ist von Abweichungen in der Phonetik, welche in Interferenzen mit dem Arabischen oder der Berbersprache resultieren, gekennzeichnet. Beispiele sind hier die Verwechslung von [a] und [o]. Das français basilectal wird von dem Teil der Gesellschaft verwendet, der in der Struktur der arabischen Sprache geschult ist. Benzakour zieht in diesem Zusammenhang Schulabbrecher, die lediglich über lückenhafte Kenntnisse des Französischen verfügen, als Beispiel heran. Sie tendierten zu einer Vermischung erlernter Strukturen, bis hin zur Verwendung sehr vereinfachter oder gar fehlerhafter Ausdrücke. Hieraus resultiert eine Mischung aus einem eher arabisch als französisch geprägtem phonetischen System (vgl. dies. 112 ff.). Eng verwandt mit der französischen Norm ist daneben die Varietät des français mésolectale. Angewendet wird sie von dem Bevölkerungsteil mit einem hohen Bildungsgrad. Es handelt sich um eine Sprache, mit hohem Freiheitsgrad, die dem marokkanischen Gebrauch angepasst worden ist. Soziokulturell gesehen ist eine Form entstanden, die sich durch eine leichte Variation der Aussprache, stellenweise veränderte Syntax, die wiederrum nicht gänzlich dem bon usage entspricht, auszeichnet. Das français mésolectale wird formell sowie informell verwendet und stellt die am häufigsten vorzufindende französische Varietät in Marokko dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DIE MAROKKANISCHE MONARCHIE: Dieses Kapitel beleuchtet die geografische Lage Marokkos, die soziokulturelle Komplexität sowie den historischen Kontext der Kolonialzeit zwischen 1912 und 1956.
2. DAS SPRACHTERRAIN: Hier erfolgt eine detaillierte Differenzierung und Analyse der in Marokko gesprochenen Hoch- und Volkssprachen, einschließlich des Arabischen, Berberischen und der französischen Varietäten.
3. DIE SPRACHVERWENDUNG: Dieses Kapitel untersucht den Sprachkontakt, die Mehrsprachigkeit (Diglossie/Triglossie), das Bildungssystem sowie den Einfluss der französischen Sprache auf Literatur und gesellschaftliche Strukturen.
Schlüsselwörter
Marokko, Französisch, Sprachkontakt, Diglossie, Triglossie, Berberisch, Hocharabisch, Soziolekte, Kolonialismus, Bildungssystem, Identität, Code-Switching, Mehrsprachigkeit, Sprachplanung, Sprachvarietäten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die sprachliche Situation in Marokko, mit einem besonderen Fokus auf die historische Entwicklung und die gegenwärtige Rolle der französischen Sprache im gesellschaftlichen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Kolonialgeschichte, die Klassifizierung der Sprachen und Dialekte, die Verwendung des Französischen als Soziolekt sowie der Einfluss von Sprache auf Bildung und soziale Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Stellenwert und die Einflüsse der französischen Sprache sowie deren Varietäten auf die marokkanische Gesellschaft zu untersuchen und die komplexen Sprachkontaktphänomene zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet einen soziolinguistischen Analyseansatz, der auf Modellen zur Sprachsituation (u.a. von Youssi, Bernstein und Labov) basiert, um Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit und soziale Sprachverwendung zu bewerten.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Sprachenvielfalt (Arabisch, Berberisch, Französisch), die Analyse von Soziolekten sowie die Untersuchung der Sprachverwendung im Bildungssektor und in der Literatur.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben Marokko und Französisch insbesondere Diglossie, Triglossie, Sprachkontakt, Soziolekte und der Einfluss der Kolonialgeschichte auf das moderne Bildungssystem.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den französischen Varietäten?
Die Arbeit unterteilt das Französische in drei Soziolekte: das français basilectal (einfache, fehleranfällige Varietät), das français mésolectale (häufigste, gebildete Varietät) und das français acrolectale (prestigeträchtige Form, konform zum bon usage).
Welche Rolle spielt die arabische Sprache im marokkanischen Bildungswesen?
Obwohl das Französische in wissenschaftlichen Bereichen und Privatschulen stark präsent ist, spielt das Hocharabische als religiöse und kulturelle Norm eine zentrale Rolle, wobei das Bildungswesen durch Arabisierungsprozesse geprägt ist.
Wie beeinflusst das Konzept der Diglossie die marokkanische Gesellschaft?
Die Diglossie führt zu einer Segmentierung der Gesellschaft, da der Zugang zu prestigeträchtigen Sprachen wie dem Französischen oft an den sozioökonomischen Status und das Bildungsumfeld gekoppelt ist.
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- Anonym (Author), 2016, Der Gebrauch französischer Varietäten in Marokko, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/447303