Die Arbeit beschäftigt sich mit der Beziehung Ottos des Grossen zu seinem Sohn Liudolf. Im Zentrum steht hierbei Aufstand und Revolte des Letzteren gegen seinen Vater. Als Quellen dienen Widukinds Sachsengeschichte , Adalberts Fortsetzung des Regino von Prüm , die Chronik des Thietmar von Merseburg und nicht zuletzt Ruotgers Vita Brunonis archiepiscopi Coloniensis . Der Vergleich und die Analyse der Quellen bilden die Grundlage dieser Arbeit. Anhand der somit spezifisch hervorgehobenen Stellen und Unterschiede, welche sich finden, soll ein besseres Verständnis der Beziehung zwischen Otto dem Grossen und Liudolf von Schwaben erzielt, und somit auch ein Einblick in die Handlungsmotive der beiden Figuren geliefert werden. Weiter hat die Arbeit das Ziel aufzudecken, inwiefern der stilisierte und romantisierte Vater-Sohn-Konflikt, welchen uns die Quellen beschreiben, wirklich stattfand, oder ob ein anderes Handlungsmuster aufgezeigt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Die Beziehung Ottos I. zu seinem Sohn Liudolf
i. Hzg. Liudolf v. Schwaben in den Quellen
ii. Das Band von Vater zu Sohn
iii. Politische Lage
iv. Ausbruch der Krise in den Quellen
v. Machtpolitische Ebene
vi. Friedensverhandlungen
vii. Wiederaufnahme in des Königs Gunst
III. Zusammenführung
IV. Quellen und Literaturverzeichnis
i. Quellenverzeichnis
ii. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen Otto dem Großen und seinem Sohn Liudolf unter besonderer Berücksichtigung des Liudolfinischen Aufstands. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die in den Quellen stilisierte Darstellung als klassischer Vater-Sohn-Konflikt den tatsächlichen machtpolitischen Hintergründen und den individuellen Handlungsmotiven der Akteure gerecht wird.
- Analyse der zeitgenössischen Quellen (Widukind, Thietmar, Ruotger, Adalbert)
- Untersuchung machtpolitischer Einflussfaktoren und Thronfolgeproblematiken
- Bewertung der Rolle Heinrichs von Bayern im Kontext der Rebellion
- Kritische Dekonstruktion der Narrative über "väterliche Liebe" vs. "herrscherliche Pflicht"
Auszug aus dem Buch
Die Beziehung Ottos I. zu seinem Sohn Liudolf
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass ein Mann von solcher Qualität das Schwert gegen seinen Vater erhob und in offene Rebellion gegen ihn trat.
Konfliktiv gestaltete sich die Beziehung nicht immer. Ottos Herrschaft war davon geprägt, nahe Verwandte in wichtige Positionen des Reichs zu setzen, um die Stabilität seiner Herrschaft abzusichern. So fungierte auch Liudolf, welcher nach Edgithas Tod 946 als designierter Nachfolger Ottos eingesetzt wurde, als wichtige Stütze der Herrschaft Ottos, nämlich als Herzog in Schwaben. Als Herzog besass Liudolf grossen Handlungsspielraum sowie weitreichende Macht. Daraus ist zu schliessen, dass Otto seinem Sohn durchaus vertraute und diesen auch schätzte sowie auf ihn angewiesen war. Thietmar von Merseburg bestätigt diese Vermutung mit seiner Aussage über die gemeinsame Herrschaft von Vater und Sohn nach Edgithas Tod. In dieser Zeit, wie Thietmar zu berichten weiss, erblühte das Reich unter der gemeinsamen Herrschaft von Vater und Sohn so, dass es schwer zu beschreiben sei. Ein weiteres Ereignis, welches diese Annahme untermauert, ist, dass Liudolf die Italienreise seines Vaters vorbereitete, indem er im Voraus mit seinen Alemannen dorthin zog, um – wie Adelheid Krah schreibt – für den König zu werben. Auch der Chronist Adalbert erwähnt dieses Geschehen in seinem Text, fügt jedoch hinzu, dass der Thronfolger ohne das Wissen seines Vaters und um diesem zu gefallen nach Italien zog, womit er ihn durch seinen Ungehorsam verärgerte. Seiner Einschätzung nach liegt hier der Anstoss der späteren Rebellion.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Die Einleitung stellt das Forschungsthema vor, definiert die zentrale Fragestellung zur Beziehung zwischen Otto dem Großen und Liudolf und gibt einen Überblick über die verwendeten Quellen.
II. Die Beziehung Ottos I. zu seinem Sohn Liudolf: Dieses Hauptkapitel analysiert das persönliche und machtpolitische Verhältnis, die Quellenlage zu Liudolf, die Einflüsse durch Adelheids Heirat und Heinrich von Bayern sowie den Verlauf und die Beendigung des Aufstands.
III. Zusammenführung: Das Fazit synthetisiert die Erkenntnisse und kommt zu dem Schluss, dass der Aufstand primär machtpolitisch motiviert war und Otto seine persönlichen Gefühle seinen Idealen als Herrscher unterordnete.
IV. Quellen und Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet systematisch alle herangezogenen historischen Quellen und die wissenschaftliche Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Otto der Große, Liudolf von Schwaben, Liudolfinischer Aufstand, Mittelalter, Ottonen, Vater-Sohn-Konflikt, Thronfolge, Reichsgeschichte, Machtpolitik, Widukind von Korvei, Thietmar von Merseburg, Herrschaftsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen König Otto dem Großen und seinem Sohn Liudolf von Schwaben und hinterfragt die historischen Hintergründe ihres Konflikts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Machtstrukturen der Ottonenzeit, die Rolle der Thronfolge, die Rivalität zwischen Liudolf und seinem Onkel Heinrich von Bayern sowie die Bewertung historischer Quellen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, ob es sich beim Liudolfinischen Aufstand tatsächlich um einen emotionalen Vater-Sohn-Konflikt handelte oder ob tiefgreifende machtpolitische Ursachen das Handeln der Akteure bestimmten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse, bei der verschiedene zeitgenössische Berichte verglichen und in den Kontext der modernen Forschung gestellt werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Quellenbildes von Liudolf, die Analyse der politischen Lage, den Verlauf des Aufstands sowie die Friedensverhandlungen und die spätere Wiederaufnahme Liudolfs in die Gunst Ottos.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Ottonenzeit, Liudolfinischer Aufstand, Machtpolitik, Thronfolge, Quellenkritik und mittelalterliche Herrschaftsgeschichte.
Welche Rolle spielt die "deditio" bei der Beilegung des Konflikts?
Die Arbeit erläutert, dass die "deditio", also der rituelle Unterwerfungsakt, eine geplante und inszenierte Form der gütlichen Konfliktbeendigung darstellte, die es beiden Parteien ermöglichte, das Gesicht zu wahren.
Warum wird der "romantisierte Vater-Sohn-Konflikt" in der Schlussbetrachtung verworfen?
Der Autor argumentiert, dass Otto als Herrscher seine Pflichten und die Stabilität des Reiches stets über seine väterlichen Gefühle stellte, weshalb der Konflikt eher eine Notwendigkeit der Machtausübung als ein rein privates Zerwürfnis war.
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- Benjamin Perren (Author), 2018, Die Beziehung Ottos des Grossen zu seinem Sohn Liudolf. Ein Vater-Sohn-Konflikt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/446870