Zur Anbahnung der mündlichen Erzählkompetenz entwickeln die SuS eigene Geschichten kleinschrittig am roten Faden, indem sie die charakteristischen Merkmale einer Geschichte kennenlernen und dazu jeweils eigene Ideen entwickeln und umsetzen.
Die Sprachwissenschaft unterscheidet zwischen dem mündlichen und dem schriftlichen Erzählen, das schriftliche Erzählen dominiert in der Schule oft, mündliches Erzählen gilt oft als vorbereitende Phase für das schriftliche Erzählen.
Nach Morek (2007) entwickelt sich die Erzählfähigkeit von Kindern "von anfänglich weitestgehend zusammenhanglosen über linear hin zu erzähltypisch aufgebauten, hierarchisch organisierten und sprachlich entsprechend markierten Ereignisdarstellung". Die Entwicklung der narrativen Fähigkeiten hängt im hohen Maß von der literalen Praxis im Elternhaus ab, fehlende literale Praxis muss in der Schule kompensiert und die Erzählfähigkeit gefördert werden.
Neben der kognitiven Entwicklung als Grundvoraussetzung für die Erzählfähigkeit, gelten auch Impulse durch erwachsene bzw. erzählerfahrende Zuhörende als entscheidender Einflussfaktor. Diese (in der Schule die Lehrkraft) unterstützen die Kinder beim Strukturieren der Erzählung und machen dadurch möglich, dass SuS an der Produktion einer Erzählung mitwirken, die ihre eigenen Möglichkeiten noch übersteigt.
Inhaltsverzeichnis
A Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
A 1 Aufbau der Unterrichtsreihe
A 1.1 Theoretische Darstellung zum unterrichtsfachlichen Bereich und zum Entwicklungs- bzw. Förderbereich
A 1.2 Rahmenbedingungen für das (gemeinsame) Lernen
A 1.3 Begründete Auswahl der „fokussierten Schülergruppe“
A 1.4 Analyse des Zielschwerpunktes
B Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde
B 1 Zielsetzung der Unterrichtsstunde
B1.1 Zentrale Zielsetzung der Unterrichtsstunde (fachliches Ziel)
B1.2 Weitere Zielsetzung der Unterrichtsstunde (förderzielorientiertes Ziel)
B1.3 Zielorientierte Handlungsschritte
B 2 Begründungszusammenhang
B2.1 Begründung von Zielsetzung und Thema
B 2.2 Lernausgangslage der Schüler
B 2.3 Maßnahmen zur Differenzierung
B 3 Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsplanung zielt darauf ab, die mündliche Erzählkompetenz von Grundschülern der Klassen 2 und 3 mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung zu fördern. Im Zentrum steht die strukturierte Entwicklung eigener Abenteuergeschichten mithilfe der Methode des „roten Fadens“, wobei Schüler durch lebensweltbezogene Erzählimpulse dazu motiviert werden, inhaltlich stimmige Geschichten zu erfinden und diese in einer angstfreien Atmosphäre vor einer Kleingruppe zu präsentieren.
- Anbahnung und Strukturierung der mündlichen Erzählkompetenz (Einleitung, Hauptteil, Schluss).
- Einsatz des „roten Fadens“ als visuelle und methodische Strukturierungshilfe für den Erzählprozess.
- Förderung des positiven Kontaktverhaltens und der gegenseitigen Wertschätzung durch strukturiertes Lob.
- Individualisierte Differenzierungsmaßnahmen für Schüler mit verschiedenen Lernvoraussetzungen (Erweiterungs- und Basisstufe).
- Nutzung von Erzählimpulsen aus der Alltagswelt der Schüler zur Steigerung der Erzählmotivation.
Auszug aus dem Buch
A 1.1 Theoretische Darstellung zum unterrichtsfachlichen Bereich und zum Entwicklungs- bzw. Förderbereich
Die Sprachwissenschaft unterscheidet zwischen dem mündlichen und dem schriftlichen Erzählen, das schriftliche Erzählen dominiert in der Schule oft, mündliches Erzählen gilt oft als vorbereitende Phase für das schriftliche Erzählen (vgl. Bartnitzky 2015, S. 50/Hagen/Huber 2007, S. 4).
Nach Morek (2007) entwickelt sich die Erzählfähigkeit von Kindern „von anfänglich weitestgehend zusammenhanglosen über linear hin zu erzähltypisch aufgebauten, hierarchisch organisierten und sprachlich entsprechend markierten Ereignisdarstellung“ (Morek 2007, S. 9)
Wagner nennt drei Stufen der Erzählkompetenz
1. „Basis-Sprechakte“ des Erzählens (berichten, mitteilen, erzählen im engeren Sinn)
2. dialogische Erzählen in Geflecht-Erzählungen
3. monologische Erzählen in Höhepunkt-Erzählungen (vgl. Wagner zit. nach Claussen/Merkelbach 2010, S. 32).
Diese Stufungen können als Orientierung dienen, bedeutet jedoch nicht, dass sich das Erzählen stets zwangsläufig auf diese Art und in vorgegebenen Zeitspannen entwickelt (vgl. Bartnitzky 2006, 35).
Die Entwicklung der narrativen Fähigkeiten hängt im hohen Maß von der literalen Praxis im Elternhaus ab → fehlende literale Praxis muss in der Schule kompensiert und die Erzählfähigkeit gefördert werden (vgl. Uhland/Wildemann 2015, S. 14)
Neben der kognitiven Entwicklung als Grundvoraussetzung für die Erzählfähigkeit, gelten auch Impulse durch erwachsene bzw. erzählerfahrende Zuhörende als entscheidender Einflussfaktor. Diese (in der Schule die Lehrkraft) unterstützen die Kinder beim Strukturieren der Erzählung (vgl. Hausendorf/Quasthoff 1996, S. 283), und machen dadurch möglich, dass SuS „an der Produktion einer Erzählung mitwirken, die ihre eigenen Möglichkeiten noch übersteigt“ (Abraham 2008, S. 49)
Zusammenfassung der Kapitel
A Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge: Dieses Kapitel erläutert den didaktischen Aufbau der Unterrichtsreihe, die theoretischen Hintergründe zum Erzählen sowie die spezifischen Rahmenbedingungen und die Lernausgangslage der Lerngruppe.
B Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde: Dieser Teil konkretisiert die Zielsetzung der spezifischen Unterrichtsstunde, begründet die methodischen Entscheidungen und Differenzierungsmaßnahmen und stellt den geplanten zeitlichen Ablauf dar.
Schlüsselwörter
Erzählkompetenz, Roter Faden, Sprachförderung, Inklusion, Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Abenteuergeschichten, Mündliches Erzählen, Unterrichtsplanung, Differenzierung, Narrative Fähigkeiten, Lernausgangslage, Sozialverhalten, Erzählanlässe, Primarstufe, Schülerorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtsplanung grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung einer Deutschstunde in einer jahrgangsübergreifenden Förderband-Klasse, deren Ziel die Förderung der mündlichen Erzählkompetenz mittels der Methode des „roten Fadens“ ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die didaktische Aufbereitung des mündlichen Erzählens in der Grundschule, die Berücksichtigung von Förderschwerpunkten im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung sowie die Implementierung von Individualisierung und Differenzierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Schüler durch Strukturierungshilfen und lebensweltorientierte Impulse dazu zu befähigen, eigene Abenteuergeschichten in einer logischen Abfolge (Einleitung, Hauptteil, Schluss) zu planen und zu erzählen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Planung basiert auf theoretischen Ansätzen zur Erzähldidaktik, unter anderem nach Bartnitzky, Morek und Claussen, sowie auf einem Förderkonzept, das schülerorientierte Kriterien und ein Ampelsystem zur Verhaltensregulation integriert.
Was wird im Hauptteil der Unterrichtsplanung behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Zielsetzung, die pädagogische Begründung, die Analyse der individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler sowie die Verlaufsplanung für die Erarbeitungs- und Durchführungsphasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Begriffe sind Erzählkompetenz, Roter Faden, Sprachförderung, Inklusion, emotionale und soziale Entwicklung sowie Narrative Fähigkeiten.
Welche besondere Rolle spielt der „rote Faden“ in dieser Stunde?
Der „rote Faden“ dient als visuelle Strukturierungshilfe, an der die Schüler Erzählkarten fixieren können, um den Aufbau ihrer Geschichte (Einleitung, Hauptteil, Schluss) sicher zu erfassen und logisch zu gliedern.
Wie wird mit Schülern umgegangen, die Schwierigkeiten bei der freien Erzählung haben?
Es kommen differenzierte Maßnahmen zum Einsatz, wie etwa die Unterstützung durch die Lehrkraft, das Flüstern der Geschichte ins Ohr der Lehrkraft, oder die Bereitstellung von bildlichen Erzählimpulsen aus der Lebenswelt der Kinder.
Warum ist das Förderziel „Kontaktverhalten“ mit dem Deutschunterricht verknüpft?
Die Verknüpfung ist notwendig, da für das Erzählen von Geschichten vor anderen ein angstfreies, lernförderliches Klassenklima und die Fähigkeit zur gegenseitigen Wertschätzung durch Lob als Basisvoraussetzungen gelten.
- Arbeit zitieren
- Dana Swillims (Autor:in), 2017, Erzählen einer Geschichte mithilfe des roten Fadens (Klasse 2/3 Förderschule), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/446068