1. EINLEITUNG
Die vorliegende Arbeit versucht das Problem über die Anarchie und den Sinn der Anarchie aufgrund des Werkes „Ende einer Dienstfahrt“ von Heinrich Böll zu untersuchen. Die Arbeit ist in sechs Kapitel eingeteilt.
Das erste Kapitel versucht mehr den theoretischen Untergrund des Begriffs der Anarchie und des Anarchismus im kulturhistorischen, philosophischen und politischen Aspekt zu erklären. Es wird die Bedeutungswandlung und die Interpretation des Begriffs bei den verschiedenen Philosophen und Literaten im Verlauf der Geschichte erläutert.
Böll erlebt tief alle Geschehnisse und Ereignisse von seiner Kindheit auf bis zu seinem Lebensende mit. Deswegen fällt es schwer die Erzählung zu begreifen und zu interpretieren, ohne die politischen und wirtschaftlichen Begleiterscheinungen jener Zeit zu erfahren. Zu diesem Zweck wird das zweite Kapitel der historisch-gesellschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland gewidmet, wo die wichtigsten Daten und Angaben vom Schicksal Deutschlands während der unruhigen 50er und 60er Jahre niedergelegt sind.
Im dritten Kapitel folgt die Böllsche Interpretation des Wirklichkeitsbegriffs. Er malt sein eigenes Bild für die Wirklichkeit in der Bundesrepublik Deutschland, das sich von der „wahren Realität“ und den anerkannten Leistungen dieser Zeit krass unterscheidet.
Im fünften Kapitel der Arbeit betrachte ich den literarischen Ausdruck für Bölls Protest gegen die Gesellschaftsordnung sowie Bölls Ablehnung des Staates, der in den 50er und 60er Jahren von den regierenden Christdemokraten vertreten ist, auch Bölls Ablehnung der Neuerrichtung militärischer Streitkräfte im deutschen Staat, Bölls Ablehnung der Steuergesetzgebung, die „gnaden- und erbarmungslos“ dem einzelnen Menschen gegenüber steht und schließlich Bölls Ablehnung der katholischen Kirche, die sich in den Dienst der Regierenden stellt.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER BEGRIFF DER ANARCHIE
3. DIE UNRUHIGEN 50er UND 60er JAHRE
4. BÖLLS WIRKLICHKEITSBEGRIFF
5. „ENDE EINER DIENSTFAHRT“ – LEUGNUNG ODER ZUSTIMMUNG DER GESELLSCHAFTSORDNUNG
A: BÖLLS ABLEHNUNG DER BUNDESWEHR
B: BÖLLS ABLEHNUNG DES STEUERAMTS
C: BÖLLS ABLEHNUNG DER AMTSKIRCHE
6. DIE BEIDEN GRUHLS UND MICHAEL KOHLHAAS – VERKÖRPERUNG DES PROTESTES GEGEN DIE STAATSORDNUNG
7. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Anarchie und deren Sinnhaftigkeit anhand der Erzählung „Ende einer Dienstfahrt“ von Heinrich Böll. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Böll die Gesellschaftskritik, den Protest gegen staatliche Institutionen sowie die Ablehnung autoritärer Strukturen im Kontext der politischen Verhältnisse der 50er und 60er Jahre literarisch verarbeitet.
- Historisch-theoretische Herleitung des Anarchie-Begriffs.
- Analyse des Wirklichkeitsverständnisses bei Heinrich Böll.
- Kritische Untersuchung der Ablehnung von Bundeswehr, Steuerwesen und Amtskirche.
- Vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse zwischen Bölls Erzählung und Kleists „Michael Kohlhaas“.
Auszug aus dem Buch
4. BÖLLS WIRKLICHKEITSBEGRIFF
Das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit ist durch einen ständigen Spannungszustand gekennzeichnet, der je nach eigenem Standpunkt unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Immer wieder wirft man die Frage auf, ob die Literatur die Wirklichkeit abbildet oder eine Wirklichkeit eigener Art darstellt.
Die Realität einer bestimmten Gesellschaft oder einer bestimmten Zeit bestmöglich abzubilden, ist eine der Aufgaben der Literatur und muss nicht unbedingt das Kriterium der Wertung sein. Die Beziehung zwischen Wirklichkeit und literarischer Verarbeitung ist vielschichtig. Deswegen kann man nicht erwarten, dass ein einzelnes Werk wie „Ende einer Dienstfahrt“ von Heinrich Böll die Wirklichkeit exakt wiedergeben soll und nicht eine satirisch karikierende Bearbeitung der Wirklichkeit ist. Für den Schriftsteller genügt es nicht, sich getreulich an die Abbildung der Realität zu halten, sondern er sieht seinen Ruf darin, die Wirklichkeit literarisch zu verdichten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung bezüglich der Anarchie und methodischer Aufbau der Arbeit.
2. DER BEGRIFF DER ANARCHIE: Theoretische Herleitung und kulturhistorische Entwicklung des Begriffs der Anarchie.
3. DIE UNRUHIGEN 50er UND 60er JAHRE: Analyse der politisch-gesellschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in diesem Zeitraum.
4. BÖLLS WIRKLICHKEITSBEGRIFF: Erörterung von Bölls Verständnis von Realität und deren literarische Verdichtung.
5. „ENDE EINER DIENSTFAHRT“ – LEUGNUNG ODER ZUSTIMMUNG DER GESELLSCHAFTSORDNUNG: Untersuchung der spezifischen staatlichen Ablehnungsformen in Bölls Werk.
6. DIE BEIDEN GRUHLS UND MICHAEL KOHLHAAS – VERKÖRPERUNG DES PROTESTES GEGEN DIE STAATSORDNUNG: Vergleichende Analyse des Widerstands in Bölls Erzählung und Kleists Novelle.
7. ZUSAMMENFASSUNG: Fazit über die Bedeutung der Abschaffung von Autoritäten als zentrales Motiv der Anarchie.
Schlüsselwörter
Anarchie, Anarchismus, Heinrich Böll, Ende einer Dienstfahrt, Gesellschaftskritik, Bundesrepublik Deutschland, Literatur und Wirklichkeit, Widerstandsrecht, Michael Kohlhaas, Heinrich von Kleist, Staat, Autoritäten, 50er Jahre, 60er Jahre, politischer Protest.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Thema der Anarchie und die kritische Auseinandersetzung mit der staatlichen Ordnung, wie sie in Heinrich Bölls Erzählung „Ende einer Dienstfahrt“ thematisiert wird.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Felder sind die historische Entwicklung der BRD in den 50er und 60er Jahren, Bölls Wirklichkeitsbegriff, seine Kritik an staatlichen Institutionen und der literarische Vergleich mit dem Widerstandsmotiv bei Kleist.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den „Sinn der Anarchie“ bei Böll zu ergründen und aufzuzeigen, wie der Autor durch die literarische Gestaltung den Protest gegen die damalige Gesellschaftsordnung legitimiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine philosophisch-literarische Analysemethode, kombiniert mit kulturhistorischen Kontextualisierungen und einem vergleichenden Literaturvergleich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, geschichtliche Analysen der Nachkriegszeit, Bölls spezifische Sicht auf die Realität sowie detaillierte Kapitel zur Ablehnung von Militär, Steuersystem und Kirche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Anarchismus, Gesellschaftskritik, Widerstandsrecht, Autoritäten und die Verbindung von Literatur und Realität charakterisiert.
Warum zieht die Autorin einen Vergleich zu Heinrich von Kleist?
Der Vergleich dient dazu, das Motiv des anarchistischen Protests und das starke Rechtsgefühl der Helden in beiden Werken herauszuarbeiten, um Bölls Position im literarischen Kontext besser einordnen zu können.
Welche Rolle spielt der Begriff „Happening“ in Bölls Werk?
Das „Happening“ fungiert bei Böll als eine Form von „Anti-Kunst“ und als Mittel der Provokation, um die Sinnlosigkeit staatlicher Apparate wie der Bundeswehr ästhetisch und politisch zu kritisieren.
- Arbeit zitieren
- Tsvetelina Dittrich (Autor:in), 2001, Über den Sinn der Anarchie. Anhand ´Ende einer Dienstfahrt´ von Heinrich Böll, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/445