Ab dem 01.01.2005 gilt für alle kapitalmarktorientierten Muttergesellschaften in der EU die Verpflichtung, ihre Konzernabschlüsse nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IAS/IFRS) durchzuführen. Im Folgenden werden die aus HGB, EStG und IAS resultierenden Vorschriften zur Leasingbilanzierung von Mobilien (bewegliche Wirtschaftsgüter) bei Vollamortisationsverträgen vorgestellt und die wesentlichen Unterschiede hervorgehoben. Da die Bilanzierungsvorschriften des HGB nach § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG maßgeblich für die steuerrechtlichen Vorschriften des EStG sind, werden nachfolgend nur Unterschiede zwischen HGB/EStG und IAS näher betrachtet. Zu Beginn werden grundlegende Begriffe definiert, bevor im Einzelnen auf die bilanzielle Behandlung des Leasinggegenstandes eingegangen wird. Es wird die Frage geklärt, wem der Leasinggegenstand zugerechnet wird und in welcher Höhe und an welcher Stelle dieser in der Bilanz anzusetzen ist. Dabei werden die Bilanzierungsvorschriften des HGB/EStG denen der IAS gegenübergestellt. Im Schwerpunkt dieser Arbeit steht die bilanzielle Zurechnung des Leasinggegenstandes zum Leasingnehmer bzw. zum Leasinggeber. Ziel ist es, die unterschiedlichen Zurechnungskriterien von HGB/EStG und IAS darzustellen. Dabei soll geklärt werden, ob diese Unterschiede zu unterschiedlichen Bilanzansätzen und somit zu veränderten Kenngrößen des Unternehmens führen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
2.1 Der Leasingbegriff
2.1.1 Operate – Leasing
2.1.2 Finanzierungsleasing
2.2 Vollamortisationsverträge
3 Bilanzielle Behandlung des Leasinggegenstandes
3.1 Ansatz dem Grunde nach
3.1.1 Steuerliche Zurechnung nach den Vorschriften des HGB/EStG
3.1.2 Zurechnung nach den Grundsätzen des IAS
3.1.3 Wesentliche Unterschiede zwischen HGB/EStG und IAS
3.2 Bilanzansatz der Höhe nach
3.2.1 Nach den Vorschriften des HGB/EStG
3.2.2 Nach den Grundsätzen des IAS
3.2.3 Wesentliche Unterschiede zwischen HGB/EStG und IAS
3.3 Bilanzansatz dem Ausweis nach
3.3.1 Nach den Vorschriften des HGB/EStG
3.3.2 Nach den Grundsätzen des IAS
3.3.3 Wesentliche Unterschiede zwischen HGB/EStG und IAS
4 Bilanzielle Behandlung von Zins und Tilgung als Bestandteile der Leasingrate
4.1 Bilanzierung nach HGB/EStG
4.2 Bilanzierung nach IAS
4.3 Wesentliche Unterschiede zwischen HGB/EStG und IAS
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Bilanzierungsvorschriften für das Vollamortisationsleasing von Mobilien nach HGB/EStG und den internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS). Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich die abweichenden Zurechnungskriterien auf den Bilanzansatz und damit auf die unternehmenskritischen Kenngrößen auswirken.
- Vergleich der Zurechnungskriterien von HGB/EStG und IAS
- Analyse der Bilanzierung von Zins und Tilgung in Leasingraten
- Untersuchung der Bilanzansätze dem Grunde sowie der Höhe nach
- Einfluss der Rechnungslegung auf unternehmerische Kennzahlen
- Bewertung von Bilanzierungsspielräumen durch EU-Wahlrechte
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Zurechnung nach den Grundsätzen des IAS
Nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) erfolgt die Zurechnung des Leasinggegenstandes grundsätzlich gemäß des Prinzips „substance over form“ nach dem wirtschaftlichen Eigentum. Allerdings wird dabei das Leasingverhältnis weiter als im deutschen Recht definiert. Im Sinne des IAS 17.4 handelt es sich bei einem Leasingverhältnis um eine Vereinbarung „bei der der Leasinggeber dem Leasingnehmer gegen eine Zahlung oder eine Reihe von Zahlungen das Recht auf Nutzung eines Vermögenswertes für einen bestimmten Zeitraum überträgt.“ Wenn dabei im Wesentlichen alle mit dem Eigentum verbundenen Risiken und Chancen des Leasinggegenstandes übertragen werden, so handelt es sich um ein Finanzierungsleasing. Ob dabei letztendlich das Eigentumsrecht übertragen wird, ist unerheblich.
Die Zurechnung des Leasinggegenstandes erfolgt nach internationalen Standards wie folgt: Wird ein Leasingverhältnis als Finanzierungsleasing klassifiziert, so wird das Leasingobjekt prinzipiell dem LN zugerechnet. Liegt kein Finanzierungsleasing vor, so handelt es sich um Operate-Leasing, bei dem grundsätzlich die Zurechnung zum LG erfolgt. Es ist demzufolge abzugrenzen, um welche Vertragsform es sich im Einzelnen handelt. Dabei kommt es weniger auf die formale Vertragsform im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr auf den wirtschaftlichen Gehalt der Vereinbarung an.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verpflichtung zur Anwendung von IAS/IFRS bei kapitalmarktorientierten EU-Muttergesellschaften ein und umreißt den Vergleich der Leasingbilanzierung zwischen HGB/EStG und IAS.
2 Begriffsklärung: Hier werden die Grundlagen für die Untersuchung geschaffen, indem der Leasingbegriff sowie die Differenzierung zwischen Operate-Leasing, Finanzierungsleasing und Vollamortisationsverträgen erläutert werden.
3 Bilanzielle Behandlung des Leasinggegenstandes: Dieses zentrale Kapitel behandelt die Zurechnungsfragen, die Bewertung des Bilanzansatzes sowie die unterschiedlichen Ausweismöglichkeiten nach deutschen und internationalen Standards.
4 Bilanzielle Behandlung von Zins und Tilgung als Bestandteile der Leasingrate: Das Kapitel analysiert die Aufteilung der Leasingraten in Zins- und Tilgungsanteile und zeigt auf, wie diese unterschiedlich in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) zu erfassen sind.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung der Bilanzierungsspielräume sowie die Auswirkungen auf wichtige Unternehmenskennzahlen hervor.
Schlüsselwörter
Vollamortisationsleasing, Mobilien, HGB, EStG, IAS, IFRS, Bilanzierung, Finanzierungsleasing, Operate-Leasing, substance over form, Rechnungslegung, Anschaffungskosten, Zurechnung, Leasinggeber, Leasingnehmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in der bilanziellen Behandlung von Vollamortisationsleasingverträgen für bewegliche Wirtschaftsgüter zwischen dem deutschen HGB/EStG und den internationalen Standards (IAS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zurechnung des Leasinggegenstandes (wem gehört er wirtschaftlich?), der Bewertung des Ansatzes in der Bilanz und der rechnerischen Aufteilung der Leasingraten in Zins- und Tilgungskomponenten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Zurechnungskriterien von HGB/EStG und IAS gegenüberzustellen und zu klären, ob diese Unterschiede zu veränderten Bilanzansätzen und beeinflussten Unternehmenskennzahlen führen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsvergleichende und bilanzanalytische Methode, indem sie die bestehenden Normen des HGB/EStG mit den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen der IAS systematisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Bereiche: Die Zurechnung dem Grunde nach, die Bewertung der Höhe nach, die bilanzielle Erfassung (Ausweis) sowie die periodengerechte Aufteilung von Zins und Tilgung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vollamortisationsleasing, Mobilien, substance over form, Finanzierungsleasing sowie der Vergleich zwischen HGB und IAS.
Wie unterscheidet sich die Zurechnung zwischen HGB und IAS prinzipiell?
Während das HGB stärker an formale Vertragskriterien anknüpft, stellt IAS konsequent auf das Prinzip „substance over form“ ab, also auf den tatsächlichen wirtschaftlichen Gehalt der Chancen und Risiken.
Welche Rolle spielen die „Anschaffungskosten“ in beiden Systemen?
Beide Systeme nutzen sie als Ausgangsbasis, jedoch erlauben die IAS unter bestimmten Bedingungen Neubewertungen zum beizulegenden Zeitwert, was im deutschen Recht nach HGB/EStG so nicht vorgesehen ist.
- Arbeit zitieren
- Steffen Kleinschmidt (Autor:in), 2004, Die Behandlung des Vollamortisationsleasings von Mobilien in der Rechnungslegung nach HGB, IAS und EStG, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/44313